Christen im Irak

Bitte um Gebet und Spenden

Irak

Wie diese Familien suchen tausende Flüchtlingen in der überfüllten Stadt Dohuk Zuflucht

Bild: CAPNI

Die Situation der Christen und Jesiden im Irak werden immer bedrückender. Dass der amerikanische Präsident seinen Beistand zugesagt hat, wird von vielen Christen mit Erleichterung aufgenommen.

Der Terror der ISIS im Nordirak hat einen neuen traurigen Höhepunkt erreicht. Nachdem sie schon aus der Stadt und der Gegend um Mosul vertrieben wurden, mussten viele Tausend Christen weiter in die von Kurden verteidigte Stadt Dohuk fliehen. Zusammen mit Zehntausenden Jesiden, die ebenfalls vertrieben werden, lagern sie am Rand der Stadt, die total überfüllt ist. Dohuk hat in den vergangenen vier Jahren schon mehrere Zehntausend syrische Flüchtlinge aufgenommen, die dort von der UN betreut werden.

Brief an die Gemeinden im Nordirak

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm drückte in einem Brief an die Bischöfe und christlichen Gemeinden im Nordirak seine „tiefe Betroffenheit und große Trauer“ aus. Die „unvorstellbare Grausamkeit und Gewalt des so genannten ‚Islamischen Staates‘ hat Schmerz und Verzweiflung über viele Menschen im Irak und in Syrien gebracht“, so Bedford-Strohm. In diesen Tagen „empfinden wir es als unsere Pflicht, unseren christlichen Schwestern und Brüdern im Irak zur Seite zu stehen“, schrieb der Landesbischof.

Zitat

Was wir in diesen Tagen im Irak erleben, ist auch eine Herausforderung für die ökumenische Friedensethik."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

ELKB-Nahostexperte Thomas Prieto-Peral berichtet besorgt von dem Terror der immer weiter um sich greift. Mit dem Rückzug der kurdischen Truppen aus Teilen der Ninive-Ebene seien die Menschen aus vielen weiteren Dörfern geflohen. „In Telkaif, dem südlichsten der Christendörfer, weht nun die schwarze Fahne der IS auf der Kirche. Dort hat die Landeskirche vor wenigen Jahren einen kirchlichen Kindergarten mit aufgebaut. Es ist das erste Mal, dass nun auch ein Projekt von uns direkt betroffen ist." Auch aus Telskuf, einem Dorf, in dem die Landeskirche zusammen mit Brot für die Welt ein Frauenbildungszentrum aufgebaut habe, seien viele geflüchtet, obwohl dort die ISIS dort die ISIS noch nicht sei. „Aber die Angst alleine treibt die Menschen fort."

"Die Menschen dort sind verzweifelt"

Dass nun auch Zufluchtsgebiete für Christen, die vor wenigen Tagen noch sicher schienen wie das Kloster Mor Mattai, in unmittelbarer Gefahr seien, habe ihn „sehr aufgewühlt“, teilte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm über facebook mit.

"De Menschen dort sind verzweifelt", so der Landesbischof. Auch das Schicksal tausender jesidischer Flüchtlinge in den Bergen, die bei größter Hitze vom Verdursten bedroht seien, sowie der verzweifelte Hilferuf der irakischen Abgeordneten während der Parlamentssitzung habe ihn "zutiefst berührt". Die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten Barak Obama, aus der Luft zu helfen und das leben der von der IS- Miliz bedrohten Christen und Jesiden zu schützen, habe er mit Erleichterung aufgenommen, so der Landesbischof.

Spenden dringend notwendig

Es sei nicht leicht, die so bedrohten Menschen adäquat zu unterstützen. „Aufmerksamkeit schaffen, an die Menschen denken und für sie beten ist auf jeden Fall wichtig. Dazu sei auch materielle Unterstützung „über alle Hilfskanäle, die wir haben“ dringend notwendig.

Als einen ersten solchen Schritt unterstützte die Landeskirche in dieser Woche ein Flüchtlingshilfsprogramm im Nordirak mit 500.000 Euro. Die Hilfsorganisation des Lutherischen Weltbundes, der Lutherische Weltdienst, hat in den vergangenen Wochen auf Initiative der bayerischen Landeskirche ein groß angelegtes Hilfsprogramm „ActAppeal“ für die Flüchtlinge im Irak ausgearbeitet. Alle 140 Mitgliedskirchen und Mitgliedsorganisationen der ActAlliance in über 100 Ländern sind aufgerufen, sich finanziell an den Hilfsmaßnahmen zu beteiligen. Zudem hat die Evangelische Kirche ein Spendenkonto für die verfolgten Minderheiten im Irak eingerichtet: Spenden auf das Konto der ELKB: DE57 5206 0410 0001 0101 07, GENODEF1EK1, Stickwort: Christen helfen im Irak kommen direkt den Partnerorganisationen der ELKB, die vor Ort Hilfe leisten zu Gute.

Brief an die Bundesregierung

Zudem hat sich die Bayerische Landeskirche in einem Brief an die Bundesregierung gewandt und um Hilfe für die irakischen Christen und alle Opfer der ISIS gebeten. Darin regt sie unter anderem an,sich mit der alten Forderung der christlichen Minderheiten im Irak, die Ninive Ebene als eine von der UN geschützte und damit für sie sichere Region zugewiesen zu bekommen, auseinanderzusetzen.


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