70 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki

"Der Schrecken sitzt tief"

Friedensmahnmal in Hiroshima

Der "Friedensdom", die Ruine der ehemaligen Industrie- und Handelskammer in Hiroshima, erinnert an den ersten Einsatz der Atombombe am 6. August 1945.

Bild: Yumi Momoi

Am 6.8.1945 gab US-Präsident Truman den Befehl, Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abzuwerfen. Mit einer Delegation besucht der Landesbischof Japan, um ein Zeichen gegen Atomwaffen zu setzen.

Vom 5.-10. August wird Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in Hiroshima und Nagasaki am Gedenken an den Atombombenabwurf 1945 teilnehmen. Er reist als deutscher Repräsentant einer Gruppe von Vertretern des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) nach Japan. Zur Delegation gehören acht Bischöfe und Personen der Kirchenleitung aus sieben Ländern, deren Regierungen am Schutz durch Atomwaffen festhalten. Die Reise ist Teil des „Pilgerwegs für Gerechtigkeit und Frieden“, den die Vollversammlung des ÖRK Ende 2013 in Busan (Südkorea) beschlossen hatte. Weltweit machen sich seitdem Menschen auf den Weg, um sich für den Frieden in der Welt einzusetzen. Dazu Bedford-Strohm: „Wir wollen den 70. Jahrestag der Atombombenabwürfe zum Anlass nehmen, um darauf hinzuweisen, dass es uns heute, so viele Jahre nach diesen schrecklichen Ereignissen, immer noch nicht gelungen ist, bei der Ächtung dieser Waffen entscheidend voranzukommen“.

Zitat

Dadurch, dass seit dem Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki nichts Vergleichbares passiert ist, wiegen wir uns in Sicherheit. Aber solange diese Waffen existieren, weiß niemand, ob Konstellationen entstehen könnten, in denen sie doch wieder eingesetzt werden."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Die Mitglieder der Delegation werden in Hiroshima und Nagasaki mit Überlebenden sprechen, mit Christen der örtlichen Kirchen beten und mit Gläubigen anderer Religionen über die Not der beiden Städte nachdenken. Ein zentrales Ziel der Reise besteht darin, die geistlich und ethisch begründete Kritik an der Nutzung von Atomwaffen auf die Tagesordnung zu bringen. Insbesondere in den Staaten, die selbst Atomwaffen besitzen oder die sich auf den Schutz durch Atomwaffen verlassen, wie dies bei den NATO-Staaten der Fall ist, kann deren Rolle anlässlich des Gedenkens neu diskutiert werden.

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Bedford-Strohm erinnert daran, dass die EKD-Synode bereits 2010 gefordert habe, dass die in Deutschland und in weiteren europäischen Ländern gelagerten amerikanischen Atomwaffen abgezogen werden. „Wenn es uns gelänge, den Initiativen für die weltweite Ächtung von Atomwaffen neues Leben zu geben, wäre das natürlich sehr schön“, sagt der Vorsitzende des Rates der EKD. Die EKD-Synode habe bereits 2010 gefordert, dass die in Deutschland und in weiteren europäischen Ländern gelagerten amerikanischen Atomwaffen abgezogen werden. Weiter sollten die Atomwaffenstaaten bis zur vollständigen Abschaffung solcher Waffen auf deren Ersteinsatz verzichten. „Diese Forderungen sind nach wie vor aktuell“, so Bedford-Strohm.

Drei Kerzen im Dunkeln

Vielerorts werden in Bayern am 5. oder 6. August in Erinnerung an den Atombombenabwurf vor 70 Jahren hunderte von Kerzen entzündet.

Bild: iLkay BarLas

Gedenken in Bayern

In Bayern werden zahlreiche Gedenkveranstaltungen an den Schrecken vor 70 Jahren erinnern. So wird vom 5. auf den 6. August in etlichen Städten (beispielsweise Nürnberg, Weiden, Bad Tölz) die "Nacht der 70.000 Kerzen" begangen. In Fürstenfeldbruck findet am 5. August die Veranstaltung "Siebzig Jahre sind genug!" - für ein atomwaffenfreies Deutschland - statt. Am 6. August wird in München, Fürth und Prien am Chiemsee mit Andachten und Gedenkfeiern an den Abwurf der Atombomben erinnert. Die Nacht der 70.000 Lichter begehen am 6. 8. Dachau, Neustadt an der Aisch und Regensburg.

29.07.2015 / ELKB