"Triefensteintag" am 11. Juli

"Die Fans altern eben mit"

Musiker

Wegbereiter für deutschen christlichen Pop und Rock: Die Christusträger-Band "ct&friends" gibt beim "Triefensteintag" am 11. Juli ihr Abschiedskonzert.

Bild: (c) Christusträger-Bruderschaft

Am 11. Juli lädt die evangelische Kommunität der Christusträger-Bruderschaft zum "Triefensteintag". Tausende Gäste werden erwartet. Im epd-Interview stimmt Bruder Bodo Flach auf das Ereignis ein.

Die Christusträger sind eine evangelische Kommunität mit ökumenischer Ausrichtung, die nach den Regeln der alten Mönchsorden lebt. Am Samstag, 11. Juli, kann man sie persönlich kennenlernen: Die Bruderschaft lädt zum "Triefensteintag" in ihr Kloster in den Spessart ein. Tausende Gäste werden erwartet; neben einem Freiluft-Gottesdienst wird vor allem Musik unter freiem Himmel geboten. Einer der Höhepunkte wird das Abschiedskonzert der Christusträger-Band "ct&friends" sein. Bruder Bodo Flach (71) ist seit mehr als 50 Jahren in verschiedenen Musik-Formationen der Bruderschaft aktiv. Im Interview mit epd-Redakteur Daniel Staffen Quandt äußert sich Flach unter anderem zur Bedeutung christlicher Pop-Musik und stimmt auf den Abschied seiner Herzensband ein.

epd: Bruder Bodo, sie sind seit über 52 Jahren bei den Christusträgern und machen dort Musik. Warum legen Sie die Gitarre jetzt beiseite?
Bruder Bodo: "Ganz beiseite lege ich sie noch nicht, aber mit der großen Bandformation mit bis zu acht Mitgliedern, die wir viele Jahrzehnte lang hatten, ist jetzt Schluss. Zum einen werden wir alle nicht jünger, und die Logistik für eine große Band ist körperlich schon recht anstrengend. Zum anderen werden wir hier im Kloster Triefenstein mehr gebraucht."

epd: Viele Menschen rümpfen beim Genre "Christliche Popmusik" die Nase. Ist christlicher Pop und Rock besser als sein Ruf?
Bruder Bodo: "Ganz bestimmt ist er besser. Diesen angeblich schlechten Ruf hatte das Genre schon vor 30 oder 40 Jahren, als es noch ziemlich jung war. Damals wurde alleine schon die Nase gerümpft, wenn man ein Schlagzeug in die Kirche getragen hat. Ich habe eigentlich den Eindruck, dass der Ruf heute besser ist als damals. Christliche Popmusik gehört ja inzwischen auch zur Ausbildung von Kirchenmusikern. Es gibt heute viele tolle Profi-Musiker - da gibt es gar keinen Anlass, das abzuwerten."

epd: Waren die CT-Formationen CTA, CTB und zuletzt ct&friends auch ein Stück weit Wegbereiter für deutschen christlichen Pop und Rock?
Bruder Bodo: "Eigenlob ist jetzt nicht so meine Sache, aber es ist schon richtig, dass wir in Deutschland wohl zumindest mit die ersten waren, die Pop und Rock in die Kirchen gebracht haben. Ab 1971 bis in die 1990er Jahre haben wir auch junge Menschen dazu angeregt, selbst Musik zu machen. Im damaligen Internat auf dem Schwanberg haben wir in den Ferien Bandfreizeiten gemacht. Es ging uns um Musik und Glauben, also darum, auch Jesu Botschaft beim Musikmachen im Kopf zu haben."

 

epd: Erinnern Sie sich noch an die Anfänge der CT-Bands?
Bruder Bodo: "Ja, natürlich. Die Gründer unserer Bruderschaft wollten junge Leute für Glauben begeistern - und da kamen sie schnell auf die Musik. Jazz, Beat und alles, was eben in den 1960er Jahren angesagt war. Daraufhin wurden in Darmstadt drei Abende organisiert und eine Jazz-Band aus Studenten gemietet, die dann unter dem Motto ,Jazz, Jugend, Jesus' stattgefunden haben, inklusive 15 Minuten Predigt."

epd: Was war damals Ihre Rolle?
Bruder Bodo: "Ich war damals Fotografen-Lehrling und sollte bei der Veranstaltung fotografieren. Das war zunächst nur ein Job, im Prinzip war das mein erster Kontakt mit Christen - ich komme aus einem nicht-religiösen Elternhaus. So fing das an, mit einer gemieteten Band. Ein Jahr später war ich selbst Christusträger und wieder ein Jahr später hatte die Bruderschaft ihre erste eigene Band, um aufzutreten."

epd: Wie sind denn die Songs der CT-Bands entstanden?
Bruder Bodo: "Eigene Songs haben wir nur wenige, ich habe aus meinen Jazzkeller-Zeiten einige Instrumentalstücke mitgenommen, die wir ganz am Anfang gespielt haben. Meistens haben wir gecovert: Gospels und Spirituals mit deutschen Texten, neue geistliche Lieder und so weiter. Erst viel später haben wir dann bekannten und eingängigen Pop- und Rocksongs neue Texte mit christlicher Botschaft verpasst."

