Zeichen gegen Rechtsextremismus in Vorra

Demonstration gegen die braune Gewalt

Das Bild zeigt Menschen, die Hand in Hand um die Häuser stehen, denen der Brandanschlag in Vorra galt.

Mit einer Menschenkette gaben die Bürgerinnen und Bürger von Vorra ihrer Fassungslosigkeit und ihrer Wut Ausdruck.

Bild: Lars Kahnt

Wut und Fassungslosigkeit hat die Menschen in Vorra in den letzten Tagen erfüllt. Nach dem Brandanschlag auf drei geplante Asylbewerberunterkünfte setzte der Ort ein Zeichen gegen rechte Gewalt.

Am Sonntagnachmittag findet in der evangelischen Marienkirche von Vorra (Landkreis Nürnberger Land) ein Weihnachtskonzert der Kirchenchöre statt - wie geplant. Wir hatten überlegt, das abzusagen", sagt Pfarrerin Julia Schukat, "aber wir lassen uns nicht unterkriegen". Es soll wieder ein Stück Normalität einkehren in den kleinen beschaulichen Ort an der Pegnitz. Der hat sich in einen Ort im Ausnahmezustand verwandelt, nachdem dort am späten Donnerstagabend drei geplante Asylbewerberunterkünften gebrannt haben. Über Deutschland hinaus haben diese Taten Schlagzeilen gemacht.

Wut, Fassungslosigkeit und Trauer haben die Menschen im mittelfränkischen 1.000-Einwohner-Ort Vorra in den vergangenen drei Tagen gefühlt. "Aber Resignation ist nirgends zu spüren", erklärt Pfarrer Björn Schukat fast trotzig dem bayerischem Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm. Der war am Samstagabend spontan nach Vorra gekommen.

Zitat

Vorra war, ist und bleibt ein Dorf mit offenen Türen, offenen Armen und offenen Herzen. Was ihr den geringsten meiner Geschwister getan habt, das habt ihr mir getan! Diese Verheißung des Evangeliums gilt Ihnen. Ihre selbstverständliche Menschlichkeit ist ein Stück Himmel auf Erden."

Regionalbischof Stefan Ark Nitsche

"Es ist Ihnen zu verdanken, dass der Name Vorra weiter einen guten Klang hat und jedem klar ist, dass die Flüchtlinge hier keine Ablehnung erfahren", sagt Bedford-Strohm im Gespräch mit Gemeindemitgliedern. "Es muss glasklar sein, dass so etwas nirgendwo ein Verständnis findet", sagt er in Bezug auf den rechtsextremistischen Hintergrund der Taten. "Das hat hier nichts zu suchen". Auch ein "Nährboden", aus dem solche Gewaltakte kommen, müsse bekämpft werden. "Wir müssen den Menschen, die in diesen Häusern wohnen, die Angst nehmen", ergänzt der Theologe.

Der Nürnberger evangelische Regionalbischof Stefan Ark Nitsche spricht im Solidaritätsgottesdienst unter dem Motto "Vorra setzt ein Zeichen" am Sonntagvormittag auch davon, dass die "dumpfen, braunen Parolen" und ihr "Nährboden" ausgetrocknet werden müssten. "Von hirnverbrannten Idioten" so der Oberkirchenrat wörtlich, dürften sich die Bürger von Vorra nicht ihre Aufnahmebereitschaft kaputt machen lassen. "Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen", ruft er den rund 250 Gottesdienstbesuchern zu. 

Das Bild zeigt die voll besetzte Kirche in Vorrra beim Gottesdienst am Sonntag nach demm Anschlag auf die geplanten Flüchtlingsunterkünfte

Sie stehen weiterhin für ein gastfreundliches Vorra: Die etwa 400 Gottesdienstbesucher am Dritten Advent

Bild: Lars Kahnt

Das Empfangs-Buffet war schon geplant

Die bilden nach der Feier in der Kirche eine Menschenkette um die beschädigten Häuser, in die jetzt wohl nicht so bald die erwarteten 80 Flüchtlinge ziehen werden. "Wir hatten sogar schon das Empfangs-Buffet geplant" hat der Pfarrer erzählt. Ein Flüchtlingsunterstützerkreis hat 30 feste Mitglieder, 30 stehen bereit, wenn sie gebraucht werden. Im Nachbarort Afalter leben bereits 20 Flüchtlinge. Viele von ihnen leiden nach den Flammen von Vorra unter Angst, erzählen Frauen aus dem Asylunterstützerkreis.

Am Samstagabend hatten auch antifaschistische Gruppen an einem Protestmarsch durch den Ort Vorra teilgenommen. Insgesamt hatten sich 600 Menschen dem Zug angeschlossen, der gegen Rechtsextremismus und vor allem für Solidarität mit Flüchtlingen demonstrierte.

Zur Ermittlung der Täter, die für die Brandanschläge vom Donnerstag verantwortlich sind, wurde eine 20-köpfige Sonderkommission gebildet. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Am späten Donnerstagabend hatten in Vorra drei Häuser gebrannt, die nach ihrer Renovierung ab Februar 2015 zu Asylbewerberunterkünften für 80 Flüchtlinge werden sollten.


15.12.2014 / Jutta Olschewski/epd
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