Diakonisches Lernen

Anderen begegnen, anders lernen

Die Diakonie in Bayern ermöglicht gemeinsam mit vielen Projektpartnern an mehr als 150 verschiedenen Orten Schülern und Schülerinnen praktische Erfahrungen in S

„Soziales Lernen kann man nicht an die Tafel malen!“ – Wie Lehrkräfte an diakonischen Lernorten zur Wertebildung ihrer Schüler und Schülerinnen beitragen. 

„Ich finde, ein Praktikum bei a.a.a. (Arbeitskreis für ausländische Arbeitnehmer) lohnt sich. Ich habe neue Freunde gefunden. Dort lernt man auch mit verschüchterten Kindern, die aus anderen Ländern kommen umzugehen, mit ihnen zu lernen, ihnen zu helfen“, so Lena, eine der Schülerinnen von Michaela Klingbeil. Michaela Klingbeil unterrichtet Evangelische Religion an der Montessori Schule in Regensburg. Sie und die Schülerinnen und Schüler der evangelischen Religionsgruppe der Klassen 7-9 haben im Schuljahr 2014-2015 den ganz großen Wurf gewagt. Für ein halbes Jahr verlegten sie den Religionsunterricht fast ausschließlich an außerschulische Lernorte.

Einer dieser Orte war die Hausaufgabenhilfe des Arbeitskreises für ausländische Arbeitnehmer. Lena erinnert sich: „Die Kinder kamen hauptsächlich aus Afrika, Asien, Rumänien, Russland. Oft hatten sie keine Lust, Hausaufgabe zu machen und nörgelten herum. Ich musste sie dazu motivieren, weiter zu machen. Da einige Kinder noch nicht so gut Deutsch können, verstanden sie mich teilweise nicht. Ich musste sehr langsam und deutlich sprechen, damit sie sich mit mir verständigen konnten. Manche fragte ich Gedichte ab, die sie auswendig lernen mussten. Durch die Arbeit mit den Kindern bin ich geduldiger geworden.“ Andere Lernorte waren z. B. die ökumenische Bahnhofsmission, Seniorenheime oder das Johann-Hinrich-Wichern Haus, ein sozialtherapeutisches Wohnheim für psychisch kranke Menschen der Diakonie Regensburg.

Zitat

Soziales Lernen kann man nicht an die Tafel malen. Soziales Lernen muss ich spüren und dazu muss ich einen Menschen treffen. Deshalb erzeuge ich als Lehrkraft Begegnungen zwischen Schülern und anderen Menschen. Es geht ums Ausprobieren und deshalb dürfen die Schüler auch Fehler machen. 

Religionspädagogin Jenny Graumann

Diakonisches Lernen folgt einer einfachen Grundidee: Schüler und Schülerinnen wollen erleben, dass sie nützlich sind und gebraucht werden. Auf diese Weise weiten sie ihren Blick. "Sie entdecken ganz natürlich, im Handeln, den Wert des Sozialen und gewinnen Zugang zu biblisch-christlichen Grundlagen sowie Anliegen und Formen von Diakonie", unterstreicht Pfarrer Martin Dorner, Projektleiter der Initiative Diakonisches Lernen. "Diakonisches Lernen ist erlebnis- und wissensorientierte soziale Bildung in christlicher Perspektive", so Dorner.

Informationen zum Thema Diakonisches Lernen

Diakonisches Lernen

Die Initiative Diakonisches Lernen in Bayern ist in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Bayern, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der Universität Regensburg, der Gymnasialpädagogischen Materialstelle Erlangen, dem Religionspädagogischem Zentrum Heilsbronn und der Evangelischen Schulstiftung in Bayern im Jahr 2010 entstanden. An den mehr als 150 diakonischen Lernorten der bayernweiten Initiative sind unkomplizierte Begegnungen mit der „Welt der Diakonie“ möglich. www.diakonisches-lernen.de

Emotionen und Begegnungen spielen beim sozialen Lernen eine entscheidende Rolle: Eine Grundschulklasse kocht zum Beispiel gemeinsam mit Ehrenamtlichen aus einer Kirchengemeinde bei einem diakonischen Aktionstag ein Menü für einsame Menschen und für Menschen in Armut im Stadtteil. Der zehnjährige Daniele äußert sich darauf ganz begeistert: „… wenn man´s mal durch hat, dann hat man´s im Herzen … und ich empfehl´s halt, egal wem! Einfach mitmachen.“

Martin Dorner: "Wir geben Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, unkompliziert an außerschulischen Lernorten aktiv zu werden. Dort begegnen ihnen Mitmenschen, die Diakonie brauchen oder die diakonisch tätig sind." An jedem Lernort gibt es einen kompetenten Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin (zum Beispiel Sozialpädagoginnen) für Lehrkräfte und Schüler. Gemeinsam mit dem Ansprechpartner klärt die Lehrkraft im Vorfeld, ob an eine einmalige Aktion, an eine wiederkehrende Begegnung, ein Praktikum oder an ein P-Seminar gedacht ist. Jeder Lernort präsentiert auf der Plattform der Initiative seine spezifischen Begegnungs- und Lernmöglichkeiten. Fotos und kurze Texte zeigen, wie es vor Ort aussieht, wofür die Energie der Schüler konkret gebraucht wird und welche Bedingungen zu beachten sind.

