Der Besuchsdienst in der Gemeinde

Wenn die Kirche nach Hause kommt...

Eine junge Frau besucht eine alte Dame

Für beide Seiten eine Bereicherung: der Besuchsdienst der Gemeinde.

Bild: iStockPhoto / ebstock

Ehrenamtliche Besuchsdienste sind ein zentraler Bestandteil vieler Gemeinden - und bereichern Besuchende wie Besuchte gleichermaßen.

Als ihr Vater in Norddeutschland verstirbt, empfindet Angelika Beddig-Jaeger, die im oberpfälzischen Weiden lebt, das Bedürfnis, auch in ihrer Region Zeit mit älteren Menschen zu verbringen. Sie tritt dem ehrenamtlichen Besuchsdienst ihrer Gemeinde, der St. Michaelskirche in Weiden, bei. "Ich habe einfach gemerkt, dass ich gern ältere Menschen besuchen, mit ihnen sprechen und von ihnen erfahren würde“, erzählt sie.

Der Besuchsdienst besteht aus vier Leuten; sie ist mit 55 Jahren die jüngste Mitarbeiterin.
Sie besuchen meist älterer Gemeindemitglieder - ab 70 Jahren im Fünfjahresrhythmus, ab dem 75. Geburtstag jährlich. "Immer wieder erlebe ich da Situationen, in denen einfach gute Gespräche zustande kommen“, erzählt Angelika Beddig-Jaeger. Und oft ergibt sich auch mehr: "Eine Dame zum Beispiel habe ich jahrelang an Heilig Abend vormittags besucht. Unsere Gespräche haben mich immer sehr berührt."

„Man lernt die eigene Gemeinde kennen“

Der Besuchsdienst bietet aber nicht nur die Möglichkeit zu guten Gesprächen - er ist oft auch der erste Kontakt der Besuchten mit der Kirche seit langem. "Man lernt hier eigentlich erst richtig die eigene Gemeinde kennen“, meint Katrin Sieghard, die seit einem Jahr im Besuchsdienst der Versöhnungskirche Straubing tätig ist. "Ich treffe durch meine Besuche die Leute, die ich nicht aus dem Gottesdienst am Sonntag kenne. Und rufe bei ihnen manchmal die Kirche wieder ins Gedächtnis." Die besuchten Geburtstagskinder reagieren meist mit Erstaunen und Entgegenkommen: "Die meisten sind sehr offen; manche bedanken sich und bitten mich herein. Dass jemand völlig unwirsch reagiert, das passiert wirklich nur ganz selten“, erzählt Katrin Sieghard.

Eine sinnvolle Aufgabe

Die Besuchsdienste stellen einen wichtigen Bestandteil gemeindlicher Arbeit dar - meist organisiert von einem Kreis engagierter Ehrenamtlicher. Besucht werden die Geburtstagskinder, aber auch Menschen, die alt, allein oder krank sind. Manche Besuchsdienste, wie beispielsweise der Seniorenbesuchsdienst der Kirchengemeinde St. Ulrich in Augsburg, setzen hier bewusst einen Schwerpunkt - auch für ihre Mitarbeiter. "Nachdem ich beruflich mit Kindern gearbeitet hatte, wollte ich in der Rente gern mit alten Menschen zu tun haben - und habe außerdem nach einer sinnvollen Aufgabe gesucht“, erzählt Frau Spadin, die sich seit mehreren Jahren im Seniorenbesuchsdienst engagiert.

Einmal die Woche besucht sie eine alte Dame in einem der Altenheime im Gemeindesprengel, immer am selben Tag und zur selben Zeit. "Die Dame freut sich immer sehr auf meinen Besuch“, erzählt Frau Spadin. "Oft sagt sie Dinge wie 'Mein Tag ist jetzt gerettet' - das beflügelt mich natürlich." Geredet wird dann über den Alltag oder Urlaubspläne, aber auch ganz aktuelle Themen wie die Nachrichten.

Professionelle Begleitung

Einmal im Monat trifft sich Frau Spadin mit den anderen sieben Ehrenamtlichen und Diakonin Irmgard Blank, die den Seniorenbesuchsdienst betreut. Dann wird über die Erfahrungen des vergangenen Monats gesprochen, über Herausforderungen im Besuchsdienst oder aber auch rechtliche Grundlagen. "Da gibt es schon einige Dinge zu beachten“, sagt Irmgard Blank. "Wie schiebe ich einen Rollstuhl? Wie gehe ich mit Demenz um? Wo verlaufen die Grenzen zwischen Besuchsdienst und Pflege?" Aber auch die gemeinsame Spiritualität wird in den Blick genommen. "Wir vom Besuchsdienst feiern Andachten zusammen, machen eine Bibelarbeit oder organisieren eine Adventsfeier - gute Beziehungen sind uns wichtig."

Ob der Seniorenbesuchsdienst, das Gespräch an Heilig Abend oder der wiederkehrende Geburtstagsbesuch - gemeindliche Besuchsdienste bieten vielfältige Möglichkeiten sich zu engagieren - und Leute kennenzulernen. "Durch meine Arbeit im Berufsdienst habe ich viele Biographien kennengelernt - ganz oft auch Vorbilder für gelingendes Leben“, so Katrin Sieghard aus Straubing. "Und das ist nicht nur sehr anregend fürs eigene Denken, sondern macht auch einfach Spaß."


13.08.2014 / Katharina Wörn