Frauen in Führungspositionen

Zu wenige trauen sich das Leitungsamt zu

Frau mit Fernglas

Allein auf weiter Flur? Noch immer viel zu viele Frauen empfinden so in einer Führungsposition.

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Jede Frau hat die Chance auf eine Führungsposition, so Regionalbischöfin Gisela Bornowski. Dennoch streben die wenigsten es an. Dabei basiert gute Leitung auf der Zusammenarbeit beider Geschlechter.

Als ich 2002 Dekanin in Bad Windsheim wurde, schenkte mir meine Schwester eine Karte mit dem Spruch: „Suche 5 fleißige Männer oder eine Frau“. Frauen in Führungspositionen mussten sich beweisen durch Fleiß, Engagement, durch Stärke und Kompetenz. Es wurde und (wird immer noch) besonders genau darauf geachtet: Wie macht die das? Schafft die das? Kann sie sich durchsetzen? Dazu kommt für Frauen in Führungspositionen ja auch die besondere Herausforderung durch eine Mehrbelastung dazu: Kindererziehung z.B. ist nach wie vor eine Hauptaufgabe der Mütter, wenn auch viele Männer sich inzwischen zu Hause einbringen. Es ist meistens ihr Job, dass zu Hause alles rund läuft und organisiert ist. Und später kommt die Betreuung der altgewordenen Eltern dazu. Auch hier sehen sich viele Frauen verpflichtet, sich der Familie zu widmen. Frauen müssen gut organisiert sein und zielorientiert arbeiten, um die unterschiedlichen Lebensbereiche und Aufgaben und dazu Zeit für eigene Entspannung und Hobby unter einen Hut zu kriegen.

Wir sind - besonders in unserer Kirche – längst über die Frage hinaus, ob Frauen auch führen können. Jede Frau hat die Chance, eine Führungsposition einzunehmen. Es gibt zu wenige, die das anstreben oder sich zutrauen. Viele Frauen wollen es sich schlichtweg nicht antun. Sie fürchten die Belastung, Einschränkungen im familiären Bereich, scheuen vielleicht auch die Machtposition und den Vergleich mit männlichen Kollegen.

„Frauen führen nicht besser, sondern anders.“ So heißt es in vielen Ausführungen zu diesem Thema. Ich erlebe, dass ich mein Leitungsamt so ausfüllen kann, wie es mir und meinen Begabungen entspricht. Ob das nun besonders weiblich ist, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube, wir brauchen in Führungspositionen beides: genuin männliche und weibliche Eigenschaften, und beides haben Männer und Frauen gleichermaßen. Wir brauchen die unterschiedlichen Perspektiven auf die Welt, die unterschiedlichen Erfahrungen mit Gott und den Menschen, die unterschiedlichen Handlungsoptionen, die unterschiedlichen Lebensentwürfe und die daraus gewonnenen Erkenntnisse – alles zusammen ergibt erst ein Ganzes.

Ich arbeite teamorientiert, entwickle Themen und Prozesse gerne mit anderen. Ich bin offen für ehrliche konstruktive Kritik und reflektiere mein Leitungshandeln. Ich bin fürsorglich gegenüber meinen Mitarbeitenden, will gute Rahmenbedingungen schaffen für ihre Arbeit, damit sie ihnen Freude macht. Sie sollen sich wertgeschätzt fühlen, aber auch ehrliche Rückmeldung bekommen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer und Frauen gleichermaßen ist mir ein Anliegen.

Ich nehme auch private und persönliche Probleme meiner Mitarbeitenden ernst und will sie unterstützen, soweit ich kann und darf. Ich achte auf ein gutes Betriebsklima, gehe Konflikte an, auch wenn es unangenehm ist. Ich versuche zu vermitteln und auszugleichen. Ich kann delegieren und meine Mitarbeitenden motivieren, ihre Fähigkeiten einzubringen. Meine Position vertrete ich klar, ohne sie absolut zu setzen. Ich bin gesprächsbereit und lasse mich auch eines Besseren belehren.

Vielleicht müsste die Aufschrift auf der Karte – 12 Jahre später – so lauten: Suche Frauen und Männer, die sich ergänzen und gut zusammenarbeiten. Das klingt zwar weniger provokativ, aber darauf kommt es an!

Zur Person

Regionalbischöfin Gisela Bornowski, Bild: © (c) Kirchenkreis Ansbach-Würzburg

Gisela Bornowski

Oberkirchenrätin Gisela Bornowski ist seit März 2014 Regionalbischöfin im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg. Zuvor war sie zwölf Jahre lang Dekanin in Bad Windsheim.


26.05.2014 / Gisela Bornowski
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