Aus der Geschichte lernen

Ohne Erinnerung keine Zukunft

Erinnerungsorte sind Orte der Selbstvergewisserung - Axel Mölkner-Kappl begleitete Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel beim Besuch auf dem Obersalzberg.

„Geschichtsbewusstsein ist die Basis unserer Identität“: Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel besuchte mit dem Pfarrkapitel Traunstein die Dokumentation Obersalzberg.

„Erinnerungsorte sind Orte der Selbstvergewisserung, nicht im Sinne einer musealen Kultur von Bedeutung, sondern Orte, an denen wir ein historisches Bewusstsein entwickeln“: Gemeinsam mit Pfarrerinnen und Pfarrern des Dekanats Traunstein besuchte Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel am 20. Juli 2015 die Dokumentation Obersalzberg.

Die Dokumentation Obersalzberg bietet am historischen Ort die Möglichkeit, sich mit der Geschichte des Obersalzbergs und der Geschichte des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Ergänzend zu der Dauerausstellung geschieht dies mit Wechselausstellungen, Vorträgen und Veranstaltungen sowie einem umfangreichen Bildungsangebot. „Erinnerungsorte ermöglichen es uns geistesgegenwärtig unsere Geschichte zu reflektieren. Sie sind die Orte, an denen wir aus der Begegnung mit Dokumenten der Vergangenheit Strategien für die Zukunft entwickeln“, so die Synodalpräsidentin beim Rundgang.

Zitat

Die Wachsamkeit für den Schutz von Demokratie, Rechtsstaat und Pluralismus gehört zu unserer Weltverantwortung. Wir müssen vorbehaltlos und engagiert für die demokratische Ordnung eintreten, wir müssen eintreten für eine Kultur des Rechts und der Gerechtigkeit.

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel vor der Synode im Herbst 2014

Aus der Geschichte Strategien für die Zukunft entwickeln

Die kirchenleitenden Organe der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern beraten derzeit darüber, ob die Barmer Theologische Erklärung von 1934 grundlegend zum Selbstverständnis der bayerischen Kirche gehören und deshalb ein evangelisch-lutherisches Bekenntnis werden soll. Die Synodalen der Bekenntnissynode von Barmen 1934 versuchten in einer Zeit der Bedrängnis Orientierung zu geben. Sie widersetzten sich der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus und der Gleichschaltung der Evangelischen Kirche Deutschland.

„Barmen ist Ausdruck christlicher Freiheit und Verantwortung“, so die Synodalpräsidentin. „Das Barmer Bekenntnis protestiert im Namen evangelischer Freiheit gegen jene Mächte, Gewalten und Weltanschauungen, deren Zugriff auf unser Leben total ist und die uns kein Entrinnen, auch kein Entrinnen des kritischen Geistes mehr erlauben. 1934 war es die Politik, deren totaler Zugriff den Menschen in den Fängen hielt. Und wer ist es heute - 2015? Wer ist es morgen?“ Wer sind diese Mächte, die uns die Freiheit rauben – oft, ohne dass wir es überhaupt merken?" Preidel rief zur Wachsamkeit auf: "Unsere evangelische Verantwortung liegt darin, die Geister zu scheiden und geistesgegenwärtige Bewohner und Bewohnerinnen unserer Gegenwart zu werden. Unsere evangelische Verantwortung liegt darin aufzuspüren, was uns die Freiheit und die Menschlichkeit raubt und was uns zur Freiheit und zur Menschlichkeit befreit."

Nicht nachlassen im Tun

„Kirche hat eine wichtige Rolle, nämlich sich da immer einzumischen, wo Menschenverachtung die Oberhand gewinnt“, betonte Preidel. Dabei wies sie auf die vielen Aktivitäten und Bündnisse hin: Die bayerische Landeskirche ist fast flächendeckend in den Bündnissen gegen Rechtsextremismus präsent und bildet gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) das Rückgrat vieler Bündnisstrukturen.

„Der Landeskirche ist bewusst, dass die Arbeit in diesen Bündnissen für das Gemeinwesen vor Ort eine im Sinne der Demokratie, der Vielfalt und der Toleranz reiche Quelle darstellt“, so der Geschäftsführer des Bayerischen Bündnisses für Toleranz – Demokratie und Menschenwürde schützen und Leiter der Projektstelle gegen Rechtsextremismus, Martin Becher.

Das Bündnis für Toleranz feierte in den vergangenen Wochen das 10jährige Jubiläum, die Projektstelle gegen Rechtsextremismus unterstützt seit acht Jahren Bündnisse, Initiativen und Gruppierungen vor Ort und organisiert politische Bildungsarbeit, regelmäßig trifft sich ein „Runder Tisch“ in der Landekirche mit engagierten Haupt- und Ehrenamtlichen. Auch ist die bayerische Landeskirche in der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAGKR), die die Vernetzung innerhalb der Kirchen fördert, engagiert.


29.07.2015 / ELKB
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