Kinderbilder zu Sterben, Tod und Trauer

„Tote essen auch Nutella"

Kinderbild 'Überall Fliegen' aus der Ausstellung 'Tote essen auch nutella' von Prof. Dr. Martina Plieth

Kinderbild "Überall Fliegen" aus der Ausstellung "Tote essen auch nutella" von Prof. Dr. Martina Plieth

Bild: privat

Kinder sind sehr kreativ, wenn es darum geht, ihre Vorstellungen von Sterben, Tod und Traurigkeit auszudrücken: Aktuell zu sehen in der Ausstellung in der Evangelischen Hochschule Nürnberg.

Tote können riechen, sie essen Nutella und hören Techno: Kinder entwickeln im Umfeld von Sterben, Tod und Trauer eigene Vorstellungen - andere als Erwachsene. Sie sind dabei äußerst kreativ und phantasievoll. Neben Schreckensvorstellungen entwerfen sie immer auch hoffnungsfrohe Bilder und konstruieren mit ihrer Hilfe positive nachtodliche Zukunftsvisionen.

Frau Professor Doktor Martina Plieth, Professorin an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, hat sich mit den kindlichen Vorstellungen vom Sterben beschäftigt. Fünf Jahre hat sie Gespräche mit Kindern im Vor- und Grundschulalter geführt, in Schulklassen Bilder vom Tod malen und beschreiben lassen und für außerschulische Kindergruppen Trauer-Workshops angeboten.

Viele Kinderbilder hat Martina Plieth während ihres Habilitationsprojektes '“Kind und Tod. Zum Umgang mit kindlichen Schreckensvorstellungen und Hoffnungsbildern' und in den Jahren danach gesammelt, analysiert und ausgewertet.

Ein Ausschnitt davon ist nun in der Bilderausstellung "Tote essen auch Nutella" in Nürnberg zu sehen. 37 Bilder  geben einen Überblick über die Denkweise und Vorstellungen der Kinder. Die Bilderausstellung ist bis 14. Dezember 2015 in der Evangelischen Hochschule Nürnberg, Bärenschanzstraße 4, jeweils von 8 bis 18 Uhr zu sehen, kostenfrei.

 

"Der Himmel weint"

Kinderbild 'Der Himmel weint' aus der Ausstellung 'Tote essen auch nutella' von Prof. Dr. Martina Plieth,© privat

"Da ist ein Grab, und der Himmel weint, weil da jemand gestorben ist ... In den Wolken sind noch ganz viele Tränen. Die kommen auch noch raus, aber erst später. Die Sonne ist so traurig, die hat sich versteckt."

Lee - 9 Jahre

Opas Grab

Kinderbild 'Opas Grab' aus der Ausstellung 'Tote essen auch nutella' von Prof. Dr. Martina Plieth,© privat

"Das Grab von meinem Opa, das ist dann so ganz unten, da bei der Kirche. Da läuten dann die Glocken ... Vorne gibt es auch noch Gräber, aber die sind weiter weg; da kann man die Glocken kaum hören."

Nils - 9 Jahre

Verbunden im Schmerz

Kinderbild 'Verbunden im Schmerz' aus der Ausstellung 'Tote essen auch nutella' von Prof. Dr. Martina Plieth,© privat

"Da sind zwei Eltern, die haben ihr Kind verloren. Das ist sehr, sehr schlimm. Die gucken ganz traurig und geben sic die Hand. Da können sie fühlen, dass sie nicht ganz alleine sind. Denn das ist das Schlimmste: Wenn du niemanden hast, der bei dir ist." 

Julia - 9 Jahre

Tote riechen, wenn es stinkt

Kinderbild 'Tote riechen, wenn es stinkt' aus der Ausstellung 'Tote essen auch nutella' von Prof. Dr. Martina Plieth,© privat

"Das da an der Tür zum Grab bin ich selbst ... Einen Mund habe ich nicht gemalt, weil - die Toten können ja nicht mehr sprechen... Die Nase? - Die wollte ich nicht malen. Ich bin doch nicht blöd! Wenn ich (in das Grab;MP) rein muss, dann stinkt das doch. Das will ich doch nicht riechen."

Jula - 10 Jahre 

Überall Fliegen

Kinderbild 'Überall Fliegen' aus der Ausstellung 'Tote essen auch nutella' von Prof. Dr. Martina Plieth,© privat

"Das Kaninchen, das lag da im Käfig und konnte nicht mehr richtig atmen. Und dann ist es gestorben, aber das hat keiner gemerkt. Und dann fing das an zu stinken, und die Fliegen kamen. Nur die Fliegen! Das war ganz schlimm, ganz traurig. Da hab ich doll geweint."

Jürgen - 9 Jahre 

Im Himmel gibt es auch Musik

Kinderbild 'Im Himmel gibt es auch Musik' aus der Ausstellung 'Tote essen auch nutella' von Prof. Dr. Martina Plieth,© privat

"Ich glaube daran, dass man nach dem Tod in den Himmel kommt ... Das Skelett liegt in der Erde, aber die Seele geht in den Himmel auf und wird dann zum Engel. - Und im Himmel gibt es auch Musik. Dann kannst du Leierkasten (gemeint ist die 'Leier' oder Lyra; MP) spielen. Da gibt es auch schöne Musik, sogar Techno."

Jennifer - 11 Jahre

Wenn es darum geht, ihre Vorstellungen von Sterben, Tod und Traurigkeit auszudrücken, haben Kinder sehr konkrete Ideen. Sie haben auch konkrete Vorstellungen vom Leben nach dem Tod, so Plieth. Erwachsene befassen sich, so Plieth, äußerst ungern mit Sterben, Tod und Trauer. „Sie tun dies aber, wenn ihr privater oder auch beruflicher Kontakt zu Kindern es erforderlich macht“, erläutert Plieth. „Kinder werden so zu Lehrmeistern von Erwachsenen und Erwachsene Schülerinnen von Kindern“.

„Tote essen auch Nutella, nur nicht ganz so viel.“ – Kindliche Vorstellungen vom Tod im Rahmen orthopraktischer Thanatagogik im evangelischen Feld.

Prof. Dr. habil. Martina Plieth (Jahrgang 1959), Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Theologin und Pädagogin, lehrt und forscht seit März 2014 im Bereich Gemeindepädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit an der Evangelischen Hochschule Nürnberg.

Am 9. Juli 2015 hat an der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN) das "Forum Forschung - Entwicklung - Transfer" stattgefunden, eine offene Veranstaltung für die interessierte Öffentlichkeit, für Lehrende, Mitarbeitende, Studierende und Alumni mit Beiträgen aus laufenden und abgeschlossenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten der Evangelische Hochschule Nürnberg. Im Video erläutert Martina Plieth die kindlichen Vorstellungen vom Tod im Rahmen orthopraktischer Thanatagogik im evangelischen Feld.


23.10.2015 / ELKB/Seidel
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