Das Verständnis von „Diakonie“ beschränke sich dabei nicht auf die Institution. „Diakonie“ stehe für eine große und vielfältige Welt, die mit den elementaren Aspekten des Menschseins zu tun hat. Dazu zählen Aspekte wie zum Beispiel Verletzlichkeit, Leiblichkeit, Feier, Gemeinschaft, Wertschätzung, Gerechtigkeit, für andere sprechen und Nachbarschaft.

 

Anderen begegnen, anders lernen - Beispiele

Schultüten für jeden Erstklässler

Schultüten,© (c) Dorner

 Anja Stadelmann unterrichtet Evangelische Religion an der Staatlichen Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung in Ansbach. Seit mehreren Jahren geht sie den Themenbereich Diakonie, Nächstenliebe, soziales und ehrenamtliches Engagement mit ihren Berufsschülerinnen und Schülern zuerst auf eine sehr praktische Art und Weise an.
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P-Seminar mit psychisch kranken Menschen in Regensburg

Abiturienten des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums in Regensburg ,© (c) Helfrich

Das Johann-Hinrich-Wichern Haus des Diakonischen Werkes Regensburg ist ein Wohnheim für psychisch kranke Menschen. Im vergangenen Jahr ging der diakonische Lernort eine Kooperation mit dem Albrecht-Altdorfer-Gymnasium in Regensburg ein. Ein erstes P-Seminar mit Abiturienten und Abiturienten ist soeben erfolgreich zu Ende gegangen.
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„Bingo!“ Landshuter Konfis beim diakonischen Lernen

Landshuter Modell  der „Mehrgenerationen-Olympiade“, hier beim Bingo,© (c) Felix Reuter

 Wenn es zu echten Begegnungen kommt, bei denen Konfirmandinnen und Konfirmanden aktiv werden dürfen und die Erlebnisse im Konfirmanden- unterricht inhaltlich weiter bearbeitet werden, dann passen diakonisches Lernen und Konfirmandenarbeit sehr gut zusammen.
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Neue soziale Profilklasse in der Laurentius Realschule Neuendettelsau

Bezzelheim der Diakonie Neuendettelsau,© (c) Dorner

Die regelmäßigen Begegnungen von 7 Schülerinnen und Schülern der Laurentius Realschulemit Bewohnern des Seniorenheimes kommen gut an. So gut, dass die Rektorin Heike Geßner gemeinsam mit Sabine Holstem, der Pflegedienstleitung des Bezzelheims der Diakonie Neuendettelsau, ein soziales Profilfach für Schülerinnen und Schülern der fünften Klasse anbeiten wird.
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"Oldies but Goldies"

Projekt Diakonisches Lernen in der Mittelschule Schütt,© Jürgen Holzenleuchter

Starke Bilder dokumentieren die unkomplizierte Begegnung zwischen Schülern der Nürnberger Mittelschule Insel Schütt und Bewohnern des Rummelsberger Stifts St. Lorenz. Die Bilder entstanden an einem Sommernachmittag im „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne" am Pegnitzufer in Nürnberg.Ein Beitrag vom Münchner Kameramann und Fotograf Alexander Keller.
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Schüler werden mit psychisch kranken Menschen kreativ, helfen Kindern oder Flüchtlingen im Jugendalter bei schulischen Aufgaben. Mittelschülerinnen beteiligen sich an wiederkehrenden Begegnungen mit Senioren. Ein Religions- und Deutschlehrer an einem Gymnasium führt ein Sozialpraktikum für die Schüler der 10. Jahrgangsstufe ein. Schüler kochen in einer Kirchengemeinde für Bedürftige. Schülerinnen und Schüler verschiedener Schularten engagieren sich im Rahmen des Unterrichtes an Lernorten diakonischer Träger oder in diakonisch aktiven Kirchengemeinden. An 150 Orten in Bayern lernen Schüler von und mit Menschen, die die Diakonie brauchen oder die diakonisch handeln. 

Jugendliche stehen im Kreis und halten einander an der Hand,© © iStockPhoto / Juri Pozzi

Bild: © iStockPhoto / Juri Pozzi

"Was das für einen selber auch bedeutet": Schüler erzählen

Durch praktische Erfahrungen fürs Leben lernen


30.09.2015 / Martin Dorner/ELKB