1. Stadtkirchentag Fürstenfeldbruck

Umdenken im Umweltschutz gefordert

Der katholische Kardinal Reinhard Marx und der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Spitzenvertreter zu Gast beim Stadtkirchentag Fürstenfeldbruck: Kardinal Reinhard Marx (links) und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Bild: (c) Deschauer

Fürstenfeldbruck feierte vergangenes Wochenende seinen "1. Ökumenischen Kirchentag". Unter den Gästen: Landesbischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx; beide begrüßen die Umwelt-Enzyklika des Papstes.

Die Spitzenvertreter der großen Kirchen in Deutschland haben die Umwelt-Enzyklika des Papstes als wegweisenden Beitrag in der Klimadebatte begrüßt. "Die Enzyklika ist ein großer Wurf und ein reicher Schatz an Impulsen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, am Freitagabend bei einer Podiumsdiskussion zum Auftakt des ersten regionalen Ökumenischen Kirchentags in Fürstenfeldbruck. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, lobte den Text von Papst Franziskus. Viele der angemahnten Punkte zu weltweiten Ungerechtigkeiten und Klima würden von der Evangelischen Kirche seit Jahren vertreten

"Aufhören, gegen die anderen zu leben"

Papst Franziskus übt in seiner jüngst veröffentlichten Umwelt-Enzyklika "Laudato si" scharfe Kritik am Umgang der Menschen mit dem Planeten geübt. Er zeigt sich darin in großer Sorge um "das gemeinsame Haus" und fordert ein weltweites Umdenken.

Bedford-Strohm mahnte, die reichen Staaten müssten ihr Verhalten überdenken und dürften nicht dauerhaft auf Kosten der ärmeren leben. So würden in den USA jährlich 18 Tonnen CO2 pro Kopf ausgestoßen und in Deutschland zehn Tonnen, während es in ärmeren Ländern nur ein Bruchteil sei. Die ärmsten Länder seien aber die ersten Opfer des Klimawandels, beispielsweise durch Dürren. "Ich glaube, ich lebe glücklicher, wenn ich aufhöre gegen die anderen zu leben", sagte der bayerische Landesbischof.

Der Stadtkirchentag Fürstenfeldbruck in Bildern

Ökumenische Vesper (Evensong)

Ökumenische Vesper (Evensong) am 19.06. in der ehem. Klosterkirche Fürstenfeld. Von links: Der rumänisch-orthodoxe Weihbischof Sofian, Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Präses Ansgar Hörsting (Freie Evang. Gemeinde),© (c) Deschauer
Ökumenische Vesper (Evensong) am 19. Juni in der ehemaligen Klosterkirche Fürstenfeld. Von links: Der rumänisch-orthodoxe Weihbischof Sofian, Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Präses Ansgar Hörsting (Freie Evangelische Gemeinde).

Dialog zum Kirchentags-Motto "Seht, welch ein Mensch"!

Menschen in einer Diskussionsrunde,© (c) Deschauer
Ökumenischer Dialog zum Kirchentags-Motto "Seht, welch ein Mensch!" am 19. Juni im Stadtsaal Fürstenfeldbruck. Von links: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Präses Ansgar Hörsting, Moderator Wolfgang Thielmann, rumänisch-orthodoxer Weihbischof Sofian, Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.

Christlich-Islamisches Friedensgebet "Willkommen, Mensch!"

Menschen spielen auf Trommeln,© (c) Deschauer
Christlich-islamisches Friedensgebet "Willkommen, Mensch" am 20. Juni. Rechts: Pfarrerin Ursula Leitz-Zeilinger, Projektleiterin des "1. Ökumenischen Kirchentags Fürstenfeldbruck".

"Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg"

Eine Frau,© (c) Deschauer

Am Ende des christlich-islamischen Friedensgebet "Willkommen, Mensch" verteilt Pfarrerin Ursula Leitz-Zeilinger Rosen, bedruckt mit einem Zitat von Mahatma Gandhi: "Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg".

Kindermusical Franziskus

Kinderchor,© (c) Deschauer
Einer der vielen Höhepunkte im bunten Programm: das Kindermusical Franziskus am 20. Juni in der evangelischen Erlöserkirche mit den Kinderchören von St. Bernhard, Erlöserkirche und St. Magdalena.

Ökumenischer Abschlussgottesdienst

Menschen in einer Kirche,© (c) Deschauer
Ökumenische Abschlussgottesdienst in der ehemaligen Klosterkirche Fürstenfeld am 21. Juni. Von links: Herr Pruteanu Dragos (Mitglied der rumänisch-orthodoxe Gemeinde), Pastor Gerd Ballon (Freie evangelische Gemeinde), Pfarrerin Ursula-Leitz-Zeilinger (evangelische Gnadenkirche), Dekan Albert Bauernfeind (Pfarrverband Fürstenfeld), Vera Gedon (Sprecherin des Christenrats), Dekan Stefan Reimers, evangelisches Dekanat FFB.

Nicht nur auf der politischen Ebene oder auf der Unternehmensebene müsse ein Umdenken stattfinden. Auch auf der individuellen Ebene seien neue Umgangsformen mit den Ressourcen notwendig. "Jeder kann etwas tun, auch ohne sich das Leben zu verderben. Schon häufiger das Fahrrad zu nutzen statt des Autos kann helfen", sagte Bedford-Strohm, der selbst ein begeisterter Fahrradfahrer ist. Die Aufgabe der Kirche müsse dabei sein, die Menschen zu mehr Frömmigkeit zu bewegen.

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx übte scharfe Kritik am Kapitalismus. Dass dieser sich als Wirtschaftssystem zunehmend durchsetze und die Armen dabei auf der Strecke blieben, "das dürfen wir nicht akzeptieren". Soziale Marktwirtschaft sei nicht dasselbe wie Kapitalismus. "Wir müssen über den Kapitalismus hinausdenken", forderte der Kardinal und fügte süffisant an: "Ich darf ja als Marx so reden."

Vorstellungen von gutem Leben überdenken

Auch Marx betonte die große Verantwortung der Kirche. Es werde oft so getan, als sei die große Zeit des Christentums vorbei, dabei "liegt die große Geschichte erst vor uns". Bei den großen Themen der Menschheit wie Klima, Bewahrung der Schöpfung oder universelle Menschenrechte müsse sich das Christentum einbringen. Er rief die Menschen auf, ihre Vorstellungen von gutem Leben zu überdenken. Es gehe nicht nur um Fortschritt und materielle Güter, sondern vielmehr darum, Gerechtigkeit und Verantwortung für das gemeinsame Haus zu übernehmen.

Die Podiumsdiskussion bildete den Auftakt zum ersten regionalen Ökumenischen Kirchentag in Fürstenfeldbruck. Die Kirchengemeinden in der oberbayerischen Stadt nahe München veranstalten am Wochenende unter dem biblischen Motto "Seht! Welch ein Mensch!" ein buntes Programm für alle Gläubigen. Unter anderem gibt es Konzerte, Workshops, Ausstellungen, Gottesdienste, Kirchen- und Orgelführungen und ein Kindermusical.

Ökumene gefährdet nicht die eigene Überzeugung

Mit dem Kirchentag soll Begeisterung für die Ökumene entfacht werden. "Wenn wir Ökumene weiterentwickeln möchten, müssen wir die Angst über Bord werfen, dass sie die eigene Überzeugung gefährdet", hatte Fürstenfeldbrucks evangelischer Dekan Stefan Reimers vor dem Kirchentag gesagt. Die Lust aufeinander und Tiefe im Miteinander müssten gestärkt werden.


24.06.2015 / epd