Schulgottesdienste

Segen auf dem Stundenplan

Turnschuhe und Bibel

Zwei Welten treffen aufeinander - und verstehen sich prächtig!

Bild: iStockPhoto / Rich Legg

Schulgottesdienste sind an evangelischen Schulen nicht aus dem Alltag wegzudenken. Die Schüler schätzen die Andachten nicht nur als Insel der Ruhe an den typischen Feiertagen.

Schulgottesdienste dienen auch als Impulsgeber zur Linderung der schülereigenen Sorgen und Nöte. So wie zum Beispiel die Schülerin Shirin Kreße am A.B.v. Stettenschen Institut in Augsburg.

Sie hatte seit einer Woche nicht mehr mit ihr geredet. Sie war traurig darüber, denn es war eigentlich ihre beste Freundin. An diesem Septembermorgen des Jahres 2008 stand die damals 11-jährige Schülerin Shirin Jasmin Kreße mit gemischten Gefühlen in ihrer Schule, dem A.B. v. Stettenschen Institut in Augsburg. Zum neu beginnenden Schuljahr fand im Barbara-Saal der Lehranstalt gerade der obligatorische Schulgottesdienst satt, an dem sämtliche Schülerinnen des Mädchengymnasiums teilnahmen. Auch Shirin. Und auch ihre beste Freundin, die im Saal ein paar Reihen vor ihr stand.

„Ich werde es nie vergessen“, erinnert sich Shirin: „Das Thema des Schulgottesdienstes drehte sich genau um die Situation, in der meine Freundin und ich gerade waren: Es ging ums Lästern und um Missverständnisse und dass darüber Freundschaften zerbrechen - genau aus solchen Gründen hatten meine Freundin und ich seit einer Woche nicht mehr miteinander geredet.“ Shirin erinnert sich auch an das Ende des Gottesdienstes. Es wurde zu einem Neubeginn. Ihre beste Freundin kam plötzlich auf sie zu, die beiden trafen sich nach der Schule, wenig später hatten sie sich wieder vertragen.

Der Schulgottesdienst ist in der Regel fester Bestandteil an einer evangelischen Schule. Am A.B. v. Stettenschen Institut in Augsburg, einer evangelischen Einrichtung, die eine Realschule und ein Gymnasium beherbergt, feiern die Schülerinnen insgesamt vier Gottesdienste im Jahr: einen zu Beginn und einen zum Ende eines jeden Schuljahres und dazwischen an Weihnachten und Ostern.

„Die Schulgottesdienste“, unterstreicht Shirin, „könnte ich mir aus meinen Alltag gar nicht mehr wegdenken.“ Nicht nur durch die besagte Versöhnung vor fünf Jahren, die - da ist sich Shirin bis heute sicher - eine Folge des damals so einfühlsamen Schulgottesdienstes war. Sondern auch durch die Kreativität, die ein Schulgottesdienst erfordert: Seit vier Jahren ist Shirin in der Gottesdienst-Gruppe von Schulpfarrerin Uta Nicolai und gestaltet die Schulgottesdienste mit.

 

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Aus einem Schulgottesdienst zum Abschluss des Schuljahres am Gymnasium A.B. von Stetten

In seinem Beitrag berichtet der Journalist Rainer Zöller für den Augsburger Lokalsender RT1 von einem Schulgottesdienst zum Abschluss des Schuljahres am Augsburger Gymnasium A.B. von Stetten

Anregung zum Nachdenken über das Leben

„Mein Schwerpunkt liegt dabei auf Multimedia“, verrät Shirin, „für einen unserer letzten Gottesdienste zum Thema ,Haare‘ habe ich ein Video mit Mitschülern gedreht.“ Im Film ging es um Haare als Schönheitssymbol. Aber auch darum, sich nicht allzu sehr über Äußerlichkeiten zu definieren.

Schulpfarrerin Uta Nicolai, 42, findet die besinnlichen Feiern aber nicht nur wegen ihrer lebensnahen Themen wichtig. „Der Schulalltag hat sich absolut gewandelt im Vergleich zu früher. Es gibt heute nicht nur mehr Leistungsdruck als früher. Stress produziert auch die ständige Erreichbarkeit der Schüler etwa durch ein permanent eingeschaltetes iPhone, durch den verstärkten Medienkonsum der Mädchen, durch den sie ständig mit immer neuen Bildern überflutet werden. Es gibt kaum noch Phasen, in denen die Schüler sich mal langweilen, in denen sie mal einfach nichts tun. Haben Sie nichts zu tun, zücken sie sofort ihr Smartphone, gehen in ,WhatsApp‘ oder was auch immer.“

"Man bekommt einen Segen mit auf seinem Weg"

Einmal pro Woche trifft sich Pfarrerin Nicolai mit ihrer Schulgottesdienstgruppe im Barbara-Saal. Hier gibt es eine richtige Bühne und eine Lichtanlage ebenso wie einen Altar mit einem Kreuz aus Kupfer, das die Mädchen mithilfe eines Spenglers selbst gebastelt, graviert und bearbeitet haben. Im Moment sind rund zehn Schülerinnen in der Gruppe. „Für die Vorbereitung eines Gottesdienstes haben wir immer reichlich Vorlauf“, verrät Uta Nicolai, „jetzt, im Herbst 2013, bereiten wir zum Beispiel schon den Schulgottesdienst für Ostern 2014 vor.“

Schülerin Charlotte Oelrich ist auch in der Gottesdienst-Gruppe, im Barbara-Saal steuert sie häufig die Lichtanlage. Die 16-Jährige findet, dass in der heutigen Zeit „der Glaube kaum noch ernst genommen“ wird. „Durch die Schulgottesdienste“, ist Charlotte überzeugt, „erinnert man sich wieder daran und bekommt einen Segen mit auf seinen Weg.“

"Man geht mit mehr Hoffnung in das neue Schuljahr"

Auf dem sich die Schülerinnen gerne begleiten und leiten lassen, glaubt Pfarrerin Nicolai. „Kürzlich habe ich eine Umfrage mit meinen Mädchen gemacht. Darin habe ich sie gefragt, was sie an einem Schulgottesdienst schätzen. Die meisten haben die Antwort gegeben, dass er ihnen Anregungen zum Nachdenken über das Leben geben würde, Anstöße, eine Situation auch mal von einer anderen Perspektive zu betrachten.“

Oder in eine neue mit mehr Mut als vorher. Vor allem der Gottesdienst zu Beginn eines Schuljahres sei von hohem Wert, bekräftigt Shirin. „Man geht einfach mit mehr Hoffnung in das neue Jahr. Und man macht sich einmal ganz bewusst Gedanken: Wo in meinem Alltag ist Gott vorhanden? Wo kann er mir gerade helfen?“

Zum Beispiel beim Streit mit der besten Freundin.


28.11.2013 / Almut Steinecke