Interreligiöse Ehen

Ein überzeugtes Ja

Eine Frau mit weißer Haut und einen Mann mit dunkler Haut.

Das Miteinander der Kulturen und Religionen ist der ELKB wichtig.

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Auch wenn interreligiöse Ehen bis 1975 nicht vorgesehen waren, darf die evangelische Kirche heute christlich-muslimische Paare nicht alleine lassen, meint Ökumenereferent Ivo Huber.

Fast alle Religionen haben Bedenken gegen Ehen ihrer Gläubigen mit Angehörigen anderer Religionen. Man befürchtet, dass durch eine Ehe mit Menschen anderer Religion und Kultur die Verankerung in der eigenen Religion geschwächt werden könnte, aber mehr noch, dass die Kinder aus solchen Ehen der eigenen Religion verloren gehen könnten. So hält zumindest das orthodoxe und konservative Judentum an dem Grundsatz fest, dass nur die Kinder einer jüdischen Mutter Juden sind und lehnt die Ehe jüdischer Männer mit nichtjüdischen Frauen ab. Der Islam geht davon aus, dass die Kinder eines muslimischen Mannes „automatisch“ – also ohne eigene Willenserklärung der Eltern – Muslime sind. Er gestattet deshalb nur die Ehe muslimischer Männer mit christlichen oder jüdischen Frauen, nicht aber Verbindungen von muslimischen Frauen mit nichtmuslimischen Männern.

Auch das Christentum macht keine Ausnahme. Bis zum 2. Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) benötigten Katholiken sogar für die Ehe mit Evangelischen eine „Befreiung vom Ehehindernis der Konfessionsverschiedenheit“. In den evangelischen Kirchen war die Ehe mit Nichtchristen überhaupt nicht vorgesehen. Die Wende kam erst 1975. Seitdem gibt es eine liturgische Ordnung für einen „Gottesdienst anlässlich der Eheschließung eines Christen mit einem Nichtchristen“. Dabei war an Ehen mit konfessionslosen Personen gedacht. Seitdem hat aber die Zahl von Ehen mit Menschen aus anderen Religionen erheblich zugenommen – der Bevölkerungssituation in Deutschland entsprechend vor allem zwischen Christen und Muslimen.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat 2012 mit ihrer Handreichung „Ein überzeugtes Ja“ einen entscheidenden Schritt getan. In dieser Broschüre erfahren christlich-muslimische Paare zunächst etwas über Chancen und Schwierigkeiten einer Ehe von Menschen aus verschiedenen Religionen und Kulturen. Dann werden Vorschläge für einen Trauungsgottesdienst gemacht. Dabei ist es sowohl möglich, dass Muslime bei der Trauung in der evangelischen Kirche mitwirken, wie auch dass Pfarrer und Pfarrerinnen ein einer Moschee gastweise sprechen.

Die Regeln für Gebetsfeiern mit Menschen aus verschiedenen Religionen gelten auch hier: Jeder Beter und jede Sprecherin spricht nur Texte aus seiner eigenen Tradition und aus seinem eigenen Glauben, die Angehörigen anderer Religionen hören dabei aufmerksam zu. Wichtig ist, dass christlich-muslimische Paare, die ihre Ehe im Vertrauen auf Gott beginnen wollen, von der Kirche nicht allein gelassen werden.

Zur Person

Ivo Huber, Bild: © ELKB / Poep

Ivo Huber

Ivo Huber ist Dekan in Markt Einersheim und war zuvor  Referent für Ökumene in der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Zu seinem Arbeitsfeld dort zählten insbesondere theologische Grundsatzfragen, die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, den internationalen Kirchenbünden und der Römisch-Katholischen Kirche wie der interreligiöse Dialog.


26.05.2014 / Ivo Huber