Augsburger Jugenddelegation in Tansania

"Wir haben uns nie als Touristen gefühlt"

Augsburger Jugenddelegation in Tansania

Elisabeth Raunecker und Johannes Stahl informieren sich im Waisenhaus in Bulongwa über die Situation vor Ort. Mit den Kindern zu spielen, gehört auch dazu.

Bild: Evangelische Jugend Augsburg

Vier Wochen lang waren sie in Tansania unterwegs – jetzt sind die sieben Jugendlichen aus der Evangelischen Jugend des Dekanats Augsburg wieder zurück. Sie und ihre Begleiterinnen haben viel erlebt.

Die Worte „Wageni ni malaika“ klingen allen noch in den Ohren. Sie waren bei den Begegnungen mit Einheimischen immer zu hören: Gäste sind Engel. „Die Wertschätzung und Gastfreundschaft, die wir in Tansania erlebt haben, kennen wir so von Deutschland nicht. Sie hat uns verblüfft und riesig gefreut. Wir haben uns daher nie als Touristen gefühlt“, beschreibt Diakonin Marlene Buheitel, Dekanatsjugendreferentin im Evangelischen Jugendwerk Augsburg, den Charakter der Reise.

Dennoch sei die Zeit in die Südzentraldiözese wegen der vielen Eindrücke auch anstrengend gewesen, berichtet die Gruppe übereinstimmend: Im Mittelpunkt standen die persönlichen Kontakte zu Menschen vor Ort und das gegenseitige Kennenlernen von Kultur und Lebensgewohnheiten. Auch Gespräche über Sorgen und Nöte, Hoffnungen und Lebensfreude kamen nicht zu kurz.

Den Alltag der Einheimischen miterleben

Im Vorfeld hatten sich die 18- bis 24jährigen Jugendlichen drei Themen gewählt, mit denen sie sich näher beschäftigen wollten: „Gelebter Glaube“, „Umgang mit Krankheit und Gesundheit“ und „Bildung“. Sie besuchten daher in Tansania Krankenhäuser, Schulen und Gottesdienste und informierten sich über Probleme wie HIV/Aids, Armut und fehlende Infrastruktur.

Untergebracht war die Delegation in Gemeinderäumen und bei Privatfamilien. „Mein Austauschpartner hat mir sein ganzes Leben gezeigt, seine Arbeit und seine Freunde, die dann auch Freunde für mich geworden sind“, begeistert sich der Delegationsteilnehmer Michael Wagner aus Schwabmünchen.

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Auch Dorothea Gruninger aus Königsbrunn durfte bei ihrer Gastfamilie den Alltag miterleben: Feuerholz und Wasser auf dem Kopf zu tragen und das gemeinsame Kochen unter einfachen Verhältnissen seien anstrengend und aufwändig gewesen. Trotzdem schwärmt Gruninger: „Einfach das tägliche Leben mit der Familie zu leben, das war das Schönste.“ Ähnliche Erfahrungen machte Johannes Stahl aus Aichach bei der Installation eines Wassertanks. Ihn faszinierte, mit wie wenigen und einfachen Mitteln die Menschen in Tansania auskommen.

Völlig anders als in Deutschland erlebten die Jugendlichen auch die Gottesdienste in Tansania. Sie dauern bis zu drei Stunden. Mehrere Chöre singen und es gibt Berichte von vielen einzelnen Gemeindegliedern, die krank sind oder Besonders erlebt haben. Die Liturgie aber war den Deutschen sehr vertraut, weil sie stark den Gesängen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ähnelt. Insgesamt beeindruckten die Gottesdienste. „Die Stimmung war toll, viele junge Menschen waren in der Kirche und das Gemeinschaftsgefühl war spürbar“, beschreibt Annabelle Domnick aus Gersthofen ihre Erlebnisse.

Einander die frohe Botschaft erzählen

Glaube, Bekenntnis und Gottesdienst sind für Bischof Levis Sanga von der Südzentraldiözese Tansania die entscheidenden Inhalte der Partnerschaft. Auf seiner ersten Deutschlandreise machte er Station in Augsburg und betonte: „Die Partnerschaft ist in dreierlei Hinsicht sehr bedeutsam. Erstens: Wir erzählen uns gegenseitig die Frohe Botschaft und stärken uns im Glauben, indem wir uns gegenseitig besuchen. Zweitens: Die historischen Wurzeln unseres Glaubens liegen hier in Deutschland, denn wir sind Lutheraner. Und drittens: Wir sind alle Kinder Gottes.“

Die Partnerschaft des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg mit der Südzentraldiözese Tansania hat eine lange Tradition. Sie besteht seit 1965. Aktuell begleitet das Dekanat vor allem ein Projekt für Waisenkinder und ein Waldaufforstungsprojekt. Die Evangelische Jugend Augsburg engagiert sich für das Projekt „Man lernt nicht aus“, das bedürftige Schüler unterstützt und Schulmaterial finanziert.

Der Gegenbesuch ist 2016 geplant

Zukünftig sollen weitere Projekte direkt zwischen Kirchengemeinden entstehen, wünscht sich der Augsburger Dekanatsmissionspfarrer Benjamin Lorenz: „Wenn man sich von Angesicht zu Angesicht verständigt und konkrete Projekte vor Ort entwickelt, erhöht das die Transparenz und stärkt die Vertrauensbasis auf beiden Seiten enorm.“

Von Angesicht zu Angesicht werden sich die Teilnehmer der Jugenddelegation voraussichtlich erst 2016 beim Gegenbesuch der Tansanier in Augsburg wieder begegnen. Bis dahin, heißt es, die neu gewonnenen Kontakte anderweitig zu pflegen. Mit technischen Mitteln ist das auch nicht schwierig, weiß Buheitel: „Das Handy macht es möglich – SMS-Schreiben ist in Tansania sehr günstig und das klappt ja auch in Deutschland gut“.


19.09.2014 / Irmgard Hoffmann