Friedensfest

Augsburg lädt ein zum Hohen Friedensfest

Menschen auf einer Wiese

Ein "lebendes Peace-Zeichen" ist eine der Attraktionen beim diesjährigen "Kinder-Friedensfest" am Samstag, 8. August, von 13 bis 18 Uhr im Botanischen Garten und Zoo Augsburg.

Bild: (c) Friedensbüro im Kulturamt der Stadt Augsburg

Rund um das Hohe Friedensfest veranstaltet die Stadt Augsburg jährlich ein Rahmenprogramm mit festen Programmpunkten – 2015 lautet das Motto „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“.

Die Veranstaltungen rund um das Augsburger Friedensfest beleuchten die Bedeutsamkeit eines friedlichen Miteinanders der Menschen und der Verbundenheit aller Religionen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Da öffnet etwa die Evangelische Pfarrkirche Heilig Kreuz ihre Pforten für einen "Gedächtnisgottesdienst zum 200. Jubiläum des Endes der Napoleonischen Kriege": am Freitag, 7. August, um 19 Uhr. Zweimal – 1800 und 1805 – diente der Kirchenraum als Kriegsgefangenenlager für österreichische Soldaten. Aus diesem Anlass wird ein Mitglied des ehemals kaiserlichen Hauses Habsburg-Lothringen in einem feierlichen Gottesdienst mit Musik der Zeit eine neue Gedenktafel für die unglücklichen Gefangenen enthüllen. Bei der anschließenden Begegnung können auch Dokumente und Bilder zu Augsburg in der napoleonischen Zeit betrachtet werden. Der Eintritt ist frei.

Überdies laden der "Runde Tisch der Religionen" und das "punkt7"-Team zu einem "Multireligiösen Friedensgebet" ein: am Freitag, 7. August, um 19 Uhr auf dem Rathausplatz. Christen, Juden, Muslime, Aleviten und Buddhisten wollen dabei ihrer Hoffnung auf gegenseitigen Respekt Ausdruck verleihen, jeder nach seiner Tradition und in seiner Sprache. Der Eintritt ist frei.

"Augsburger Friedenstafel" auf dem Rathausplatz

Ein weiterer Höhepunkt: der "Ökumenische Festgottesdienst zum Hohen Friedensfest": am Samstag, 8. August, um 10 Uhr in der St. Anna Kirche. Der Prediger, Domkapitular Dr. Josef Zerndl, ist Regionaldekan in Bayreuth, seit über 40 Jahren im priesterlichen Dienst und Mitglied der Ökumenekommission des Erzbistums Bamberg. Der Eintritt zum Gottesdienst ist frei.

Ebenfalls nicht wegzudenken aus dem festlichen Veranstaltungsprogramm: die "Augsburger Friedenstafel" am Samstag, 8. August, zwischen 11.30 und 15 Uhr auf dem Rathausplatz. Die Augsburger Friedenstafel ist ein gelebtes Symbol für die offene und friedliche Begegnung der gesamten Augsburger Stadtgesellschaft – mehrere hundert Tischnachbarn teilen von zu Hause mitgebrachte Speisen und Getränke, tauschen sich aus, lernen sich kennen. Traditionell wird die Friedenstafel vom Oberbürgermeister der Stadt Augsburg eröffnet; im Anschluss übermitteln Vertreter in Augsburg ansässiger Religionsgemeinschaften ihre traditionellen Friedensgrüße.

Nicht zuletzt das "Kinderfriedensfest" komplettiert den Vorgeschmack auf die Augsburger Aktionen: am Samstag, 8. August, findet das beliebte Fest für Jung und Alt im Botanischen Garten und im Zoo Augsburg von 13 bis 18 Uhr statt. Es locken Mitmach-Parcours, ein lebendes "Peace"-Zeichen und über 50 Stationen rund um das Thema Frieden. Kinder bis 15 Jahre haben freien Eintritt.

Mit Friedenswecken den Frieden schmecken

Überdies findet im Rahmen des Kinderfriedensfests am 8. August ein "Ökumenischer Familiengottesdienst" statt: um 10 Uhr in der evangelischen St. Ulrich Kirche! Miteinander beten Kinder und Familien aus den beiden Kirchen für Frieden und Gerechtigkeit für alle Kinder in Augsburg und auf der ganzen Welt. Natürlich gehören zum Kinderfriedensfest auch die süßen Friedenswecken, die die Kinder und Erwachsenen daran erinnern sollen, dass man Frieden auch schmecken kann. Begleitet und umrahmt wird der Familiengottesdienst vom Ökumenischen Kinderchor der Ulrichsgemeinden. Die Prediger beim Ökumenischen Familiengottesdienst sind Pfarrer Frank Kreiselmeier und Stadtdekan Helmut Haug.

Hintergrund zum Friedensfest

Das Augsburger Hohe Friedensfest geht zurück auf das Jahr 1650, als die evangelischen Christen Augsburgs erstmals ihre Gleichberechtigung mit den Katholiken feierten. Diese war zwar zuvor bereits formuliert worden – im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) kam es aber zu blutigen Auseinandersetzungen: Zunächst wurden die evangelischen Kirchen in Augsburg geschlossen, teilweise auch abgerissen. Als 1632 bis 1634 der Schwedenkönig Gustav-Adolf Augsburg eroberte, wurden jedoch die Katholiken unterdrückt. Nach Vertreibung der Schweden erging es den Protestanten von 1635 bis 1648 ebenso. Den 14 evangelischen Predigern in Augsburg wurde am 8. August 1629 jede weitere Amtshandlung untersagt.

Erst mit Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde schließlich im Westfälischen Frieden (1648) die Parität (Gleichheit) zwischen Katholiken und Protestanten hergestellt und entsprechend alle städtischen Ämter in Augsburg paritätisch (in einem gleichmäßigen Verhältnis) besetzt.

Der 8. August verbindet alle Religionen

In Erinnerung an die endlich errungene Gleichstellung stifteten die Augsburger Protestanten im Jahr 1650 mit dem Hohen Friedensfest am 8. August einen weltweit einzigartigen Feiertag. Sie dankten für den geschenkten Frieden und die Möglichkeit, ihren Glauben frei und gleichberechtigt leben zu dürfen.
An den Beginn der Unterdrückungen, den 8. August 1629 und ihr Ende 1648 erinnert das 1650 erstmals begangene „Augsburger Hohe Friedensfest“. Damals wurden im Rahmen des Festes Künstlerbilder mit biblischen Motiven an die Kinder verteilt. Diese Tradition geriet in Vergessenheit und wurde in den 1970er Jahren mit dem Kindermalwettbewerb des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg in moderner Form wieder neu belebt.

Seit 1950, dem 300. Jahrestag des Festes, ist der 8. August gesetzlicher Feiertag in Augsburg. Er wird in ökumenischer Gemeinschaft gefeiert und verbindet alle Religionen.


03.08.2015 / ELKB / Poep / Andrea Seidel
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