Bonhoeffer Gedenken

Einsatz für andere darf nicht verloren gehen

Jugendbegegnung Flossenbürg April 2015

"Dinge wofür es sich lohnt" - Jugendliche bei der Begegnung in Flossenbürg

Bild: Wolfgang Noack

Der Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer hat ein großes Vermächtnis hinterlassen. In Flossenbürg erinnerte die evangelische Kirche an den Pfarrer, der hier vor 70 Jahren ermordet wurde.

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat die Christen aufgerufen, kompromisslos gegen Gewalt und Rechtsextremismus einzutreten. Sie sollten für Frieden, soziale Gerechtigkeit und ihren Glauben so einstehen wie es der Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) vorgelebt habe, appellierte der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag in seiner Predigt in einem Fernsehgottesdienst aus Flossenbürg. Anlässlich Bonhoeffers 70. Todestag wurde in dem Gedenkgottesdienst an den Berliner Pfarrer erinnert, der am 9. April 1945 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Flossenbürg wegen Hochverrats hingerichtet wurde. Bonhoeffer gehörte zu den Verschwörern des gescheiterten Hitler-Attentats von 1944.

Beten und Tun des Gerechten seien nicht voneinander zu trennen, betonte Bedford-Strohm. Er würdigte Bonhoeffers Widerstand gegen das menschenverachtende NS-Regime sowie dessen inspirierende Leidenschaft für Christus. Bei ihm seien auch heute noch kraftvolle Gedanken als konkrete Orientierung im Alltag zu finden. "Wie können wir ehrlich beten und uns gleichzeitig von Flüchtlingsströmen abzuschotten versuchen?", fragte Bedford-Strohm mit Blick auf Konflikte in Syrien, Nigeria, im Irak und im Südsudan.

Zitat

Kompromisslos nennt er das selbst. Kompromisslos einstehen für Christus. Diesen cantus firmus seines Lebens und seiner Theologie hat Dietrich Bonhoeffer immer wieder neu formuliert. Frieden, soziale Gerechtigkeit und Christus nennt er es in einem Brief an seinen Bruder.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Der Bischof warnte vor einer Kirche, "die sich bürgerlich eingerichtet hat, die mit ihren dreistelligen Millionenetats und ihren staatsanalogen Beamtenstrukturen" nichts von der Radikalität der Theologie Bonhoeffers ausstrahle. Die Spannung zwischen den radikalen Worten Jesu und dem Versuch, ihm in einer Institution mit klaren Zuständigkeiten und verlässlichen Verfahren nachzufolgen, müsse man aber "vielleicht einfach aushalten", sagte Bedford-Strohm.

An dem Gedenkgottesdienst nahm auch der ehemalige Flossenbürger KZ-Häftling Jack Terry teil, der später mit dem Bischof die heutige KZ-Gedenkstätte besuchte. Der 85-jährige Holocaust-Überlebende hatte bereits am Freitag mit evangelischen Jugendlichen über seine Schreckenszeit gesprochen. Er war damals als polnischer jüdischer Junge mit 15 Jahren der jüngste KZ-Gefangene. Der heute in New York lebende Terry zeigte sich beeindruckt vom Einsatz junger Menschen, die gegen Rassismus und für Völkerverständigung eintreten.

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Die evangelische Jugend in Bayern hatte ein großes Begegnungstreffen rund um die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg veranstaltet, das am Samstag endete. Mehr als 400 junge Menschen hatten sich vier Tage lang mit Bonhoeffers Erbe und Konsequenzen daraus für das eigene Leben sowie gesellschaftliches Handeln auseinandergesetzt. Auch Gruppen aus Israel und aus Belgien waren dazu angereist. Am 70. Todestag Bonhoeffers fand in den frühen Morgenstunden im ehemaligen Arresthof eine Gedenkandacht mit mehr als 200 Teilnehmern statt.

Der Ansbacher Dekan Hans Stiegler ermutigte die Jugendlichen zum Abschluss des Treffens, sich einzumischen. Beispielhaft nannte er den Einsatz für verfolge Christen, für Flüchtlinge, für ältere Menschen oder auch das Eintreten gegen wieder aufkeimenden Judenhass und Neonazis. "Es gibt auch heute mitten unter uns Vieles zu tun", sagte Stiegler als Vertreter der bayerischen Landessynode in einem Grußwort. Wer wie Bonhoeffer kompromisslos für Dinge einstehen wolle, müsse aber bereit sein, "auch echte Nachteile in Kauf zu nehmen." Das Motto der Jugendbegegnung und der Gottesdienste waren angelehnt an ein Bonhoeffer-Zitat: "Es gibt nun einmal Dinge, für die es sich lohnt, kompromisslos einzustehen."

Quelle: epd


13.04.2015 / Dirk Johnen (epd)