Beruf und Berufung

Arbeiten bei der Kirche

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    Mann säubert Boden in Kirche

    Kirche ist der zweitgrößte Arbeitgeber im Freistaat Bayern.

    Bild: Poep / ELKB / Jahresbericht 2013

    Kirche – das ist eine Vielzahl von Menschen, die sich engagieren. Die Kirche versteht sich als Leib, der viele Glieder hat. Jede und jeder hat seinen Platz.

    Beruf als Berufung. Für viele Mitarbeitende der Kirche ist das eindeutig so: Sie verstehen ihre Arbeit in der Kirche, den Werken und Diensten und evangelischen Vereinen als Herausforderung, die ihr persönlicher Glaube an sie stellt.

    Die Kirche ist der zweitgrößte Arbeitgeber im Freistaat Bayern. Für die evangelische Kirche arbeiten etwa 28.000 Frauen und Männer, für die Diakonie in Bayern mehr als 76.600 Menschen. Kaum ein Arbeitgeber bietet so vielen verschiedenen Berufungen ein Zuhause, bietet so vielen Berufen einen Arbeitsplatz: der Ärztin, dem Diakon, der Rettungsassistentin, dem Verwaltungsfachmann, der Kirchenmusikerin, dem Erzieher, der Religionspädagogin, dem Logopäden, der Hebamme, dem Sozialpädagogen, der Pfarrerin und vielen mehr. Von der Pflege und Betreuung über die Verwaltung bis hin zu Sozialarbeit und Seelsorge engagieren sich Männer und Frauen als Mitarbeitende der Kirche.

    Fair und gerecht

    Evangelische Kirche und Diakonie in Bayern zahlen auch in der niedrigsten Entgeltgruppe mehr als den von der Landessynode geforderten gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro. „Bei der Kirche beträgt der niedrigste Stundenlohn 9,13 Euro, bei der Diakonie 8,81 Euro, jeweils unter Berücksichtigung der Sonderzahlung“, erklärte Oberkirchenrätin Dr. Karla Sichelschmidt, Leiterin des Landeskirchenamts und Mitglied der Kirchenleitung, im April 2013.

    Der Arbeitnehmende im kirchlichen und diakonischen Dienst habe weitere Vorteile: beitragsfreie Zusatzversorgung, 30 Tage Urlaub, arbeitsfrei am Buß- und Bettag.
    Die Personalpolitik berücksichtige auch die familiäre Situation und die privaten Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so Sichelschmidt. „Kirche und Diakonie kann sich in ihren Anstrengungen für Familienfreundlichkeit sehen lassen.“

    Das Landeskirchenamt in München, die Landeskirchenstelle in Ansbach sowie das Partnerschaftszentrum Mission EineWelt haben sich in den vergangenen Jahren einem Auditierungsprozess unterzogen, in dem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Mitarbeitenden geprüft wurde und verbindliche Ziele für die Zukunft festgelegt wurden.

    Der so genannte Dritte Weg

    Aufgrund des verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmungsrechts der Kirchen kann die bayerische Landeskirche die Gestaltung der Dienstverhältnisse von Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie selbst regeln. Der kirchliche Dienst versteht sich dabei als „Dienstgemeinschaft“, wonach alle Christinnen und Christen, also sowohl Arbeitgeberin und Arbeitgeber als auch Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer, gemeinsam und gleichermaßen verantwortlich sind.

    Auch das kirchliche Arbeitsrecht ist von diesem Leitbild der Dienstgemeinschaft geprägt. Arbeitnehmer und Arbeitgeber suchen gemeinsam den Ausgleich ihrer unterschiedlichen Interessen. So verpflichten sich zum Beispiel alle Beteiligten, Konflikte partnerschaftlich zu lösen. Streik oder Aussperrung können deshalb keine Antwort oder Lösung sein. Dieses kirchenspezifische Arbeitsrechtssystem wird auch als „Dritter Weg“ bezeichnet.

    Die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den verschiedenen Dienstellen von Kirche und Diakonie werden von einzelnen Mitarbeitervertretungen wahrgenommen, die im Verband kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bayern e.V. (vkm) zusammengeschlossen sind. Ihre Aufgaben und Funktionen entsprechen weitgehend denen von Betriebs- und Personalräten. Die arbeitsrechtlichen Regelungen für die Beschäftigungsverhältnisse werden durch die Arbeitsrechtliche Kommission (ARK) beschlossen und nicht durch den Abschluss von Tarifverträgen herbeigeführt.


    18.02.2014 / Andrea Seidel
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