Leben in der einen Welt

Gerechte Globalisierung

Waage

Gerechtigkeit soll die Globalisierung kennzeichnen - das wünscht sich die ELKB.

Bild: (c) iStockPhoto / DNY59

Die Kirchen sind auf der Basis ihres gemeinsamen Glaubens in allen politischen Kontexten der Solidarität verpflichtet ebenso wie einer Kultur der sozialen Gerechtigkeit, so Kirchenrat Prieto-Peral.

Die aktuelle Klimadebatte führt zwei Dinge sehr klar vor Augen: Die entscheidenden Fragen der Welt lassen sich erstens nur global und multilateral lösen. Und zweitens macht es Sinn, wenn eine kleine Avantgarde diese Lösungen schon erprobt in Projekten, Kampagnen, durch Lebensstil und Bewusstseinsbildung. Gerade kirchliche Gruppen waren hier in vielerlei Hinsicht immer wieder Vorreiter. Viele ökologische Erkenntnisse und Experimente sind nun ganz unversehens mitten im Zentrum des Interesses von Politik, Medien und Öffentlichkeit.

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Wenn es noch eine Chance gibt, den Klimawandel zu stoppen, dann deshalb, weil es das Instrumentarium dafür bereits gibt – alternative Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen, sparsame Autos, bewusste regionale Vermarktung und vieles mehr. Als all dies noch gar nicht marktfähig war, haben viele Menschen schon Alternativen gesucht. Es waren und sind auch Menschen in der Kirche, die exemplarische Lösungen in ökologischen, sozialen und ökonomischen Fragen suchen und leben, und die nicht in erster Linie nach Mehrheiten oder Profit streben. Das ist prophetischer Pragmatismus.

Auch die eigentliche ökonomische Debatte zur Globalisierung erhält zunehmend Impulse aus der exemplarischen Arbeit an der Basis, aus der entwicklungspolitischen Arbeit, den kirchlichen Partnerschaften und Initiativgruppen. Ein gutes Beispiel ist der Faire Handel. Seit den 90er Jahren wird versucht, mit für alle Seiten fairen Handelsbedingungen Produkte aus dem Süden der Welt zu vermarkten. Den transnationalen Unternehmen soll dabei statt Totalkritik ein ethisch verantwortetes Beispiel gegeben werden.

Zitat

„Der Europäischen Union kommt die große Verantwortung zu, auch auf globaler Ebene eine Form des Wirtschaftens zu fördern, die jedem Menschen auf der Erde nützt. Der reichste Kontinent der Welt darf sich selbst nicht genug sein, sondern trägt eine Verantwortung, die über die Grenzen der einzelnen Mitgliedsländer hinausreicht.“

Ökumenische Sozialinitiative: Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft.

Heute werden Sozialstandards bei der Produktion etwa von Kleidung öffentlich breit diskutiert. Fair gehandelte Lebensmittel gibt es in jedem Supermarkt. Auch andere Produktionsbereiche sind analysiert und publik gemacht worden: Spielzeug, Blumen und zuletzt Fußbälle bei der Fußballweltmeisterschaft. Mit zunehmender Sensibilität für die Notwendigkeit einer gerechten Globalisierung wächst offensichtlich auch die Bereitschaft, entsprechend fair zu konsumieren und zu vermarkten.

In der bayerischen Landeskirche gibt es die Entscheidung für nachhaltiges Engagement auch aus unternehmerischen Überlegungen heraus. Dazu gehört die Entscheidung, die Rücklagen und Pensionsfonds der Kirche nach den Prinzipien des ethischen Investments anzulegen. Dem liegt die Erfahrung zugrunde, dass sich nachhaltige Unternehmensführung und verlässliche staatliche Rahmenbedingungen auch wirtschaftlich in einer nachhaltig positiven Entwicklung als Anlage niederschlagen. Die bisherigen Ergebnisse bestätigen dies.

Mehr als andere Organisationen der Zivilgesellschaft haben die Kirchen durch ihre ökumenische Verbundenheit über Staatsgrenzen hinweg die Möglichkeit zu einer weltweiten Zusammenarbeit, die positive Globalisierungsziele verfolgt. Die Kirchen sind auf der Basis ihres gemeinsamen Glaubens in allen politischen Kontexten den Grundwerten der Solidarität verpflichtet, ebenso einer Kultur des Friedens, der sozialen Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung. Dies ist ihr unverwechselbarer Beitrag für positives Verständnis von Globalisierung.

Zur Person

Thomas Prieto-Peral, Referent für Ökumene und Weltverantwortung in der ELKB, Bild: © (c) ELKB / Poep

Thomas Prieto-Peral

Thomas Prieto-Peral war Referent für Ökumene und Weltverantwortung in der ELKB. Einen Schwerpunkt bildet dabei der gemeinsame Lernweg christlicher Kirchen zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.


26.05.2014 / Thomas Prieto-Peral