Gottesdienst und Jugendbegegnung

Gedenken an Bonhoeffers 70. Todestag

Dietrich Bonhoeffer mit Schülern

Anfang April jährt sich der Todestag Dietrich Bonhoeffers zum 70. Mal.

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-R0211-316 / CC-BY-SA Bundesarchiv, Bild 183-R0211-316 / CC-BY-SA

Mit einem Gottesdienst erinnert Regionalbischöfin Breit-Keßler am Ostersonntag, 5. April, an den 70. Todestag Dietrich Bonhoeffers. Die Evangelische Jugend begeht den Tag mit einer Jugendbegegnung.

Am 9. April 1945 ermordete die NS-Justiz im KZ Flossenbürg in der bayerischen Oberpfalz den Theologen Dietrich Bonhoeffer. 70 Jahre später erinnert die Regionalbischöfin von München und Oberbayern, Susanne Breit-Keßler, am Ostersonntag, 5. April, um 17 Uhr in der Münchner Erlöserkirche an das Leben und das Martyrium des evangelischen Widerstandskämpfers und fragt nach Impulsen seiner Theologie für unsere Gegenwart und Zukunft.

Dabei soll auch an die bisher wenig beachtete Bedeutung Münchens für Bonhoeffers Biographie erinnert werden. So war sein polizeilich gemeldeter Wohnsitz ab Herbst 1940 in der Wohnung seiner Tante Christine („Ninne“) Gräfin von Kalckreuth (1898-1984) in München-Schwabing. Bonhoeffer pendelte in dieser Zeit zwischen Bayern, Berlin und Hinterpommern und machte im Auftrag des Widerstands Auslandsreisen.

Zitat

Es ist wichtig, in München, der damaligen "Hauptstadt der Bewegung", an Bonhoeffer und seine Tante zu erinnern - zwei Menschen, die sich dem Naziterror auf ihre je eigene Weise widersetzt haben. Wir leben in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, Gott sei Dank. Aber es braucht zu jeder Zeit Frauen und Männer, die sich geistreich und tatkräftig dafür engagieren, dass Menschen miteinander leben können: in ihrer Vielfalt und Verschiedenheit, als Gottes geliebte Kinder."

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Für den Gottesdienst hat Kirchenmusikdirektor Michael Grill eigens das Gedicht „Christen und Heiden“ vertont, das Bonhoeffer 1944 in der Haft verfasste. Im Anschluss an den Gottesdienst machen sich die Teilnehmenden zu Fuß auf einen Gedenkweg von der Erlöserkirche zu dem Wohnhaus Christine von Kalckreuths in der Unertlstraße. Dort wird Barbara Gräfin von Kalckreuth, eine Großnichte von Christine Gräfin von Kalckreuth, über ihre Erinnerungen an Besuche in der Wohnung der Großtante sprechen; Regionalbischöfin Breit-Keßler wird die mutige Gastgeberin von Dietrich Bonhoeffer würdigen.

Evangelische Jugend: Begegnung in Flossenbürg

Auch für die Evangelische Jugend in Bayern ist der 70. Todestag Dietrich Bonhoeffers ein Anlass, an den evangelischen Widerstandskämpfer zu erinnern. In einer viertägigen Jugendbegegnung setzen sich vom 8. bis 11. April über 400 Jugendliche und Konfirmanden sowie Jugendgruppen aus Belgien und Israel mit Dietrich Bonhoeffer auseinander. Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers in Flossenbürg fragen sie danach, was der Satz Bonhoeffers „Es gibt doch nun einmal Dinge, für die es sich lohnt, kompromisslos einzustehen“ für sie heute bedeutet.

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Patrick Wolf, Vorsitzender der Evangelischen Jugend in Bayern, ist überwältigt von der hohen Beteiligung. Dies zeige, dass Jugendliche durchaus an gesellschaftlich relevanten Themen interessiert seien. „Im Rahmen einer Jugendbegegnung können gerade scheinbar schwere Themen lockerer und unverkrampft bearbeitet werden.“ So begeben sich die Jugendlichen bei einer durchwachten Nacht, in Plenen und Workshops, in Gesprächen mit Zeitzeugen und untereinander, beim Feiern, Essen und Beten auf die Suche nach den Dingen, für die es sich auch heute noch lohnt, sich einzusetzen. Bonhoeffer hatte seine Antwort bereits 1935 gegeben: "Mir scheint, der Friede und die soziale Gerechtigkeit, oder eigentlich Christus sei so etwas". Auch damit werden sich die Jugendlichen auseinandersetzen.

Anlässlich seines 70. Todestages erinnert die Landeskirche in der Karwoche täglich mit einem Gedanken von Dietrich Bonhoeffer auf Facebook an den evangelischen Theologen.


01.04.2015 / Anne Lüters