KG Prien fürs Reformationsjubiläum

Bunte Zeugen des Glaubens

Bunte Holzpfähle

Beitrag zum Reformationsjubiläum: Die Kirchengemeinden Prien gestaltet einen Skulpturengraten mit 95 bunten Holzobjekten rund um ihre Kirche - ein Projekt im Zeichen der Toleranz.

Bild: (c) Kirchengemeinde Prien

Mit 95 Holzobjekten rund um die evangelische Kirche Prien verraten Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion, was sie über Kirche und Glaube denken: ein Beitrag zum Reformationsjubiläum 2017.

Ein Projekt im Zeichen der Toleranz, eine Begegnung mit Menschen, eine Auseinandersetzung mit Glauben: Das alles will das Stelen-Projekt "Kirche im Kontext" der evangelischen Kirchengemeinde Prien sein. Vergangenes Frühjahr hat die Gemeinde mit der Aktion begonnen. Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth ist Schirmherr, Eva-Maria Ladwig kümmert sich um die Umsetzung. Bis zum Sommer dieses Jahres sollen alle 95 "Thesen"-Stelen und -würfel rund um die Kirche aufgestellt sein. Als Beitrag der Gemeinde zum 500. Reformationsjubiläum werden sie bis 2017 stehen bleiben.

Aktuell sind 33 Objekte fertig aufgebaut, der Großteil ist in Arbeit. 14 Stück sind noch frei, auch der katholische Pfarrer will eine Stele bemalen. "Zum Gestalten darf sich jeder eingeladen fühlen", sagt Organisatorin Ladwig.

"Etwas aus dem Inneren nach außen bringen"

Denn genau das sei ein Anliegen des Projekts: dass die Objekte von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung gefertigt werden. "Wir wollen auch Menschen einladen und berühren, die sich von Glaube und Kirche entfremdet zu haben scheinen, oder jene, die sich ausgeschlossen und fremd fühlen inmitten der Gemeinschaft", erklärt sie.

Die Motive und Texte auf den Stelen setzen sich mit den Themen Glaube, Kirche und der heutigen Welt auseinander. "Auf den Stelen bringen Menschen etwas aus ihrem Inneren nach außen", beschreibt Ladwig. Sie selbst hat ihr Objekt "Ordnung der Welt I" genannt. "Es entstand nach vielen Gesprächen mit den Menschen in unserem Projekt" und drücke all jenes aus, was sie heute berühre.

"Herr, mein Gott, die Gestalt deiner Kirche beelendet mich, und manchmal frage ich mich, wie lange du uns noch erträgst": Dieses Zitat der Theologin Antje Sabine Naegeli schmückt die schlichte Stele einer Frau, die damit ihren Schmerz, ihre Angst und ihre Befremdung über kirchliche Führung und Repräsentanz ausdrücken will. Eine andere Stele wurde mit Kindern erarbeitet und widmet sich unter dem Titel "Suche nach dem verlorenen Paradies" der Sehnsucht nach Weltfrieden. Aktuell in Arbeit sind unter anderem Stelen zum Thema "Versöhnung der Gläubigen". Bevor die Gestalter loslegen, setzen sie sich zusammen mit Ladwig intensiv mit ihrem jeweiligen Thema auseinander. "Meist kommt es dabei zu einem tiefen Gespräch über Leben, Glauben, Christ sein und Kirche", erzählt sie.

Die gemeinsame Projektarbeit sei für viele Mitwirkende eine ganz neue Berührung mit Glaube und Kirche. "Wir bringen Stele, Farbe und Mensch zueinander - in meiner Werkstatt, in unserem schönen Gemeindehaus oder draußen auf den Plätzen um unsere Kirche", sagt die Organisatorin. Die zweieinhalb Meter hohen Holzstelen werden zunächst weiß grundiert, anschließend mit Acrylfarben bemalt und schließlich witterungsbeständig lackiert. "Die Schlichtheit des Materials und die vier Seiten eignen sich wunderbar um auszudrücken, was uns im Glauben, Leben und im Blick auf unsere Kirche bewegt", sagt Ladwig.


11.02.2015 / epd / Brigitte Vordermayer
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