Zeitgenössische Kunst

„Gott und die Welt“

GOTT UND DIE WELT Juliane Schölß, ZwischenRaum, Installation, Pappmodelle, 2015 (Johanniskirche ). Foto Annette Kradisch

Die Installation ZwischenRaum von Juliane Schölß wird bei der Triennale in der Johanniskirche in Schweinfurt zu sehen sein.

Bild: Anette Kradisch

Auf nach Schweinfurt: Noch bis zum 13. März können Kunstinteressierte die Triennale III besuchen. Kurator Helmut Braun, Kunstreferent der Landeskirche, stellt die Gruppenausstellung vor.

Eine Ausstellung über „Gott und die Welt“ ist eine Herausforderung ganz besonderer Art. Wörtlich genommen bedeutet es, eine Ausstellung über Alles oder Nichts zu machen. Folglich gab es erste Gedankenspiele, die große Halle der Schweinfurter Kunsthalle leer zu lassen, nichts zu zeigen. Oder alles. Aber was ist nichts? Und was ist alles? Gibt es alles oder nichts? Mir gefiel die Polarisierung der Begriffe. Aber nicht die Pole schienen interessant, sondern all das, was dazwischen ist. Um bei den Begriffen zu bleiben: Das UND zwischen den Begriffen Gott und Welt zog mich an: Den Punkt zu finden, der eine gewisse Verbindung, Durchdringung oder Ausgeglichenheit zwischen diesen Begriffen darstellt.

Vom 30. Oktober 2015 bis 13. März 2016 findet nun die Triennale Schweinfurt zum dritten Male statt. Sie gibt 19 Künstlerinnen und Künstlern, die durch Geburt, Leben oder Werk mit Franken verbunden sind, Gelegenheit zur Präsentation ihrer Arbeiten. Die Ausstellung will mit ihrem Titel eine Finissage zum Themenjahr 2015 „Bild und Bibel“ der Reformationsdekade sein und überleiten zum Thema „Gott und die eine Welt“ für das Jahr 2016.

Zitat

Leben ist grundsätzlich und in einer Vielzahl von Momenten von einer Kraft, Energie oder Qualität durchdrungen, die ganz unterschiedlich erfahren wird und die individuell als göttlich bezeichnet werden kann. So gesehen ist Göttliches immer Moment der Welt.

Helmut Braun, Kunstreferent und Kurator der Triennale III

„Gott und die Welt“ ist eine Gruppenausstellung, in der ein Querschnitt qualitätvoller Kunst aus dem fränkischen Raum und die Vielfalt künstlerischen Schaffens quer durch die Kunstgattungen aufgezeigt werden soll. Dem inhaltlichen Fokus folgend wird der Leitfrage nachgegangen, wie sich Gott und die Welt möglicherweise berühren, verbinden und durchdringen. Leben ist in einer Vielzahl von Momenten von einer Kraft, Energie oder Qualität durchdrungen, die ganz unterschiedlich erfahren wird und die individuell als göttlich bezeichnet werden kann. So gesehen ist Göttliches immer Moment der Welt. Dem in künstlerischen Ausdrucksformen nachzuspüren, ist Anliegen der Ausstellung.

Nachdenken über das Faszinosum allen Seins ist ständiges Reflektieren über das Woher-Wer-Wohin. Hier fällt auf, dass es derzeit in den Natur- und Geisteswissenschaften eine Flut von aktuellen Experimenten, Forschungsergebnissen und Annäherungen von unterschiedlichsten Positionen an diese traditionell theologischen Fragen gibt.

Mehr zum Thema

Gerade zu diesem Thema bieten sich die Ausdehnung der Ausstellung und die Einbeziehung der evangelischen Johanniskirche als Kooperationspartner und die katholische Heilig-Geist-Kirche – mit kleinen Interventionen - als weitere Ausstellungsorte an. Die Orte sollen im künstlerischen Austausch und Wechselspiel stehen und formal sowie inhaltlich verklammert sein. Dieser Herausforderung haben sich Künstler wie Felix Boekamp, Malika Eilers, Renate Nagy und Meide Büdel gestellt und zeigen Arbeiten in der Kunsthalle und in der Johanniskirche, zum Teil auch in der Heilig-Geist-Kirche. Ebenso wie Werner Knaupp, der ältere Arbeiten (Figur/Hüllen 1984 vor dem Altar der Johanniskirche) mit neuen Werkgruppen (Blumen 2014, in der Kunsthalle) in spannender Weise verbindet und eine wichtige konzeptionelle Achse der Triennale darstellt.

