Konflikt und Frieden

Frieden

Friedenstaube

Der Einsatz für den Frieden ist eines der wichtigsten Ziele der ELKB.

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Frieden ist kein Zustand, sondern ein Weg. Aktive Friedensarbeit ist gefragt: Bei Streitigkeiten in Familie und Gemeinde wie auch bei internationalen Konflikten, sagt Kirchenrat Thomas Prieto-Peral

Die Bergpredigt Jesu fordert in ihrer radikalen Friedensvision immer wieder die Menschen zum Nachdenken und Handeln heraus. Dieser Friedenstext am Anfang des Matthäus-Evangeliums geht an die Wurzel all dessen, was Unfrieden schafft: Liebet Eure Feinde, sagt Jesus in der Bergpredigt – und durchbricht damit jedes Feindbild, dass Menschen sich immer wieder einreden lassen und mit dem Streit und Kriege begründet werden.

Die christliche Friedensethik stellt sich seit der Zeit der Urchristen die Frage, wie dieser Anspruch der Bergpredigt gelebt werden kann. Ist das nur eine Vision, eine Lebensregel für Idealisten und Aussteiger? Oder kann man damit sogar Politik machen? Eine der wichtigsten Fragen dabei ist die nach dem Einsatz von Gewalt: Muss ein Christ Pazifist sein, also jeden Einsatz von Gewalt ablehnen? Oder ist es für Christen denkbar, dass etwa für den Erhalt der öffentlichen Ordnung Gewalt in begrenztem Umfang legitim ist?

Klar ist für Christen: Vorrang müssen bei Konflikten immer friedliche und zivile Methoden haben. In der derzeitigen Diskussion evangelischer Christen gibt es nur eine legitime Begründung für die Anwendung von Gewalt, nämlich dann, wenn sie der Erhaltung des Rechtes dient, also “rechtserhaltende Gewalt“ ist. Das kann der Einsatz der Polizei sein, die in einem Rechtsstaat für die Durchsetzung von Recht und Ordnung sorgt – sich aber selbst auch vor dem Recht verantworten muss.

Bei internationalen Konflikten fehlt es meistens an einer gemeinsamen Rechtsgrundlage, hier wird nicht selten militärische Gewalt aus einer Vielzahl von Interessen heraus begründet. Daher waren die Kirchen zum Beispiel entschieden gegen den Irakkrieg, da er völkerrechtlich nicht legitimiert war.

Konkret setzen sich die Evangelischen Kirchen auf internationaler Ebene für einen Ausbau der zivilen Konfliktbearbeitung ein. Im Verbund mit anderen Kirchen weist die bayerische Landeskirche auf den Skandal der Rüstungsexporte in Krisenregionen hin. Nach innen bietet die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern viele Methoden konstruktiver Konfliktbearbeitung, Mediation, Streitschlichtung usw. Und schließlich bringt die bayerische Landeskirche immer wieder die Botschaft der Bergpredigt zu den Menschen – denn jedem und jeder ist gesagt: Selig sind die Friedensstifter.

Zur Person

Thomas Prieto-Peral, Referent für Ökumene und Weltverantwortung in der ELKB, Bild: © (c) ELKB / Poep

Thomas Prieto-Peral

Thomas Prieto-Peral war Referent für Ökumene und Weltverantwortung in der ELKB. Einen Schwerpunkt bildet dabei der gemeinsame Lernweg christlicher Kirchen zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.


26.05.2014 / Thomas Prieto-Peral