Das Amt in der ELKB

Nicht nur Pfarrer leiten die Gemeinde

Bibel und Smartphone

Im Landeskirchenamt vereint sich die Tradition mit der Neuzeit.

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Weder Weihe noch Person machen den Priester, sondern die Taufe, sagt Ökumenereferent Ivo Huber. Dass es trotzdem einer besonderen Berufung von Amtsträgern bedarf – darin sind sich die Kirchen einig.

Wenn von evangelischer Seite vom Amt gesprochen wird, dann wird sich der Blick sofort auf die Pfarrerin oder den Pfarrer richten. Martin Luther wäre von diesem Ergebnis zumindest ein wenig überrascht, denn seiner Ansicht nach können sich alle, die „aus der Taufe gekrochen (sind) … rühmen, … schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht“ zu sein. Dieser kraftvolle Satz, den Martin Luther 1520 in der Schrift an den christlichen Adel deutscher Nation zu Papier gebracht hatte, macht deutlich, wenn es in der Evangelisch-Lutherischen Kirche um das Amt geht, ist mehr gemeint als nur das Pfarramt. Zum einen gibt es neben Pfarrerinnen und Pfarrern, auch Diakone und Diakonninen, Prädikantinnen und Prädikanten, Religionspädagogen und Religionspädagoginnen und andere Berufsgruppen der Kirche.

Zum anderen – das macht Luther deutlich -, sind alle Christinnen und Christen „gleichmäßig Priester“, weil sie getauft sind. Zum Priester wird man nicht erst durch eine Weihe oder sonstige Berufung, sondern allein durch die Taufe. Christinen und Christen haben deswegen die Aufgabe das Evangelium dort, wo sie leben und arbeiten weiter zu geben und dafür zu sorgen, dass der Kurs der Kirche am Evangelium orientiert bleibt, weil alle am allgemeinen Priestertum aller Gläubigen teilhaben.

Auch wenn das auf den ersten Blick ziemlich antirömisch klingt und das Lutherzitat allein schon wegen seiner polemischen Zuspitzung kaum ökumenisch gedacht war, sind evangelische und katholische Christen in dieser grundlegenden Frage einer Meinung. Beide Konfessionen sind sich aber auch darin einig, dass es neben dem allgemeinen Priestertum den besonderen Dienst des von Gott eingesetzten Amtes für die öffentliche Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung gibt, zu dem Menschen in besonderer Weise berufen und eingesetzt werden.

Dieses besondere Amt ist an das Evangelium und dessen Verkündigung gebunden und denen vorbehalten, die dazu ordnungsgemäß berufen sind. Die Leitung der Gemeinden wird durch Pfarrer und gewählte und berufene Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher gemeinsam verantwortet. Ob man die Berufung zum besonderen Amt der Kirche nun Ordination bzw. Beauftragung (lutherisch) oder auf deutsch übersetzt Weihe (katholisch) nennt, macht im Grundsatz keinen Unterschied.

So sehr sich Lutheraner und Katholiken im Grundsätzlichen einig sind, so groß sind die Unterschiede im Detail. Das fängt bei der Leitung der Gemeinden und Kirche an, die auf lutherischer Seite als gemeinsame Aufgabe für Amtsträgern und allen anderen Mitgliedern in Kirchenvorständen und Synoden verstanden wird. Das setzt sich fort, in dem Verständnis dessen, was die Aufgabe der Bischöfe ist, und hört bei der Frage, ob Frauen zum Dienst der Pfarrerin berufen werden können, noch längst nicht auf.

Angesichts der Einigkeit im Grundsatz sind das keine unlösbaren Fragestellungen, wohl aber solche, das macht der kurze Abriss sehr deutlich, die das jeweilige Kirchenverständnis betreffen.

Zur Person

Ivo Huber, Bild: © ELKB / Poep

Ivo Huber

Kirchenrat Ivo Huber ist Referent für Ökumene in der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Zu seinem Arbeitsfeld zählen insbesondere theologische Grundsatzfragen, die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, den internationalen Kirchenbünden und der Römisch-Katholischen Kirche wie der interreligiöse Dialog.


26.05.2014 / Ivo Huber
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