Bei der Auswahl der Arbeiten standen grundsätzlich künstlerische Qualität und die zum Inhalt kongruente Formfindung im Mittelpunkt. Freilich sind die gezeigten Arbeiten sind zum Teil bereits bestehende Kunstwerke. Im Dialog mit den Künstlerinnen und Künstlern wurden die Objekte nach ihrem künstlerischen Gehalt ausgewählt. In gleicher Weise sind aber auch viele neue, experimentelle und speziell für die Ausstellung entworfene Arbeiten entstanden, die erstmalig einer Öffentlichkeit präsentiert werden. Dabei sind die wesentlichen Kunstgattungen wie Zeichnung, Malerei, Bildhauerei, Foto- und Videokunst und Klanginstallationen im Blick. Eine begehbare Konstruktion – eine Arche Noah unserer Zeit – haben die Künstler Böhler & Orendt eigens für die Triennale entworfen und in wochenlanger Arbeit in die Halle gestellt. Sie bricht die Strenge der Halle und steht für den prozessualen Charakter der Ausstellung. Experimentierfreude und Innovation stehen im Vordergrund, um – wie es im Vorwort der Triennale I bereits 2009 formuliert war – „eine hochaktuelle Momentaufnahme der Kunst“ unter einer ebenso aktuellen und existenziellen Fragestellung zu präsentieren.

 

GOTT UND DIE WELT

GOTT UND DIE WELT Malika Eilers, Pappobjekt, 2014.,© Annette Kradisch

Malika Eilers

Pappobjekt, 2014

GOTT UND DIE WELT

GOTT UND DIE WELT Hubertus Hess, Wunderkammer, Installation, 2015,© Annette Kradisch

Hubertus Hess

Wunderkammer, Installation, 2015

GOTT UND DIE WELT

GOTT UND DIE WELT Meide Buedel, Große Schwebe, Stahl, 2007. ,© Annette Kradisch

Meide Buedel

Große Schwebe, Stahl, 2007

GOTT UND DIE WELT

GOTT UND DIE WELT Matthias Stroeckel, Substance and Form, Waage 2015. Und sie dreht sich doch, Video 2013,© Annette Kradisch

Matthias Ströckel

Substance and Form, Waage 2015. Und sie dreht sich doch, Video 2013

GOTT UND DIE WELT

GOTT UND DIE WELT Bernd Rummert, Schutzraum, Installation, 2001,© Annette Kradisch

Bernd Rummert

Schutzraum, Installation, 2001

Die für das Thema zur Verfügung stehende Halle soll bewusst als erlebbarer Denk- und Wahrnehmungsraum für künstlerische Versuchsanordnungen gestaltet sein. Dabei wurde auf eine räumliche Gliederung und Ordnung künstlerischer Positionen in einzelne Nischen, etwa durch das Einziehen von Zwischenwänden verzichtet. Dies wäre einer Zerstückelung des Gesamtzusammenhanges gleichgekommen. Momente einer Durchdringung von Gott und Welt künstlerisch zu fassen, sind von einer nicht abzuschätzenden Unverfügbarkeit geprägt. So sind die assoziative Setzung der Objekte und der experimentelle Charakter der Schau ihr grundsätzliches Konzept. Einige Arbeiten werden sich erst im Laufe der Ausstellung entwickeln und immer wieder verändern. Hier darf man vor allem auf die Arbeit von Gerhard Mayer gespannt sein - eine Wandzeichnung, die über die gesamte Dauer der Ausstellung entstehen wird.

