Augsburger Friedensbild 2015

Tödliche Grenzen

Friedensbild 2015 Selverajah

Die zehnjährigen Mamathy Selverajah hat das Augsburger Friedensbild 2015 unter dem Motto „Das geht zu weit!“ – „Das geht nicht weit genug!“ gemalt. Sie hat damit den ersten Preis beim Malwettbewerb des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg gewonnen.

Bild: Irmgard Hoffmann

Ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer, Menschen die ertrinken und Menschen die gerettet werden – diese Szene zeigt das Friedensbild 2015 unter dem Motto Das geht zu weit! - Das geht nicht weit genug!.

Gemalt hat das Bild die zehnjährige Mamathy Selverajah „Ich habe Berichte über Flüchtlinge im Fernsehen gesehen, deshalb habe ich das Thema gewählt“, erklärt die Fünftklässlerin der Realschule des A.B. von Stettenschen Instituts in Augsburg. Trotz der ernsten Thematik hat Mamaty auch Hoffnungsvolles gemalt: „Am besten an meinem Bild finde ich, dass die Leute versuchen zu helfen und nicht wegschauen wie viele andere.“

Das Kunstwerk ist im Rahmen des Schüler-Malwettbewerb des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg entstanden. Eine ökumenische Jury, bestehend aus Religions- und Kunstlehrern, Pfarrern und Vertretern der Stadt Augsburg hat es zum Siegerbild gekürt.

Bei der Preisverleihung am Freitag, den 10. Juli in den Räumen der Kreissparkasse Augsburg würdigte Stadtdekanin Susanne Kasch die Aktualität der eingereichten Bilder und die eindrucksvollen Darstellungen.


Zitat

Es gibt Grenzen, die nötig sind. Es gibt aber auch Grenzen, die dem Leben nicht dienen. Dass ihr als Jugendliche um diese tödlichen Grenzen wisst und sie so aussagekräftig darstellt, beeindruckt mich sehr.

Stadtdekanin Susanne Kasch bei der Preisverleihung

Zum Malwettbewerb aufgerufen waren Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen aus Stadt und Landkreis Augsburg, Aichach-Friedberg sowie aus Wertingen, unabhängig von Konfession und Religion. Sie reichten über 300 Bilder ein, die ihre Vorstellungen von Grenzen darstellen. Biblische Geschichten, persönliche Erlebnisse und Beobachtungen inspirierten die Jugendlichen zu unterschiedlichsten Darstellungen: Grenzen zwischen arm und reich, zwischen heiler Natur und Umweltzerstörung, Mobbingerfahrungen in der Schule oder Grenzen zwischen Mutter und Vater, unter denen Scheidungskinder leiden.

Der Malwettbewerb zum Augsburger Friedensfest wird von der Kreissparkasse Augsburg unterstützt. Das Siegerbild ziert das diesjährige Plakat zum Hohen Friedensfest und lehnt sich thematisch an das Rahmenprogramm zum Friedensfest unter dem Motto „Grenzen“ an.

Augsburger Friedensfest 2015

Augsburger Friedensfest,© Dekanat Augsburg / Irmgard Hoffmann
Das Augsburger Hohe Friedensfest am 8. August ist seit 1950 ein auf die Stadtgrenzen von Augsburg begrenzter einzigartiger "Feiertag des Friedens". Er geht zurück auf das Jahr 1650, als die Protestanten Augsburg ihre Gleichberechtigung mit der römisch-katholischen Kirche feierten, die sie erstmals im Augsburger Religionsfrieden von 1555 formuliert und schließlich im Westfälischen Frieden von 1648 durchgesetzt hatten.

Infos zum Friedensfest 2015

Rahmenprogramm und Friedensfestprogramm

Augsburger friedensfest 2014 Friedenstafel,© S.Kerpf/Stadt Augsburg

Rund um das Hohe Friedensfest veranstaltet die Stadt Augsburg von 16. Juli bis 8. August ein Rahmenprogramm mit festen Programmpunkten wie dem ökumenischen Eröffnungsgottesdienst, der „Friedenstafel“ (hier im Bild) und den Friedensgrüßen aller Kirchen und Religionsgemeinschaften.

Rahmenprogramm und  Friedensfestprogramm hier herunterladen

Ausstellung der Friedensbilder 2015

Die prämierten Bilder sind vom 10. bis 24. Juli im Kundenzentrum der Kreissparkasse Augsburg, Martin-Luther-Platz 5 ausgestellt. Vom 27. Juli bis 14. August können diese und weitere ausgewählte Werke im Kreuzgang der St. Anna Kirche zu den Kirchenöffnungszeiten besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Hintergrund zum Friedensfest

Das Augsburger Hohe Friedensfest geht zurück auf das Jahr 1650, als die evangelischen Christen Augsburgs erstmals ihre Gleichberechtigung mit den Katholiken feierten. Diese war zwar zuvor bereits formuliert worden – im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) kam es aber zu blutigen Auseinandersetzungen: Zunächst wurden die evangelischen Kirchen in Augsburg geschlossen, teilweise auch abgerissen. Als 1632 bis 1634 der Schwedenkönig Gustav-Adolf Augsburg eroberte, wurden jedoch die Katholiken unterdrückt. Nach Vertreibung der Schweden erging es den Protestanten von 1635 bis 1648 ebenso. Den 14 evangelischen Predigern in Augsburg wurde am 8. August 1629 jede weitere Amtshandlung untersagt.

Erst mit Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde schließlich im Westfälischen Frieden (1648) die Parität (Gleichheit) zwischen Katholiken und Protestanten hergestellt und entsprechend alle städtischen Ämter in Augsburg paritätisch (in einem gleichmäßigen Verhältnis) besetzt.

In Erinnerung an die endlich errungene Gleichstellung stifteten die Augsburger Protestanten im Jahr 1650 mit dem Hohen Friedensfest am 8. August einen weltweit einzigartigen Feiertag. Sie dankten für den geschenkten Frieden und die Möglichkeit, ihren Glauben frei und gleichberechtigt leben zu dürfen.
An den Beginn der Unterdrückungen, den 8. August 1629 und ihr Ende 1648 erinnert das 1650 erstmals begangene „Augsburger Hohe Friedensfest“. Damals wurden im Rahmen des Festes Künstlerbilder mit biblischen Motiven an die Kinder verteilt. Diese Tradition geriet in Vergessenheit und wurde in den 1970er Jahren mit dem Kindermalwettbewerb des Evang.-Luth. Dekanats Augsburg in moderner Form wieder neu belebt.

Seit 1950, dem 300. Jahrestag des Festes, ist der 8. August gesetzlicher Feiertag in Augsburg. Er wird in ökumenischer Gemeinschaft gefeiert und verbindet alle Religionen. „Die Sehnsucht der Menschen nach Frieden, seine Gefährdung durch Intoleranz, Hochmut und Machtgier und die Aufgabe, in aller Unterschiedlichkeit von Glaubenstraditionen und kulturellem Herkommen friedlich zusammenzuleben, ist der Inhalt des Festes – damals wie heute“, würdigt Stadtdekanin Susanne Kasch den Augsburger Feiertag.


13.07.2015 / Irmgard Hoffmann
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