Spiritualität - Tipps für Einsteiger

Wie fang ich's an?

Ein Kompass

In welche Richtung es gehen soll in Sachen Spiritualität, entscheidet jeder für sich selbst.

Bild: Photocase / kallejipp

Ich würde ja gern bewusster leben, aber wie? Ich würde ja gern Gott begegnen, aber wo? Manchen Menschen fällt der Start schwer. Hier ein paar Tipps für den Anfang.

Aller Anfang ist schwer – das gilt auch für Meditation und Spiritualität. Dabei sieht es so leicht aus. „Ich dachte, ich setze mich einfach mal hin und nehme mir bewusst ein paar Minuten Zeit“, berichtet Eva Ferber von ihrem ersten Versuch. „Doch dann kamen die Gedanken: ‚Was tust Du hier eigentlich? Was willst Du jetzt machen? Hast Du den Herd abgedreht?‘

Dann ist mir eingefallen, dass ich noch dringend zur Post musste, und kam mir noch ein großartiger Einfall für meine Arbeit.“ Nur unter größter Selbstbeherrschung gelang es der 38-Jährigen, sitzen zu bleiben. „Das war eine echte Herausforderung für mich. Ich war richtig erleichtert, als meine Jüngste von der Schule heimkam.“

Folgende Ratschläge mögen den Anfang erleichtern.

Mit einem Anfangspunkt beginnen

Viele Orte – Klöster, manche Kirchengemeinden und die beiden spirituellen Zentren in Bayern – bieten Einführungskurse in die Meditation. Niederschwellig erfährt man dort Wissenswertes über Hintergründe und kann unter Anleitung mit Formen christlicher Meditation vertraut werden.

Den Atem spüren

Ohne dass wir etwas dazu tun, atmen wir. Tag und Nacht. Diesem Atem zu folgen, ihn kommen und gehen zu lassen und vielleicht in Gedanken ein Wort zu wiederholen: „Ich in dir – du in mir“ oder „Jesus Christus“ – das ist ein einfaches, ganz grundlegendes Element der Meditation.

Sich selbst Struktur geben

Ein fester Ort und eine feste Zeit –vor dem Frühstück oder kurz vor dem Schlafengehen, helfen, bei der Stange zu bleiben. Mit zunehmender Gewöhnung wird dieser Zeitpunkt zum festen, lieb gewordenen Termin im Tagesablauf.

Sich nicht überfordern

Also: Nicht gleich eine Dreiviertelstunde einplanen, sondern zehn Minuten. Lieber mehrmals am Tag innehalten. Nicht gleich die absolute Stille erwarten. Wenn es ein paar Tage gar nicht geht, gnädig mit sich selbst sein, aber beharrlich wieder anfangen.

Leerzeiten suchen

Wenn die Zeit knapp ist - jeder Ort kann Raum für eine spirituelle Erfahrung, jede Zeit mit Meditation gefüllte Zeit werden. Auch in „Leerzeiten“, beim Abwaschen oder an der Haltestelle, kann ein Gebet gesprochen, dem Atem gelauscht werden.

Sich begleiten lassen

Warum trete ich auf der Stelle? Warum spüre ich so wenig? Was hat diese Erfahrung zu bedeuten? Gerade zu Beginn stellen sich viele Fragen. In einer Meditationsgruppe (beispielsweise bei den Exerzitien im Alltag) können solche Fragen besprochen werden. Außerdem ist es gut zu erfahren, dass andere vor ähnlichen Schwierigkeiten stehen. Individuelle Unterstützung bieten geistliche Begleiterinnen und Begleiter, die über längeren Zeitraum in Einzelgesprächen dabei helfen, den eigenen geistlichen Weg zu finden und zu gehen.

Üben, üben, üben…

Nicht zu unrecht heißt Spiritualität auch „geistliche Übung“. Wie ein Instrument oder Sport braucht sie Pflege, manchmal einen langen Atem und keine Angst vor Rückschlägen. Wie ein Kind, das beim Laufenlernen immer wieder hinfällt, bis es dann frei und auf eigenen Füßen gehen kann.

Nicht von ungefähr vergleichen Meister der Meditation die Seele mit der Oberfläche eines Teiches. Die vom Alltag bewegten Wasser müssen sich erst glätten, damit der Mensch sich darin erkennen kann. Ein mühevolles, aber lohnendes Geschäft.

Denn wer mit Geduld und Nachsicht mit sich selbst bei der Stange bleibt, der wird, so Andreas Ebert, Beauftragter der Landeskirche für Meditation und Geistliche Übung für Südbayern, an einen Punkt kommen, an dem er nicht mehr ohne solche Zeiten der Sammlung sein möchte.

Dennoch: „Man sollte damit nur anfangen, wenn man in sich die Sehnsucht nach einer tieferen Begegnung mit Gott spürt“, betont Ebert. „Alle anderen Motive sind zweitrangig“.


24.03.2014 / Anne Lüters