Die Gemeindekindertagesstätte

"…und dann ist St. Martin vorbeigeritten"

Kinder in einem evangelischen Kindergarten

Insgesamt besuchen 70.000 Kinder in Bayern einen evangelischen Kindergarten.

Bild: ELKB / Katharina Wörn

Einen behutsamen Umgang miteinander und einen spielerischen Zugang zum Glauben erfahren Kinder in den mehr als 1.200 evangelischen Kitas in Bayern. So auch in Eichenau.

Hier liegt das Kinderhaus direkt bei der Kirche. Wenn der dritte Gongschlag erklingt, dann müssen alle achtzehn Dinos im Morgenkreis sitzen. Erzieherin Gudrun Preinesberger tauscht Gong gegen Gitarre und schon wird munter zum Guten-Morgen-Lied getanzt. Im evangelischen Kinderhaus der Friedenskirche in Eichenau (Landkreis Fürstenfeldbruck) beginnt der Tag mit den Morgenkreisen in den einzelnen Gruppen: Es wird gesungen, getanzt, eine Geschichte erzählt – aber auch einfach über Erlebnisse vom Vortag gesprochen oder gemeinsam überlegt, wer heute aus der Gruppe fehlt und warum. In der Dinogruppe wird heute ein Gleichnis Jesu erzählt – die Kinder lauschen mit gespitzten Ohren und recken gespannt die Hälse, als Gudrun Preinesberger die dazugehörigen Bilder herumzeigt. „Ich habe einen Traumjob“, sagt Gudrun Preinesberger, die seit über 25 Jahren im Kinderhaus der Friedenskirche arbeitet. „Ich gebe den Kindern etwas mit, habe das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun. Und bekomme ganz viel von den Kindern und Eltern zurück.“

Regine, Mutter von Daniel (6)

Regine, Mutter von Daniel (6),© ELKB / Katharina Wörn

„Uns ist wichtig, dass unsere Kinder nicht nur von uns, sondern auch von anderer Seite Glauben mitbekommen, zum Beispiel durch das Erzählen von biblischen Geschichten. Außerdem finden die Kinder und Familien in unserem Kindergarten ganz natürlich den Anschluss an die Kirche“

Kathrin, Mutter von Elise (4)

Kathrin, Mutter von Elise, 4,© Privat

„Wir haben fünf Kinder und alle haben den evangelischen Kindergarten besucht. Ich erwarte vom Kindergarten keine christliche Erziehung, aber schon eine Richtung. So wird zum Beispiel hier besonders Wert gelegt auf das Feiern der christlichen Feste und auf gute soziale Kontakte.“

Dorothee, Mutter von Xeno (5)

Dorothee, Mutter von Xeno (5),© ELKB / Katharina Wörn

„Unser Kindergarten ist ein wunderschönes Haus. Hier dürfen die Kinder noch Kinder sein. Sie werden gefordert, aber nicht überfordert und die Projekte sind alle sehr kindgerecht.“

Bettina, Mutter von Tom (6)

Bettina, Mutter von Tom (6),© ELKB / Katharina Wörn

„Ich war selbst im evangelischen Kindergarten und wollte, dass auch Tom so den Glauben, das Beten und Andachtsfeiern kennen lernt. Der Pfarrer ist bei uns ein ganz selbstverständlicher Teil des Kindergartens.“

Dejan, Vater von Mia (5)

Dejan, Vater von Mia (5),© ELKB / Katharina Wörn

"Unser großer Sohn hat sich hier sehr wohlgefühlt, deshalb geht nun auch Mia in den evangelischen Kindergarten. Die Freundlichkeit der Erzieherinnen, die Nähe zwischen Einrichtung und Eltern – was gibt es Besseres?!"

Eine familiäre Atmosphäre

Das enge Zusammenspiel von Eltern, Kindern und Erziehern ist dem Kinderhaus ein besonderes Anliegen, die Atmosphäre ist familiär, der Umgang miteinander vertraut – dabei betreut hier ein Team von 15 Erzieherinnen sechs Gruppen mit insgesamt 111 Kindern. „Viele der Familien kenne ich seit Jahren“, erzählt die Leiterin des Kinderhauses Andrea Rilling, „da waren die Geschwister schon hier, die Eltern engagieren sich im Elternbeirat oder Förderverein oder sind hier in der Gemeinde aktiv. Viele der Erzieherinnen arbeiten seit Jahren oder Jahrzehnten hier. Überhaupt sind wir hier so etwas wie eine große Familie.“ Auch Christoph Böhlau, Pfarrer der Friedenskirche, lobt das Miteinander von Eltern, Erziehern und Gemeinde. „Wir leben hier Schulter an Schulter, ganz von Anfang an“, berichtet Böhlau. Der Pfarrer besucht einmal die Woche die verschiedenen Gruppen des Kinderhauses, hält dort eine Andacht oder erzählt biblische Geschichten. Außerdem wird zu den großen Festen, zum Jahresende und zum Schulanfang Gottesdienst in der Kirche gefeiert. „So ist die Kirche für viele Kinder ganz selbstverständlich ein Teil ihres Lebensraums geworden“, erzählt Böhlau. „Viele Kinder gehen mit ihren Eltern nachmittags auch noch in der Kirche vorbei und zünden zum Beispiel eine Kerze an.“

Eine selbstverständliche Nähe

Es ist diese selbstverständliche Nähe von Kindergarten und Kirche und das spielerische Kennenlernen von Tradition und Glauben, das viele Eltern zum evangelischen Kindergarten bringt. „Ich erwarte vom Kindergarten keine christliche Erziehung, aber schon eine bestimmte Richtung“, sagt Karin, deren jüngstes von fünf Kindern gerade das Kinderhaus besucht. „Mir gefällt, dass hier nicht nur Halloween und Fasching, sondern auch die großen christlichen Feste gefeiert werden. Und dass viel Wert auf soziale Kontakte gelegt wird.“ Aber Kirchennähe ist kein Muss! Nur ein Drittel der Kinder im Kinderhaus sind evangelisch. Die besondere Atmosphäre des Kindergartens spricht auch viele Eltern an, die nicht kirchlich geprägt sind. Insgesamt besuchen 70.000 Kinder in Bayern einen evangelischen Kindergarten.

Träger der über 1200 Einrichtungen sind die Kirchengemeinden oder andere Träger unter dem Dach des Evangelischen Kitaverbandes Bayern. Evangelische Kindergärten legen besonderen Wert auf die Persönlichkeitsbildung der Kinder sowie die Entwicklung von ethischen, religiösen, sozialen und kommunikativen Kompetenzen. Die Kinder sollen Orientierung und Hilfestellung für das soziale Miteinander und die Bewältigung von Konflikten bekommen – und dabei ermutigt werden zu Offenheit und Neugier für die großen Fragen des Lebens!

Am Spätvormittag ist bei den Dinos freies Spielen angesagt: es wird geklebt, gemalt, gebastelt. Stolz präsentieren die Kinder ihre Kunstwerke des letzten Jahres. „Das war im Herbst“, sagt Jannis (5) und deutet auf ein Bild mit Pferd, „da ist der St. Martin hier lang geritten. Auf einem Schimmel.“ „Ganz in echt!“ fügt Kiki (4) nickend hinzu.


11.07.2014 / Katharina Wörn
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