Die Szenographie an allen Ausstellungsorten, jedoch besonders in der Kunsthalle mit ihrem Vorplatz, dem Eingangsbereich, der großen Halle sowie den anschließenden Video-Räumen, wurde dem Thema entsprechend entwickelt. So gibt es eine Klanginstallation von Vroni Hammerl unter den Arkaden der Kunsthalle, oder einen für Interaktionen offenen Ort der Begegnung vor der Kunsthalle – der UND-Raum von Stefan Lautner. Auch dies ist als Versuch zu werten, die Darstellung der Breite und Komplexität des Themas entsprechend entstehen zu lassen. So gehen viele Künstler auf die örtlichen Gegebenheiten ein. Beispielsweise auf die enorme Höhe der Halle, wie Böhler & Orendt, Meide Büdel, Bernd Rummert und Carlos Cortizo. Andere bilden dem Thema entsprechend eine Eingangs- und Ausgangsschleuse – so die beeindruckende Eingangsinstallation von Hubertus Hess oder die Videoarbeit von Margarethe Kollmer am Ende der Ausstellung.

Informationen zum Thema Triennale

Triennale III

Ausstellung vom 30.10.2015 - 13.03.2016

Kunsthalle Schweinfurt
im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad
Rüfferstraße 4
97421 Schweinfurt
E-Mail: info@kunsthalle-schweinfurt.de

Öffnungszeiten

Täglich: 10.00 – 17.00 Uhr
Donnerstag 10.00 – 21.00 Uhr
Montags geschlossen.
Jeder 1. Donnerstag im Monat freier Eintritt.

 

„Gott und die Welt“: Es ist ein Thema, das zu einem offenen Diskurs herausfordert. Künstlerische Haltungen werden dazu Stellung nehmen und Fragen aufwerfen. Insofern ist eine Ausstellung zu erwarten, die rätselhaft, zauberhaft und voller Phantasie sein will. Dies mag auch durch ganz feine, fragile und leise Arbeiten mancher Künstler wie Kirill Schröder, Malika Eilers, Jasmin Schmidt oder Matthias Ströckel zum Ausdruck kommen. Bei allem theologischen und philosophischen Hintergrund will die Triennale das Leben sinnlich, spielerisch und mit Leidenschaft deuten. In den Kunstwerken oder den künstlerischen Ideen soll einer verdichteten Sinnlichkeit Raum gegeben werden. Dabei geht es um eine Versinnlichung der Zwischenräume und um ein sinnliches Sichtbarmachen des Dazwischen. Kunst und Kultur haben die Fähigkeit unterschiedlichste soziale, ethnische, religiöse und gesellschaftliche Haltungen zu verbinden – wie Florian Tuercke in seinen ungewöhnlichen Videoarbeiten dies andeuten mag.

Ein Blick in die Ausstellungsorte der Triennale, die beiden Kirchen, einige ausgewählte Orte in der Stadt, der Platz vor der Kunsthalle, die große Ausstellungshalle in der Schweinfurter Kunsthalle und ihre Anräume, zeigt eine erstaunliche Vielfalt an Farben, Formen, Materialien und atmosphärischen Anmutungen. Die Konstellation der verschiedenen Arbeiten lebt von Rhythmus und Unterbrechung, Detail und Fläche, Aktion und Stille, Freiraum und Konzentration. Sie will „Gott und die Welt assoziativ“ verbinden. Nicht nur die einzelnen Werke, auch ihre Anordnung, ihre Entfaltung und ihre Zusammenführung zu einem Ganzen sind ein Versuch über „Gott und die Welt“.

Am 13. März endet um 17 Uhr mit einer Finissage in der Schweinfurter Kunsthalle die dritte "Triennale Franken". Bei der Finissage werden der Träger des Jury- und des Besucherpreises bekanntgegeben.

Zur Person

Helmut Braun, Kunstreferent der ELKB, Bild: © (c) ELKB

Helmut Braun

Helmut Braun ist Vorsitzender des Arbeitskreises Kirche und Kunst der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB). Der Arbeitskreis ist u.a. zuständig für die Verleihung des Kunstpreises der Landeskirche und wirkt mit bei der Ausrichtung des Kunstempfangs des Landesbischofs.

02.03.2016 / ELKB/Helmut Braun