Zum Tag der Arbeit

Arbeit und Wirtschaft ein Maß geben

Arbeiter legt Platten

Arbeit bedeutet für alle sehr viel, aber nicht dasselbe. Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt unterschiedlich schwer.

Bild: Feulner

Am Tag der Arbeit 2015 hat  sich der kirchliche Dienst in der Arbeitswelt an zahlreichen Veranstaltungen in Nürnberg, München, Augsburg, Ansbach, Selb, Neuburg und Schweinfurt beteiligt.

Arbeit hat Hand und Fuß. Menschen geben der Arbeit ein Gesicht – ihr Gesicht. Sie legen in der Art ihrer Berufsausübung ihre Persönlichkeit hinein, ihre Erfahrung in jedem Fall und manchmal auch ihre Leidenschaft. Erklärbar wird dies, weil es tatsächlich ein urtümliches Grundbedürfnis des Menschen gibt, zu arbeiten und einen Drang, seinen Lebensraum zu gestalten.

„Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. „ (1. Mose 2,15) Leider ist dadurch auch dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet, sich dieses Bedürfnis zunutze zu machen. Wer - wie wir - Menschen an ihren Arbeitsplätzen besucht, sieht, wie sie sich Mühe geben und ernsthaft arbeiten, der spricht nicht mehr so einfach abstrakt vom „Arbeitsmarkt“.

Faktor Beziehungsqualität

Jeder möchte seiner Arbeit auf die ihm entsprechende Weise nachkommen. Dafür braucht es ganz offensichtlich einen Freiraum, in dem ein Berufstätiger sich entfalten kann. Ebenfalls durchgängig erhalten wir die Auskunft: Arbeit wird zu guter Arbeit durch Zusammenarbeit. Im Alltag wird es einem selten bewusst, wie sehr man darauf angewiesen ist, dass andere ihre Pflicht tun. Wenn ich am Samstag für meine Familie einkaufe, dann halte ich das Ergebnis einer Produktionskette in
meinen Händen, bei der sehr viele Menschen mit Hand angelegt haben.

Zitat

Arbeit bedeutet für alle sehr viel, aber nicht dasselbe. Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt unterschiedlich schwer. Wenn in den Medien vom Wirtschaftsfaktor Arbeit die Rede ist, dann sehen wir beim kda die Menschen.

Johannes Rehm, Leiter Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (kda)

Immer wieder werden wir auf die Bedeutsamkeit eines Klimas von Kollegialität für die Arbeitszufriedenheit hingewiesen. Gut arbeiten kann man auf Dauer nicht allein. Wer oder was ist mein Kollege? Ein Kollege ist etwas anderes als ein Verwandter, ein Freund oder ein Nachbar. Aber die menschliche Qualität der Beziehung ist keine geringere. Bei meiner Arbeit bin ich darauf angewiesen, dass vor mir mein Kollege seinen „Job“ gemacht hat und neben mir auf meine Kollegin Verlass ist. Arbeitsverhältnisse sind wechselseitige Abhängigkeitsverhältnisse in mehrerlei Hinsicht. Sie sind dann gut, wenn niemand ausgenutzt wird. Die Welt der Arbeit ist unvermeidlich eine Welt der - auch harten - lnteressengegensätze. Das war schon in biblischen Zeiten so.

Ordentliche Arbeitsbedingungen mussten vielfach von Anfang an erstritten und immer wieder auch erstreikt werden. Die Bibel bezeugt einen Gott, der bei Arbeitskonflikten auf der Seite der Schwachen steht: „Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten sehr wohl bemerkt. Ich habe gehört, wie sie vor ihren Peinigern aufschreien. Ich kenne ihre Schmerzen.“ (2. Mose 3, 7) Bei unseren Betriebsbesuchen spüren wir die Wechselwirkung, dass Menschen die Arbeit prägen, die sie tun, und dass umgekehrt die Arbeit die Menschen prägt. Alle wünschen sich eine richtig gute Arbeit, was häufig und immer wieder die Freiheit und die Möglichkeit beinhaltet, für andere und mit anderen zu arbeiten. Mit dieser Einstellung wird Arbeit zum Dienst.

Aber immer wird die Doppelgesichtigkeit von Arbeit sichtbar: Sie ist immer auch Mühe und Plage. Arbeit verbraucht Zeit und verschleißt Kräfte. Und manche Arbeit ist ein Knochenjob. Keinem Arbeitsleben scheint die Erfahrung von der Vergeblichkeit von Arbeit erspart zu bleiben. Schlechte Erfahrungen bei der Arbeit gehen einem auch nach Arbeitsschluss noch nach. Niemand weiß im Vorhinein, wie lange er den Anforderungen des Arbeitslebens standhalten kann. Und irgendwann muss dann auch einmal Ruhe sein von der Arbeit.