epd: In den 1970er und 1980er Jahren war die Popmusik insgesamt sehr kreativ, auch die christliche. Was ist da verloren gegangen?
Bruder Bodo: "Ich habe nicht so den Blick in die Weite der weltlichen und kirchlichen Musik. Aber: Meine Wahrnehmung ist, dass heute viele neue Lobpreis-Lieder entstehen. Ein allgemeines Phänomen ist, dass weniger Menschen Instrumente lernen, vor allem der Gitarren-Boom der 1970er und 1980er Jahre ist vorbei. Das schränkt die Kreativität natürlich ein, weil deshalb ja auch immer weniger Menschen selbst Musik machen."

epd: Die Fans halten den Christusträger-Bands schon seit Jahrzehnten die Treue - wie ist denn so die Struktur Ihres Publikums heute?
Bruder Bodo: "Das entspricht in etwa dem durchschnittlichen Alter der Band (lacht). Leute über 50 und 60, die mit uns alt geworden sind. Vor 15 Jahren etwa haben wir den Zugang zu den jungen Leuten unter 30 Jahren ein bisschen verloren - aber das war für uns jetzt kein Grund, die Band aufzulösen. Ich sehe das so: Wenn ich auf ein Konzert von Eric Clapton gehe, sind die meisten Haare grau oder weiß! Die Fans altern eben mit."

epd: Früher hat man kirchen- und glaubensferne Jugendliche über die Musik für Gott begeistern können. Geht das heute noch?
Bruder Bodo: "Auf jeden Fall! Man kann sie mit Musik für den Glauben interessieren, weil Musik eine Sprache ist, die das Herz öffnet und den Zugang zu Glaubensinhalten erleichtert. Das hat früher funktioniert und klappt auch heute noch. Allerdings muss die Musik zeitgemäß sein, um die jungen Menschen zu erreichen - dazu sind wir inzwischen zu alt."

epd: Es gibt weltlich erfolgreiche Musiker, die auch mal christlichen Pop machen. Ist das die Zukunft statt reiner christlicher Popbands?
Bruder Bodo: "Die Menschen sind so verschieden, man braucht also auch verschiedene Wege, um sie mit dem Evangelium zu erreichen. Die einen nehmen die Botschaft von einem Sänger wie Xavier Naidoo lieber an, als von einem unbekannten Christusträger - aber eben nicht alle."

epd: Wie viele Auftritte hatte die Band am Schluss noch im Schnitt?
Bruder Bodo: "Fünf bis sechs Mal pro Jahr waren wir unterwegs, mal nur einen Tag, meistens aber zwei bis drei Tage. Früher waren wir oft auch eine ganze Woche irgendwo. Wir wollten ja nie nur einfach einen Abend Musik machen und dann wieder weggehen - uns ging es ja auch um die Verkündigung. Wir haben Themenwochen organisiert und jeden Abend neue Schwerpunkte gesetzt. Das war nachhaltiger als bloße Konzerte."

epd: Was wünschen Sie sich denn für das Abschiedskonzert von ct&friends am meisten - außer vielen Zuhörern, natürlich?
Bruder Bodo: "Ich würde mich vor allem freuen, wenn viele Freunde und Weggefährten der Band nach Triefenstein kommen. Einige haben auch schon genau deshalb zugesagt, weil es unser Abschiedskonzert ist - die wären sonst vielleicht nicht gekommen. Wir wünschen uns ein fröhliches Fest mit viel Musikbegeisterung - und Gott und Jesus ist mittendrin."

epd: Bands lösen sich ja immer mal auf - nur um dann etwas später eine Wiedervereinigung zu feiern. Wird es die auch bei ct&friends geben?
Bruder Bodo: "Da müsste schon etwas Außergewöhnliches geschehen, dass wir die große Formation noch mal zusammenrufen, nachdem wir uns jetzt auflösen. Ich glaube nicht, dass es das geben wird. Man soll ja am besten aufhören, solange man fit ist und ehe man von der Bühne kippt."

epd: Die Band ist also Geschichte - aber sie wollen weiter Musik machen?
Bruder Bodo: "Ja, unbedingt, Musik ist Teil meines Lebens. Aber eben in kleineren Formationen, als Trio oder Quartett. Da muss man mal sehen, was die Zeit so mit sich bringt - und wer uns künftig noch hören will..."

epd: Viele verbinden mit den Christusträgern aber gerade die große Band. Wird das nicht fehlen, wie soll diese Lücke gefüllt werden?
Bruder Bodo: "Wenn nun mal kein Nachwuchs in die Bruderschaft kommt, der auch Musik machen kann und will, dann muss man das hinnehmen. Jede Zeit hat ihre Form. Jetzt lebt zum Beispiel Christoph Zehendner als christlicher Liedermacher mit seiner Frau bei uns und macht damit auch Werbung für die Christusträger. Unsere Arbeit heute ist eine andere als noch vor 30 Jahren. Aber unsere Präsenz als Christusträger ist nach wie vor wichtig. Viele Gäste, die zu uns kommen, schätzen die Atmosphäre in unseren Häusern und die Begegnung mit uns Brüdern."


08.07.2015 / epd / Daniel Staffen-Quandt
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