Der Posaunenchor

Musizieren zu Gottes Ehre

Jeder darf mitmachen beim Posaunenchor.

Ein spannendes Mittel zur musikalischen Verkündigung christlicher Botschaften ist die Posaunenchormusik.

Posaunenchöre sind aus der Kirchenmusik nicht wegzudenken, ganz gleich ob als Choral oder als Begleitung – diese Gattung blickt auf eine lange Historie zurück und ist gleichzeitig immer aktuell geblieben.

„Posaunenchöre gab es erstmals im 18. Jahrhundert bei den Herrnhutern, die sie vor allem zur Begleitung des Gemeindegesanges genutzt haben“, weiß Anne Höfflin, Landesposaunenwartin beim Verband Evangelischer Posaunenchöre in Bayern (VEP). Einen großen Aufschwung der Posaunenchorarbeit gab es im 19. Jahrhundert im Minden-Ravensberger Land. Der älteste bayerische Posaunenchor in Neuendettelsau besteht seit beinahe 150 Jahren.

Zitat

Posaunenchöre können nahezu immer und überall zum Einsatz kommen."

Anne Höfflin, Landesposaunenwartin, Nürnberg

Dabei darf man sich von dem Wort „Posaune“ in der Begriffsbezeichnung nicht irritieren lassen. Die Mitglieder eines solchen Chores spielen auch alle anderen Blechblasinstrumente wie zum Beispiel Trompete oder Horn oder Tuba. Charakteristisch für kirchliche Posaunenchöre ist ihr geistlicher Auftrag, „zum Lobe Gottes“ zu musizieren – oder wie es in der Bibel im Psalm 150 heißt: „lobet ihn mit Posaunen“.

„Ebenso typisch für Posaunenchöre ist es, dass grundsätzlich jeder mitmachen darf. Dabei gibt es aber durchaus einen Qualitätsanspruch, nämlich dass jeder sich so gut einbringt wie er eben kann, damit jeweils das Ergebnis erzielt werden kann, das für den jeweiligen Chor das bestmögliche ist. Und noch ein typisches Merkmal: Unter den Bläsern gibt es eine besondere Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig in vielen Lebenslagen unterstützt und Halt gibt. So finden Bläserinnen und Bläser zum Beispiel nach dem Umzug in eine fremde Stadt sofort Anschluss und eine Heimat im neuen Posaunenchor.“

"Freude und Trost, Zuversicht und Geborgenheit"

Kirchenmusik, auf einem Blechblasinstrument gespielt, kann Menschen überall erreichen - in einer Kirche, einer Bahnhofshalle, einem Krankenhaus, einem Altersheim, in der Fußgängerzone -und mit den schönen warmen Klängen zeitgleich christliche Botschaften ins Ohr spielen, sagt Höfflin. „Denn das Kernfach dieser Gattung ist die Choralmusik; bei ihrem Klang kommen den Menschen ganz automatisch die zugehörigen biblischen Textstellen in den Kopf. Und wer Bibel- und Gesangbuchtexte nicht kennt, spürt doch, worum es geht: Freude und Trost, Zuversicht und Geborgenheit.“ So berührt die Musik ihre Zuhörer umso intensiver.

„Eines der schönsten Merkmale der Posaunenchöre ist, dass sie nahezu immer und überall zum Einsatz kommen können. Hier wie in der Gemeinde gilt aber auch: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...“ Und das müssen nicht Bläserinnen und Bläser aus ein und demselben Chor sein. Auf Kirchentagen oder im Urlaub, bei spontanen Ständchen und in für besondere Veranstaltungen kurzfristig zusammengewürfelten Gruppen ist ein gemeinsames Musizieren zu Gottes Ehre möglich.“

Posaune,© iStockPhoto / PLAINVIEW

Bild: iStockPhoto / PLAINVIEW

Medley von "Gloria Brass", der Bläsergruppe des Bayerischen Posaunenchorverbandes.

Alle Stücke des Medleys stammen von der CD zum "Bläserheft 2014" und wurden von diesem Ensemble eingespielt.

"Das überwältigt mich immer wieder von Neuem"

Wie gut das tut, kann Christian Siegling nur bestätigen. Der 50-jährige Beamte aus Fürth spielt Trompete im Posaunenchor Cadolzburg, einem Markt mit etwas über 10.000 Einwohnern rund 30 Kilometer von Nürnberg und zwölf Kilometer von Fürth entfernt.

Erst seit 2005 ist Siegling im Chor, obwohl er bereits mit zwölf Jahren mit dem Trompetenspiel begonnen hatte. Was nicht einfach für ihn war.

„Seit meiner Geburt leide ich unter einer Sehnerv-Verstümmelung; um etwas aus der Nähe zu sehen, brauche ich eine Lupe, um etwas aus der Ferne zu sehen, muss ich ein Fernglas zur Hand nehmen.“

Schwierigkeiten bereitete ihm deshalb das Abspielen vom Notenblatt, das mehr als eine Armlänge von einem Trompetenspieler entfernt ist. „Weil es damals keine Brille gab, die meine Sehbehinderung hätte ausgleichen oder auffangen können, spielte ich viele Melodien aus dem Gedächtnis.“

Irgendwann wollte er gerne die erste Stimme in seinem Chor spielen, doch dem damaligen Chorleiter war das Risiko, die erste Stimme allein auswendig zu lernen, zu groß. So gab Siegling das Trompetenspiel nach wenigen Jahren wieder auf.

"Papa, was spielst eigentlich du?"

Es war seine Tochter Anna, die ihm den entscheidenden Schubs gab, wieder zum Instrument zu greifen. Nachdem Siegling sie im Alter von sechs Jahren ermunterte, ein Instrument zu lernen, stimmte Anna zu, fragte jedoch: „Papa, was spielst eigentlich du?“

Da besann sich Siegling wieder auf seine geliebte Trompete. Er schilderte einem Brillenhersteller seine Probleme und bekam von diesem ein Spezialmodell produziert, das wie eine Brille mit einem aufgesetzten Opernglas funktioniert und es ihm ermöglichte, Noten zu lesen – und in besagten Cadolzburger Posaunenchor einzutreten.

Eine echte Bereicherung, die Siegling nie wieder missen will. „Das Abspielen vom Blatt ist zwar immer noch eine Herausforderung für mich, und ich muss mir jede Note erarbeiten“, sagt er, „aber das ist die Mühe wert. Die Klangfülle in solch einem Posaunenchor, die vielen Harmonien und Disharmonien, die Macht der Musik, die so eine innere Freude bewirkt, die so tief und gut ins Herz geht und im Bauch vibriert, und das alles in einer Gemeinschaft, in der ich mich so wohl fühle – das alles überwältigt mich immer wieder von Neuem.“


28.01.2014 / Almut Steinecke
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