Was hilft Menschen in der Arbeitswelt nun ihr Glaube? Es ist beeindruckend, wenn jemand seinem Glauben Ausdruck verleiht, dass er sich von Gott an einen bestimmten Ort gesetzt und mit einer bestimmten Aufgabe betraut fühlt. Immer wieder wird von Erfahrungen berichtet, dass sich unser Arbeitsleben im biblischen Wort auf überraschende Weise spiegelt. Bestimmte Glaubenserfahrungen, von denen die Bibel berichtet, können anscheinend auch in der modernen Arbeitswelt gemacht werden. Ora et labora – bete und arbeite. Diese mittelalterliche Mönchsregel wird nicht nur in Klöstern praktiziert, sondern auch von Arbeitnehmern für hilfreich gehalten. Ungefragt berichten viele Arbeitnehmende, dass sie vor Beginn ihrer Arbeit und nach Abschluss ihres Arbeitstags für die Menschen beten, mit denen sie zusammenarbeiten. Sie scheinen damit gute Erfahrungen zu machen.

Der kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda) - Arbeitsschwerpunkte

Veranstaltungen am 1. Mai 2015

DGB-Veranstaltung zum 1. Mai 2014 Nürnberg,© Feulner

Der kda beteiligt sich an Veranstaltungen des Deutschen Gewerkschaftsbunds und unterstützt dessen Motto »Die Zukunft der Arbeit gestalten wir!«

• Nürnberg, Info-Stand auf dem Kornmarkt
• München, Info-Stand
• Ansbach, Redebeitrag
• Augsburg, Ökumenischer Impuls der Dekane und Teilnahme an Demonstration
• Selb, Sozialpolitischer Gottesdienst und Info-Stand
• Schweinfurt, Gottesdienst und Teilnahme an DGB-Kundgebung
• Geroldsgrün, Redebeitrag
• Neuburg a. d. Donau, Gottesdienst und Info-Stand
• Saalfeld/Thüringen, Redebeitrag

Aufruf zum 1. Mai 2015

Menschen im Betrieb

Schweißer bei der Arbeit,© Feulner

Die Betriebsarbeit findet bei den Menschen am Ort ihrer Arbeit statt und ist Grundlage für die Arbeit des kda als Facheinrichtung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für Arbeit, Wirtschaft und Soziales. Geleistet wir die Betriebsarbeit von Sozialsekretärinnen und Sozialsekretären, wissenschaftlichen Referentinnen und Referenten sowie Theologen und Diakoninnen und Diakonen.

Informationen zur Betriebsarbeit vor Ort

1 + 1 – Mit Arbeitslosen teilen

Landesbischof beim Jubiläum der Aktion 1+1 2014 in Nürnberg.,© Feulner

"1+1 - Mit Arbeitslosen teilen" wurde im Herbst 1993 durch die bayerische Landessynode auf den Weg gebracht. Ziel war unter anderem mit dieser Aktion „ein Zeichen für neue Beschäftigung zu setzen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.“ Seitdem werden Spenden erbracht von Einzel- und Dauerspendenden, Gemeinden und Vereinen, durch Feste und Aktionen. Diese Spenden werden durch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern verdoppelt und nahezu vollständig für die Schaffung von Arbeitsplätzen für langzeitarbeitslose Menschen und von Ausbildungsplätzen für Jugendliche mit Vermittlungshemmnissen eingesetzt.

Informationen zur Aktion 1+1

 

Allianz für den freien Sonntag

Aushöhlung des Sonntagsschutzes durch Ladenöffnung am Sonntag,© Feulner

Der Sonntag wird von Christen als Tag der Auferstehung Jesu gefeiert. Zugleich ist der Sonntag der erste Tag der Woche. Bereits im 4. Jahrhundert nach Christus hat sich die Feier des Sonntags durchgesetzt. Zwar ist die Sonntagsruhe gesetzlich geschützt, doch ist er als arbeitsfreier Tag zunehmend gefährdet - wie hier in der Nürnberger City.

Infos zur Sonntagsallianz

 

Mindestlohn

Mann mit Plakat ,© Feulner

Seit einem Jahrzehnt haben sich die christlichen Kirchen, ihre Facheinrichtungen für Arbeit, Wirtschaft und Soziales und ihre Arbeitnehmerorganisationen mit anderen Sozialverbänden und den DGB-Gewerkschaften hartnäckig für einen gesetzlichen Mindestlohn eingesetzt. Dies hat nun Früchte getragen. Anfang April 2014 hat die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf zum Mindestlohn (Mindestlohngesetz MiLoG) auf den Weg gebracht Ab Januar 2015 erhalten Arbeitnehmende flächendeckend in Deutschland mindestens 8,50 Euro brutto pro Stunde.

