Moscheen in Bayern

Ein Recht auf würdige Gebetsstätten

Kuppel einer Moschee

Moscheen in Bayern - Ein Teil der multikulturellen Integration.

Bild: iStockPhoto / FrankvandenBergh

Deutschland ist ein weltanschaulich neutrales Land, das Religionen freundlich gegenübersteht. Das soll auch durch die Präsenz von Moscheen zum Ausdruck kommen, sagt Ökumenereferent Ivo Huber.

In Bayern leben etwa 450.000 Musliminnen und Muslime. Ihr Bevölkerungsanteil von etwa 4 % entspricht damit in etwa dem Bundesdurchschnitt. Man schätzt allerdings, dass höchstens 25 % der Muslime Mitglieder einer Moscheegemeinde – also einer nach Vereinsrecht organisierten Gemeinschaft – sind. Aus ihren Herkunftsländern kennen Muslime keine Notwendigkeit ihre Zugehörigkeit zum Islam durch eine Vereinsmitgliedschaft zu bekunden. Doch auch viele Nichtmitglieder leben als einzelne oder Familie ihre Religion. An hohen islamischen Feiertagen finden sich in vielen Moscheen deshalb weit mehr als 100 % der Mitglieder ein.

Die Moscheen der muslimischen Gemeinden in Bayern sind in der Regel Umbauten. So wurden Garagen, Möbelgeschäfte oder Lagerhäuser, manchmal auch Wohnhäuser zu Moscheen, die als solche von außen kaum zu erkennen sind. Nur vereinzelt entstanden bisher repräsentative Moscheeneubauten, etwa in Lauingen oder Ingolstadt. Besonders interessant ist das Beispiel Penzberg, weil sich die dortige Gemeinde bei ihrem Neubau in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts nicht für den traditionellen, türkisch geprägten Stil – d. h. mit Kuppel und schlanken, „bleistiftartigen“ Minaretten – entschieden hat, sondern für eine Moschee, die sich in das Voralpenland und die Kleinstadt einfügt und dennoch deutlich zu erkennen ist. Das Streben nach einer zentral gelegenen Moschee für die Großstädte hat sich bisher weder in München, noch in Nürnberg oder Augsburg realisieren lassen.

Imame und Hodschas der Moscheen sind bis heute im Ausland ausgebildet und auf die Situation deutscher muslimischer Gemeinden in der Regel nur ungenügend vorbereitet. Die Imame des mitgliederstärksten Moscheeverbandes DITIB sind Beamte des türkischen Staates, die von der Religionsbehörde in Ankara zum Dienst in Deutschland entsandt werden und nach einigen Jahren in die Heimat zurückkehren müssen. Seit wenigen Jahren aber wird an vier bzw. fünf verschiedenen Universitäten in Deutschland, darunter auch Erlangen, islamische Theologie gelehrt, so dass es in absehbarer Zeit ausreichend in Deutschland ausgebildete Theologinnen und Theologen geben wird.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern tritt schon seit langem für das Recht islamischer Gemeinden auf würdige Gebetsstätten, auch in zentraler Lage, ein. Die Bundesrepublik Deutschland ist zwar ein Staat, der religiös neutral ist, jedoch ist diese Neutralität, so hat es Bundesinnenminister de Maizière formuliert, eine „religionsfreundliche Neutralität“. Dem sollte auch die sichtbare Präsenz der Religionen in Stadt und Land entsprechen.

Zur Person

Ivo Huber, Bild: © ELKB / Poep

Ivo Huber

Kirchenrat Ivo Huber ist Referent für Ökumene in der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Zu seinem Arbeitsfeld zählen insbesondere theologische Grundsatzfragen, die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, den internationalen Kirchenbünden und der Römisch-Katholischen Kirche wie der interreligiöse Dialog.


26.05.2014 / Ivo Huber
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