Empfang von Dr. Dorothea Greiner

"Damit aus Fremden Freunde werden"

Vortragssaal: Menschen und Rednerin

Aus Fremden sollen Freunde werden: die Bayreuther Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner setzte sich beim Neujahrsempfang in Bad Alexandersbad für die Bedürfnisse von Flüchtlingen ein.

Bild: (c) Kirchenkreis Bayreuth / Michael Thein

Bei einem Empfang in Bad Alexandersbad für Mitarbeiter in der Flüchtlingsarbeit am Wochenende hat Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner gefordert, den Arbeitsmarkt weiter für Flüchtlinge zu öffnen.

Trotz der jüngsten gesetzlichen Lockerung dürften Flüchtlinge in vielen Arbeitsbereichen nur nachrangig zu Deutschen oder EU-Bürgern einen Arbeitsplatz erhalten, beklagte die Theologin am vergangenen Freitagabend in Bad Alexandersbad (Landkreis Wunsiedel). Bei einem Empfang für Mitarbeiter in der Flüchtlingsarbeit aus dem Kirchenkreis Bayreuth, an dem auch Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) teilnahm, würdigte die Regionalbischöfin die vielfältige Arbeit der Ehrenamtlichen.

"Faktisch sind die Vorrangprüfung und die Arbeitsmarktprüfung eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für unsere ohnedies überlasteten Behörden und ein Verhinderungsmechanismus für unsere Wirtschaft angesichts unserer historisch niedrigen Arbeitslosenzahlen", sagte Greiner.

Qualifizierte Arbeitskräfte von außen werden gebraucht

An den Gesetzgeber appellierte die Bayreuther Regionalbischöfin: "Überlassen Sie es den Unternehmern, wen sie einstellen. Wenn ein geeigneter deutscher Bewerber da ist, werden die Unternehmer sowieso den Muttersprachler bevorzugen." Gerade Nordostbayern mit seiner besonderen Belastung durch den demografischen Wandel sei auf qualifizierte Arbeitskräfte von außen dringend angewiesen.

Die Flüchtlingsarbeit der Ehrenamtlichen würdigte die Regionalbischöfin als eine unschätzbare "Beziehungsstiftung". Freundliche Begegnung sei "das Lebenselixier schlechthin" erst recht für Menschen, die so viele Beziehungen hinter sich gelassen hätten. Den Helfern bescheinigte sie, mit ihrer Zivilcourage auch andere Menschen zu ermutigen: "Sie alle helfen den Flüchtlingen; und Sie helfen damit unserer Gesellschaft, weil Sie so auch Ihr Umfeld verwandeln, Ihren Freundeskreis, Ihre Kommune."

Nachdrücklich forderte die Regionalbischöfin mehr hauptamtliche Asylsozialberater. Jeder Asylsozialberater in Bayern sei derzeit zuständig für die Begleitung von etwa 260 Menschen, annähernd doppelt so viele wie vorgesehen. "Diese Quote ist unmenschlich für sie und die Flüchtlinge", sagte Greiner. Darüber hinaus seien die vielen engagierten ehrenamtlichen Helfer auf Hauptamtliche angewiesen, "die sie anleiten, auch mal übersteigerten Idealismus bremsen und Kenntnisse vermitteln".

Wertschätzung der Persönlichkeit wichtig

Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) hob in ihrer Ansprache die große Hilfsbereitschaft und Solidarität hervor, die Flüchtlingen bei ihrer Ankunft in Bayern entgegen gebracht worden sei. Besonders die Ehrenamtlichen hätten den Asylbewerbern "eine neue Art der Beheimatung gegeben". Akzeptanz, Toleranz und Solidarität seien wesentliche Werte, die hier einzubringen seien. Doch es reiche nicht aus, Neuankömmlinge nur zu respektieren: "Jeder Flüchtling, der hier ankommt, braucht auch die Wertschätzung seiner Persönlichkeit", sagte Müller. Sie kündigte an, dass die Koordinierungszentren für Bürgerschaftliches Engagement in Bayern weiter ausgebaut werden sollen, um die Zusammenarbeit von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Asylsozialberatern zu verbessern.

Darüber hinaus forderte die Sozialministerin eine Aufstockung des Personals beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Dort lägen derzeit 166.000 unbearbeitete Asylanträge vor, davon 14.000 älter als zwei Jahre. "Wir wollen, dass die Asylbewerber schnell über ihr Verfahren Bescheid wissen und dass dann die Unterkünfte frei gemacht werden können für neue Flüchtlinge", sagte Müller.

Muslime nicht unter Generalverdacht stellen

Die Sozialministerin warnte zudem davor, islamistischen Terror und Asylproblematik miteinander zu vermischen. Die jüngsten Terroranschläge in Paris hätten nichts mit dem Zugang von Asylbewerbern und der Asylpolitik zu tun, so Müller. Nach dieser Tat "fehlgeleiteter Einzeltäter" dürften die islamische Religion und die muslimische Gemeinschaft nicht unter Generalverdacht gestellt werden.

Mit Blick auf die Montagsdemonstrationen der islamkritischen Bewegung "Pegida" sagte Müller, dass die Ängste, Verunsicherungen und die Unkenntnis dieser Menschen ernst genommen werden müssten. "Wir müssen aufklären und an die Solidarität aller appellieren." Hetze und dumpfe Parolen dürften jedoch nicht akzeptiert werden. Dagegen müsse die Gesellschaft "gezielt und gemeinsam" vorgehen.


19.01.2015 / epd
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