Zur Position

Frauen + Arbeit

Mädchen streicht eine Wand,© © iStockPhoto / zilli

Der kda geht von der strukturellen Benachteiligung von Frauen im Erwerbsleben aus. Deshalb hat er einen eigenen frauenspezifischen Ansatz, der die gerechte Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit und gesellschaftlicher Arbeit zwischen Männern und Frauen zum Ziel hat.“ (Leitlinien des kda 2008)
Erwachsenenbildnerinnen, Referentinnen, Autorinnen und Fachberaterinnen geben dazu Impulse für die kirchliche Arbeit mit Erwerbstätigen – insbesondere mit Frauen.

Weitere Infos zu Frauen + Arbeit

Kirchlicher Dienst im Gastgewerbe

Kursangebot-für-zukünftige-Ausbilderinnen-und-Ausbilder-im-Hotel--und-Gastgewerbe,© Feulner
Der Kirchliche Dienst im Gastgewerbe kümmert sich um Menschen, die in der Hotellerie und Gastronomie arbeiten. In der Gastronomie gelten eigene Arbeitszeitregelungen. Wenn andere feiern, müssen Menschen im Gastgewerbe arbeiten - vom gesellschaftlichen und kirchlichen Leben sind sie deshalb oft ausgeschlossen. Der kirchliche Dienst bietet Seelsorge und Begleitung für alle, die im Hotel- und Gastgewerbe tätig sind.

Weitere Infos zum Kirchlichen Dienst im Gastgewerbe

Kirche + Handwerk

Landesbischof backt mit Konfis Brote,© Feulner

Verbindungen zwischen den Organisationen des Handwerks und der Kirche werden in Arbeitskreisen, Tagungen, Studienfahrten sowie bei Festveranstaltungen geschaffen. Die Mitarbeitenden veranstalten regelmäßig Handwerkergottesdienste und Andachten, nehmen Einweihungen vor und leisten Seelsorge, Beratung und Begleitung vor Ort. Bekannt ist auch die „Gott-sei-Dank-Aktion“ des Bayerischen Bäckerhandwerks rund um Erntedank.

Weitere Informationen zu Kirche + Handwerk

Daueraufgabe Lohngerechtigkeit

Nicht zu vergessen ist stets die aktuelle Frage eines gerechten Lohns. Warum wird händische und manuelle Arbeit schlechter bezahlt als Schreibtischarbeit oder Arbeit am Computer? Trotz aller Geräte sind immer noch und immer wieder geschickte Hände erforderlich, die kräftig zupacken können. Sollte uns dies nicht etwas wert sein?

Warum ist die Entlohnung von sozialer Arbeit oft so unzureichend? Bei der Lohnfrage geht es wesentlich um den Lebensunterhalt, aber ebenso auch um Anerkennung und Wertschätzung. Längst nicht überall werden die tariflich vereinbarten Löhne auch gezahlt. Immer wieder werden Löhne und damit arbeitende Menschen gedrückt. Für diesen leider nicht seltenen Fall gilt doch Jeremia 22,13: „Weh dem, der sein Haus mit Sünden baut und seine Gemächer mit Unrecht, der seinen Nächsten umsonst arbeiten lässt und gibt ihm seinen Lohn nicht.“

Arbeit und Ruhe sind in einem Atemzug zu nennen. Arbeit bedarf der Unterbrechung. „Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligst, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat.“ (5. Mose 5, 12-14) Menschengerecht arbeiten bedeutet im christlichen Sinn, dass von der Arbeitsleistung der Wert eines Menschen nicht abhängt. Selbsterlösung durch Arbeit ist ausgeschlossen! ln dieser Haltung kann man sich zuversichtlich auf seinen Arbeitsweg machen und ihn am Ende eines Arbeitstags vertrauensvoll abschließen.

Buchempfehlung

Cover des Buches Johannes Rehm (Autor), Annekathrin Preidel (Vorwort), Wolfgang Noack (Fotograf): Arbeitswege

Johannes Rehm (Autor), Annekathrin Preidel (Vorwort), Wolfgang Noack (Fotograf)

Arbeitswege

Der Fotograf Wolfgang Noack und der Pfarrer Johannes Rehm, Leiter des Kirchlichen Diensts in der Arbeits­welt, machen sich auf den Weg zu Menschen an ihrem Arbeitsplatz. In Bildern und Texten porträtieren sie zwölf Menschen bei der Ausübung ih­res Berufs.

ISBN 3872145509

Bestellinformation:

Erlanger Verlag für Mission und Ökumene (10. September 2014), 116 Seiten, kartoniert, 15 Euro – Be­stellung unter www.kda-bayern.de oder telefonisch bei Vera Altmann unter (0911) 43 100-222


27.04.2015 / Dr. Johannes Rehm
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