Für die Umwelt

Schöpfung bewahren

Die Evangelische Kirchengemeinde in Bubenreuth engagiert sich für einen achtsameren Umgang mit der Natur. Ein Film von Axel Mölkner-Kappl.

Kirchengemeinden sind Vorbild beim Thema erneuerbare Energie und für die Bewahrung der Schöpfung.

Zum Beispiel die Evangelische Kirchengemeinde in Bubenreuth im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt, wo die dortige Umweltbeauftragte Gabi Dirsch die Gemeindemitglieder "für einen Lebensstil begeistern" will, der "achtsam mit der Natur umgeht". Wie im obigen Video zu sehen ist, wird Umweltbewusstsein in Bubenreuth mit kleinen aber wirkungsvollen Schritten umgesetzt. Die Kinderkrippe in Bubenreuth etwa ist ein Aushängeschild für dieses Engagement: mit frisch gekochtem Essen oder einem Solardach, das Sonnenlicht einfängt und die Krippe mit Strom versorgt.

"Es kann uns nicht egal sein, in was für einer Welt die Kinder später mal leben", bekräftigt Michael Maier, Pfarrer der Kirchengemeinde. Die Bubenreuther gelten als "Kirchengemeinde mit umweltgerechtem Handeln", seit dem 7. Oktober 2011 zertifiziert mit dem die "Grünen Gockel" als Erkennungszeichen für kirchliches Umweltmanagement evangelischer Gemeinden in Bayern.

Das Bewusstsein muss noch weiter wachsen

Ein wichtiges Zertifikat, das jede Kirchengemeinde anstreben sollte. Denn eines Tages werden – unabhängig von der Diskussion um atomare Laufzeiten – die fossilen Ressourcen Öl, Kohle und Gas aufgebraucht sein. Jeder weiß das. Und doch muss das Bewusstsein dafür noch wachsen. Die evangelische Kirche wirkt in ihrer Funktion als Bewahrerin der Schöpfung hier maßgeblich mit. „Gerade werden rund 22.000 Watt erzeugt, und 29.724 Kilowattstunden sind es seit Bestehen der Anlage insgesamt!

Heiner Hochkirch erläutert die sich ständig aktualisierenden Zahlenfolgen auf der digitalen Schautafel am Hauptportal der evangelisch-lutherischen Dankeskirche in München-Milbertshofen. Es ist Ende Juli, um die 20 Grad, der Himmel wolkenverhangen. Wesentlich hat der umtriebige Kirchenpfleger, der auch dem Präsidium der Prodekanatssynode München-Nord angehört, dazu beigetragen, dass die hellblau schimmernde Photovoltaik-Anlage realisiert werden und im Dezember 2009 ihren Betrieb aufnehmen konnte.

"Bisher 20.306 kg CO2 eingespart"

Kalkuliert ist eine Gesamtleistung von 48.000 Kilowattstunden im Jahr (zum Vergleich: Ein Zweipersonenhaushalt benötigt jährlich zwischen 1.800 und 2.000 Kilowattstunden). „Wenn´s gut läuft, können wir das noch schaffen“, sagt Heiner Hochkirch, und die kleinen wachen Augen des agilen Mittsechzigers, der sich als selbstständiger Diplom-Betriebswirt erst in die Materie hatte einarbeiten müssen, wandern über das Zahlenwerk.

Zwar sei der Juli hinsichtlich der Stromgewinnung ein sehr guter Monat gewesen, doch hätte das vorherige Jahreswetter sich eher bescheiden ausgenommen. „Deshalb kann es sein, dass es knapp wird.“ Heiner Hochkirch deutet auf eine weitere Zahl: „Im Ganzen haben wir bisher 20.306 kg CO2 eingespart." Wie an einer Schnur aufgezogen reihen sich an der verkehrsruhigen Keferloherstraße die Ziegelsteinbauten von Kirche und Kindergarten, Diakonie und Pfarrhaus schließen sich an. Zu sehen
sind die Photovoltaik-Module auf den Dächern jedoch nur von der rückwärtigen Hof- und Gartenseite aus.

Ein Kraftakt

Die Planung und Errichtung der Photovoltaikanlage auf der Dankeskirche war ein Kraftakt. Am Anfang hatte zunächst der Entschluss des Kirchenvorstands gestanden, für den Kindergarten eine neue Heizungsanlage installieren zu wollen. Aber dann tauchte im Zuge der Überlegungen plötzlich der Gedanke an Photovoltaik als Mittel zur Stromerzeugung auf. Rasch stellte man die Heizungsentscheidung hintan: „Es braucht tatkräftige Leute, sonst geht das nicht“, betont Pfarrer Christian Weigl, ein kernig-kräftiger, entschlossen wirkender Mann Anfang vierzig. Noch innerhalb des Kalenderjahres sollte die Anlage in Betrieb gehen, um in den Genuss der für die nächsten zwanzig Jahre staatlich garantierten Einspeisevergütung von 43,01 Cent pro Kilowattstunde – ein deutlich höherer Satz als 2010 – zu kommen.

„Wir haben ein günstiges Darlehen von der Landeskirche bekommen. Den erzeugten Strom verkaufen wir an die Stadtwerke, von den Erlösen geht eine große Mehrheit zur Tilgung des Darlehens drauf, der Rest bleibt bei uns.“ Nach fünfzehn Jahren wird die knapp 200.000 Euro teure Anlage mit einer voraussichtlichen Lebensdauer von dreißig Jahren abbezahlt sein. Da die Gemeinde hier als Gewerbetreibende fungiert, floss sogar die Mehrwertsteuer wieder zurück. Den Break-Even-Point setzt Heiner Hochkirch derzeit bei zwölfeinhalb Jahren an: „Auf die zwanzig Jahre gesehen hoffe ich auf einen Überschuss von etwa 100.000 Euro.“ Danach ist eine eigene Einspeisung denkbar.

