Diakonie Kempten

"Geborgenheit kann man nicht kaufen"

Diakonie Kempten erklärt Kindern Geld und Werte

"Wie kommt denn das Geld in die Scheckkarte?"

Bild: VikaRayu

Ein Projekt der Diakonie Kempten bringt Kindern in Kindergärten und Grundschulen spielerisch die Themen Geld und Werte näher.

"Cool, das ist ja wie Fernsehen ohne Strom." Die Zweitklässler der Haubenschlossschule in Kempten sind begeistert von der Bildergeschichte. Janine Aschendorff, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Diakonie Kempten Allgäu, erzählt sie mit Hilfe eines japanischen Papiertheaters. Es geht darin um die neunjährige Janna und die Supermarktfigur "Potz Tuusig", die das Kind zu immer mehr Wünschen und Käufen verführt. Eine Brille verschafft Janna am Ende letztlich den klaren Blick für das, was wirklich im Einkaufswagen nötig ist. "Ich hab' gelernt, dass ich nicht alles haben muss, was ich in der Werbung und im Supermarkt sehe", erzählt eine Schülerin.

Mit dem neuen Projekt will die Schuldnerberatung der Kemptener Diakonie in den Kindergärten und Grundschulen der Stadt die Finanzkompetenz der Mädchen und Buben im Alter von fünf bis acht Jahren fördern. Parallel zum Besuch von Janine Aschendorff besprechen die Kinder die Themen "Geld" und "Werte" auch mit ihren Erzieherinnen und Lehrern: Brauche ich wirklich alles, was in der Werbung gezeigt wird? Ist es nicht schön, auch mal mit Vorfreude auf die Erfüllung eines Wunsches zu warten? Und gibt es nicht auch viele wichtige Dinge, die man mit Geld nicht kaufen kann? Natürlich gibt es die, meinen die Schüler der Klasse 2b: "Wenn mein Papa Zeit für mich hat." Oder: "Geborgenheit in der Familie kann man nicht kaufen."

Zitat

"Ich hab' gelernt, dass ich nicht alles haben muss, was ich in der Werbung und im Supermarkt sehe."

Schülerin

Entwickelt wurde die Geschichte rund um die Figur Potz Tuusig ("Potz Tausend" auf deutsch) von der Schweizer Stiftung Juventute. Deren Ziel ist es nach eigenen Angaben, die Selbstverantwortung von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Mit liebevollen Illustrationen führt die Geschichte über die Verführungen im Supermarkt die Kinder spielerisch an Wissen und Werte rund um Geld und Konsum heran. Der in schickem Anzug und mit Zylinder gekleidete Potz Tuusig reicht Janna eine Plastikkarte, mit der sie immer noch mehr einkaufen kann.

"Wie kommt denn das Geld in die Scheckkarte?", will Janine Aschendorff wissen. Die Antwort kommt schnell: Über die Bank - und die Zweitklässler wissen auch, dass die Eltern dafür arbeiten müssen. Manche Kinder in der Klasse bekommen schon Taschengeld, andere nicht. "Ich weiß aber, wie ich meinen Eltern Geld für einen Wunsch aus den Rippen leiern kann", meint ein Neunjähriger cool. Ein Mädchen erzählt: "Ich bekomme alles, was ich möchte." Die Geschichte über Potz Tuusig macht sie jedoch nachdenklich: "Ich muss nicht alles selbst haben, ich kann auch Freunde fragen, ob ich ein Spiel ausleihen kann."

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Auch Sozialkritisches ist in der Geschichte untergebracht: Manche Dinge werden in fernen Ländern für wenig Geld produziert. Davon haben die Schüler bereits gehört. Daheim wollen sie einmal nachsehen, woher denn ihre Spielsachen eigentlich kommen - und ob sie wirklich alle nötig sind. Im Laufe der Geschichte verliert Potz Tuusig seine Brille. Als Janna sie aufzieht, wird ihr schließlich klar, woher die Produkte kommen, wie schnell sie kaputt gehen können und wer dafür bezahlen muss. Sie denkt kurz nach und legt dann die Spielsachen, die ihr Potz Tuusig aufgeschwatzt hat, aus dem Einkaufswagen wieder zurück ins Regal.


12.11.2015 / Monika Rohlmann (epd)