Wort zu Pfingsten

Christentum ist große Freiheitsreligion

Etwa 2.000  Papiertauben in der Heilig-Geist-Kirche

„Les Colombes“ heißt das Kunstwerk des Münchner Künstlers Michael Pendry mit 2.000 Papiertauben in der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt München - eine gelungene Installation zu Pfingsten

Bild: Mölkner-Kappl

Wie kann man die großen Fragen der Menschheit mit der Bitte um den Heiligen Geist in Verbindung bringen? Damit beschäftigte sich das "Wort" zu Pfingsten von Oberkirchenrat Helmut Völkel.

"Geistreich sein, das wünschen wir uns alle. Geistreich im Sinne von gebildet, humorvoll und überraschend. Geistreich wünschen wir uns die Medien, gut informierend, aber auch inspirierend und unterhaltsam. Geistreich sein, reich an Geist, scheint im Dschungel der Mediengesellschaft gar nicht so einfach zu sein. Wer geistreich sein will, muss genau hinschauen und genau hinhören, muss den Mut haben, auszuwählen und begründet einseitig zu sein.

Es gibt Reden, die einprägsamer sind als andere Reden. Martin Luther Kings politisch-religiöse Rede ,I have a dream' gehört ebenso dazu wie Richard von Weizsäckers Rede zum 8. Mai 1945: ,Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.' Geistreichen Reden merkt man an, in welchem Geist sie geschrieben und gehalten werden, sei es im Geist der Bibel, der Demokratie, der Menschenrechte. Und man kann spüren, ob die Redenden hinter ihren Reden stehen.

Wo der Geist weht, da ist Freiheit

Geistreich sein gehört auch zum Wesen der Kirche. Pfingsten ruft uns dies in Erinnerung. Entweder die Kirche ist Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes, oder sie ist kraftlos. Diese Zuspitzung muss ehrlichkeitshalber vorgenommen werden. Denn Pfingsten erinnert nicht an irgendeinen Geist, sondern an den Geist, der von Gott und Christus ausgeht und die Gemeinschaft der Gläubigen zusammenhält, im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Der Heilige Geist ist der Geist des Bergpredigers Jesus, der Geist, der in die Nachfolge ruft, der Geist der Hingabe an den Nächsten, den Geist der Vergebung und des Neuanfangs, der Geist der Geborgenheit im Glauben, der unnötiges Sorgen im Zaum hält und zu einer großen Freiheit führt. Das Christentum ist eine große Freiheitsreligion. Denn wo der Geist weht, da ist Freiheit.

Geistreich sein aus christlicher Perspektive beginnt damit, dass wir um Gottes Geist bitten und ernsthaft mit ihm rechnen. Aus gutem Grund betet und bittet die Kirche ,veni creator spiritus', komm Schöpfer Geist. Es legt sich nahe, unsere Arbeit und unseren Dienst in das Kraftfeld des Heiligen Geistes zu rücken. Gottes schöpferischer Geist kann und will uns inspirieren und motivieren, wenn wir als seine Geschöpfe schöpferisch tätig sind. Das Thema Kreativität in unserem Leben hängt damit zusammen, dass wir dem göttlichen Geist etwas zutrauen und ihm Einlass gewähren.

Was können wir tun?

Der Kinderbuchautor Otfried Preußler sagte einst: ,Ich glaube an den Heiligen Geist. Was täten wir, meinesgleichen und ich, wenn er uns nicht von Zeit zu Zeit etwas eingäbe? Einen Gedanken vielleicht, einen Satz, einen Namen. Oder sogar den Beginn einer ganzen Geschichte.' Es ist auch nicht verwegen, sondern aus christlicher Sicht naheliegend, die großen Fragen und Herausforderungen der Menschheit mit der Bitte um den Heiligen Geist in Verbindung zu bringen. Was können wir tun, um einen Rückfall in den Kalten Krieg zu vermeiden? Welche technologischen und politischen Anstrengungen sind in der Energiefrage angesagt? Welche neuen Wege brauchen wir in der Flüchtlingspolitik?"

Zur Person

Helmut Völkel, Bild: © (c) ELKB / Poep

Oberkirchenrat Helmut Völkel

Oberkirchenrat Helmut Völkel, der Autor des obigen Geistlichen Wortes zu Pfingsten 2015, ist "Personalchef" der evangelischen Landeskirche und Leiter der Abteilung Personal im Landeskirchenamt.

20.05.2015 / Helmut Völkel
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