"Menschen vor Ort sind das größte Potential"

Unterstützt wurde das Solarprojekt Dankeskirche auch vom kirchlichen Umweltberater Hans Köhler, der innerhalb seines Dekanats Regensburg bereits Erfahrung mit dem Einsatz von Photovoltaik und anderen umweltschonenden Verfahren sammeln konnte: „Die Kirchengemeinde Simbach am Inn hat sich zum Heizen ihrer Räume an die Geothermie anschließen lassen, weil dort entsprechende Bohrungen durchgeführt wurden. Demgegenüber hat sich das evangelische Jugendhaus in Veitsweiler bei Dinkelsbühl für eine Hackschnitzelheizung entschieden.

Schon im ersten Jahr waren alle Beteiligten von den geringen Kosten begeistert. Bei einem anderen Jugendhaus in Oberfranken, das in einer ehemaligen Mühle eingerichtet wurde, kam es zur Reaktivierung eines ehemaligen Wasserkraftwerks.“ Dazu fällt ihm der Landwirt in Mittelfranken ein, der Energiepflanzen für den Heizungsbetrieb anbaut und die überschüssige Wärme der benachbarten Kirchengemeinde anbietet: „Grundsätzlich gibt es wahrscheinlich nur wenige Gemeinden, in denen sich nichts finden lässt, was man noch verbessern könnte. Das größte Potenzial sind natürlich die Menschen vor Ort, denen dies auch zunehmend zum Anliegen wird.“

"Da geht jetzt was los"!

Auch wenn Pfarrer Christian Weigl im Großen und Ganzen mit der Unterstützung von Hans Köhler und dem Umweltbeauftragten der ELKB, Wolfgang Schürger, sehr zufrieden ist, macht er Verbesserungspotenzial aus: „Die Gesamtausrichtung der ELKB, ökologisch sein zu wollen, ist gut. Aber noch hapert es an der Stelle, wo es auf die Gemeinden runtergebrochen wird. So gibt es etwa kein Handout, so dass wir selber recherchieren mussten.“ Gleichzeitig schätzt Christian Weigl den Impuls der ELKB, regenerative Energiekonzepte in den einzelnen Gemeinden umzusetzen:

„Ich bin sehr froh, dass das jetzt passiert. Wie bedroht unsere Erde ist, wissen wir alle seit der Friedensbewegung in den 80er Jahren. Diese Predigten ins Praktische umzubrechen, sei es mithilfe von Sondertöpfen der Landeskirche, sei es mit unserer eigenen Anlage: Da geht jetzt dramatisch was los!“

Eigenfinanzierung ist eine Möglichkeit zum Bau von Solarprojekten, eine andere zeigt die 2009 ins Leben gerufene Initiative „Schöpfung bewahren – Evangelischer Solarfonds GmbH & Co. KG“, ein Zusammenschluss der Evangelisch-Lutherischen Gesamtkirchengemeinde Fürth, die als Kommanditistin fungiert, und der Fürther infra new energy GmbH als persönlich haftende Gesellschafterin: Hier können Kirchengemeinden ihre Dachflächen für Solarmodule zur Verfügung stellen. Sie profitieren dabei von regelmäßigen Mietzinseinnahmen und erzielten Überschüssen des Fonds.

Handlungsanweisung zum Einsparen von Energie

Eine generelle Energiewende mit dem Ziel einer kontinuierlich verbesserten Umweltbilanz forderte die bayerische Landessynode auf ihrer Tagung im April 2010. Das soll mithilfe verschiedener finanzieller Anreizsysteme geschehen: Um energieoptimierte Immobiliensanierung zu fördern, stehen Kirchengemeinden jetzt doppelt so viele Mittel des Energiefonds zur Verfügung.

Darüber hinaus wurde das Umweltmanagementsystem „Grüner Gockel“ initiiert, eine konkrete Handlungsanweisung für Gemeinden zum Einsparen von Energie durch praktische Verhaltensregeln, die sämtliche Standards des europäischen Umwelt-Audit-Systems EMAS III. erfüllt. Am Ende des Einführungsprozesses steht eine Zertifizierung, die für vier Jahre gilt und danach erneuert werden muss.

„Alles auf einmal schaffen wir nicht“

Gemeinden, die sich für eine Solaranlage entscheiden, stellt Heiner Hochkirch gern seine gesammelten Kenntnisse und die detaillierte Dokumentation über den gesamten Entwicklungsprozess des Photovoltaik-Projekts der Dankeskirche zur Verfügung: „Die evangelisch-lutherische Gemeinde Unterschleißheim habe ich schon beraten können, die gehören zu unserem Bereich und haben innerhalb von vier Monaten ihre Anlage aufs Dach bekommen! Ich sehe diese Dokumentation als Weg, anderen zu helfen, so etwas
in kurzer Zeit zu bewerkstelligen. Weil jetzt alle Schritte vorgezeichnet sind.“

Für 2011 plant Heiner Hochkirch bereits eine neue Heizungsanlage für die Dankeskirche, betrieben mithilfe erneuerbarer Energien: „Wir im Kirchenvorstand haben die Reihenfolge so festgelegt: Photovoltaik, Heizung, Einführung des ‚Grünen Gockels´, alles auf einmal schaffen wir nicht.“


03.07.2014 / ELKB
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