G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau

Globale Verantwortung wahrnehmen

Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen

Im Juni 2015 trafen sich die Staats- und Regierungschefs der „Gruppe der Sieben“ (G7) auf Schloss Elmau in den bayerischen Alpen.

Bild: © iStockphoto / ra-photos

Im oberbayerischen Elmau haben sich Juni 2015 die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der Sieben (G7) getroffen.

In einem Brief an die Kirchengemeinden und Einrichtungen der bayerischen Landeskirche geben Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel inhaltliche
Orientierungen zu den wesentlichen Gipfel-Themen, die sich in den landeskirchlichen Zusammenhängen und den EKD-Zusammenhängen herausgeschält hatten:

Grundsätzlich:

• Es ist richtig, dass sich Politiker persönlich treffen, um die großen weltweiten Herausforderungen im Dialog zu lösen, auch wenn manchmal der Aufwand für solche Treffen sehr groß ist.

• Für eine funktionierende Demokratie ist es wichtig, dass sich engagierte Bürger und Organisationen äußern können. Darum müssen auch friedliche Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Gipfel möglich sein.

Wir danken allen, die dafür einstehen, dass die Veranstaltungen rund um den Gipfel gewaltfrei ablaufen. In diesen Dank schließen wir ausdrücklich alle ein, die in Polizei und Hilfsorganisationen – vielfach auch ehrenamtlich – dabei mithelfen. Es ist gut, wenn wir uns als Christen zu politischen Themen äußern. Nicht, weil wir die besseren Politiker wären, sondern weil wir unsere im christlichen Glauben gegründete Sicht in die Diskussion einbringen wollen.

Sind wir als Kirchen beteiligt?

 • Die christlichen Kirchen und ihre Werke haben seit geraumer Zeit den G7-Gipfel fest im Blick. Das G7-Treffen wird auf den Podien des zeitgleich stattfindenden Kirchentages in Stuttgart Thema sein.


• Schon am 3. und 4. Juni wird in München ein Internationaler Gipfel der Alternativen stattfinden, der in Workshops und zahlreichen Veranstaltungen alternative Ansätze zur G7-Politik in die Öffentlichkeit tragen soll.

• Aus Bayern engagiert sich das Partnerschaftszentrum Mission EineWelt bei den Veranstaltungen rund um den Gipfel. Es ist Mitveranstalter des oben erwähnten Alternativgipfels und bietet über das Referat Entwicklung und Politik Hintergrundinformationen zum G7-Gipfel.

• Bundesweit hat Brot für die Welt viele wichtige Aspekte der Debatte um die Themen des G7-Gipfels zusammengestellt.

• Eine ökumenische Initiative hat Gottesdienstmaterialien entwickelt, um die in Elmau verhandelten globalen Herausforderungen auch in einen klaren geistlichen Kontext einzubetten.

Thematische kirchliche Schwerpunkte

Mangel- und Unterernährung

Als Christinnen und Christen glauben wir an den einen Gott, der alle Menschen als seine Kinder ansieht, für die er ein „Leben in Fülle“ will (Joh 10,10). Wenn nach neuesten Zahlen der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) noch immer 805 Millionen Menschen chronisch unterernährt sind, so ist das ein Skandal, mit dem wir uns nicht abfinden können. Die Vereinten Nationen schätzen, dass jedes Jahr 8,8 Millionen Menschen an den Folgen von Mangel- und Unterernährung sterben. Das sind 24.000 Menschen pro Tag. Allein diese furchtbare Zahl zeigt: Wir brauchen eine verlässliche internationale Innenpolitik für die Eine Welt, in der die wirklich dringlichen globalen Handlungsnotwendigkeiten endlich auch zum Thema von gemeinschaftlichem politischen Handeln werden.

Gerechte Entwicklung in der einen Welt

Politische Weichenstellungen müssen im Sinne ihrer Verträglichkeit mit einer gerechten Entwicklung in der Einen Welt geprüft werden. Unser besonderes Augenmerk wird im Jahr 2015 daher den großen internationalen Konferenzen gelten: Nach dem G7-Gipfel in Bayern steht im Juli in Addis Abeba die künftige Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit auf der Tagesordnung. Bei der UNGeneralversammlung im September in New York sollen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung vereinbart werden. Ende des Jahres soll in Paris ein neues globales Klimaschutzabkommen verabschiedet werden. Die G7-Länder sind für rund 25 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. In Elmau sollen sich die G7-Länder im Vorfeld der Pariser Konferenz klar zu ihrer Verantwortung für den globalen Klimaschutz und zu der Notwendigkeit entsprechender verbindlicher Vereinbarungen bekennen. Dieses Ziel der Bundesregierung für den G7-Gipfel verdient unsere Unterstützung.

Option für die Armen

Als Christen sind wir zur „vorrangigen Option für die Armen“ aufgerufen: Der ethische Wert von wirtschaftlichem Handeln ist auch daran zu ermessen, wieweit es den Armen hilft und sie befähigt, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen. Es ist daher gut, wenn in Elmau auch die soziale und ökologische Gestaltung von Lieferketten in einer globalisierten Weltwirtschaft auf der Agenda stehen soll. Das „Textilbündnis“ von Bundesminister Müller zeigt am Beispiel nur einer Branche die Herausforderungen, vor denen wir bei globalen Produktionsprozessen stehen.

Frauen und Mädchen

Fast zwei Drittel aller Analphabeten weltweit sind Frauen und Mädchen. Frauen sind nach wie vor häufiger Opfer von Ungleichheit und Ausbeutung als Männer. Die deutsche G7-Präsidentschaft will die soziale Absicherung verbessern und hierfür eine Initiative für die berufliche Bildung und Ausbildung von Mädchen und Frauen ins Leben rufen. Dies ist zu begrüßen. Gleichwohl muss eine solche Initiative eingebettet sein in ein verstärktes internationales Engagement gegen Gewalttaten an Frauen und Mädchen.

Krankheiten

Weltweit leiden mehr als 1,4 Milliarden Menschen an heilbaren armutsbedingten Krankheiten. Häufig fehlt privaten Unternehmen ein wirtschaftlicher Anreiz, Forschungen zu solchen Krankheiten zu finanzieren. Internationale Vereinbarungen etwa zur Erhöhung der Versorgung Afrikas mit medizinischem Personal wurden nicht umgesetzt (G8-Gipfel 2008). Solche Zusagen müssen erfüllt werden. Eine von der internationalen Gemeinschaft getragene Versorgung mit lebenswichtigen Arzneimitteln und Impfstoffen muss gewährleistet sein.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel:
"Liebe Schwestern und Brüder: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu
Gottes Lob (Röm 15, 7). Die Jahreslosung für 2015 bezeichnet den Kern unseres Engagements
für die Eine Welt. Wir setzen uns mit Leidenschaft für die menschenwürdige Behandlung
von Flüchtlingen ein. Wir beten für den Frieden in Syrien und in der Ukraine.
Gott lieben und den Nächsten lieben wie uns selbst gehören untrennbar zusammen.

Lassen Sie uns in diesem Sinne die Beratungen in Elmau begleiten – konstruktiv und
kritisch. Im Gespräch und im Gebet. Nicht als die besseren Politikerinnen und Politiker.
Aber als Christen im vollen Wissen um die Verantwortung für die Eine Welt."


18.05.2015 / ELKB/PÖP
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