Gottesdienst am Buß- und Bettag

Gebet als universelle Kraft

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Buß- und Bettagsgottesdienst in der Münchner St.-Matthäuskirche

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Buß- und Bettagsgottesdienst in der Münchner St.-Matthäuskirche

Bild: ARD

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat am Buß- und Bettag angesichts der Terroranschläge von Paris die universale Kraft des Gebets hervorgehoben.

"Wer in diesen Tagen betet, bringt sein Erschrecken, seine Fassungslosigkeit zum Ausdruck", sagte Bedford-Strohm im Gottesdienst in der Münchner Bischofskirche St. Matthäus. Menschen aus aller Welt - unter ihnen die US-Politikerin Hillary Clinton, die Sängerin Pink und Bundesinnenminister Thomas de Maizière - hätten getwittert, dass sie für die Terror-Opfer beteten. Die Twittergruppe #PrayforParis habe innerhalb kürzester Zeit unzählige Menschen auf der ganzen Welt erreicht. "In der Hoffnung, dass der Hass, der uns wieder seine Fratze zeigt, nicht auch von uns selbst Macht ergreift. Dass die Angst uns nicht überschwemmt. Dass wir all dem etwas entgegensetzen können."
Zitat

Man kann Gebete missbrauchen, man kann alles, was Menschen heilig ist, missbrauchen. Doch das ist eben ein Missbrauch! Eine Verkehrung, die nichts anderes ist als Gotteslästerung. Glücklicherweise erleben wir in unzähligen Biographien das Gegenteil: dass der Glaube das Schöne im Menschen hervorbringt, ihm zur Menschlichkeit verhilft."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
Nicht alle jedoch hielten den weltweiten Gebetsaufruf für eine gute Idee, räumte Bedford-Strohm ein. Ein Zeichner der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo, die im Januar selbst Ziel von Terroranschlägen geworden war, teilte mit, dass nicht mehr Religion gebraucht werde, sondern mehr "Musik! Küsse! Leben! Champagner! Freude!". Beten und Lebensfreude seien aber keine Gegensätze, mahnte Bedford-Strohm, gab zugleich jedoch zu, dass der Glaube pervertiert werden, Gebete missbraucht werden könnten. Das sei Gotteslästerung.

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Der Bischof kritisierte, dass das Leid anderer zu schnell vergessen werde - etwa in Paris, München, Erbil oder Damaskus. "Wir haben so lange weggeschaut, als in den Flüchtlingslagern des Nahen Ostens das Geld für die Nahrung ausging." Als Konsequenz seien viele nach Europa und Deutschland geflüchtet. Nun müsse man den Flüchtlingen beistehen und dürfe nicht mehr wegschauen.

20.11.2015 / epd