Konfirmation

Loslassen und Ankommen

Mädchen auf einer Wiese

Loslassen und Ankommen: Die Zeit der Konfirmation ist eine glückliche Zeit - nicht nur für die Jugendlichen

Bild: iStockPhoto / Christopher Futcher

14-Jährige sind cool, kratzbürstig und sehr liebebedürftig, eben in der Pubertät. In diese Zeit des Suchens fällt die Konfirmation – ein großes Fest, nicht nur für die Jugendlichen.

Soll ich mich zur Konfirmation anmelden oder nicht? Jahr für Jahr stellen sich zahlreiche evangelische Jugendliche in Bayern diese Frage. Begleitet von den Erwartungen der Familie und den gut gemeinten Ratschlägen der Freunde ist es gar nicht so leicht, die Entscheidung zu fällen. Denn Konfirmation bedeutet auch: ein Jahr zusätzliche Verpflichtungen, manchen Verzicht und - meistens – sehr viel Spaß.

"Ja zum Glauben und zur Kirche sagen"

„Als Mutter finde ich es natürlich schön, wenn meine Kinder sich in so einer entscheidenden Lebensphase dazu entschließen, Ja zum Glauben, zu Gott und zur Kirche zu sagen“, meint Katrin Horn aus Scheidegg, einem Markt im schwäbischen Landkreis Lindau am Bodensee. Dennoch hat die vierfache Mutter ihren Kindern die Entscheidung frei gestellt. „Ich hatte mir von jeher vorgenommen, meinen Kindern ganz offen die Frage zu stellen, ob sie das wirklich wollen. Und ich habe ihnen verdeutlicht, dass ich es besser finde, wenn sie ehrlich zugeben, dass sie nichts damit anfangen können.“

FAQs von Eltern

Wo melde ich mein Kind zum Unterricht an?

Die meisten Kirchengemeinden veröffentlichen im Gemeindebrief, teilweise auch per Rundbrief die Daten zur Anmeldung. In der Regel geschieht die Anmeldung während eines Elternabends. Dabei erfahren Sie dann auch weitere Einzelheiten zum Ablauf des Konfirmationsunterrichtes (Dauer, Termine usw.)

Was lernt mein Kind im Konfirmationsunterricht?

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sollen, ganz allgemein gesagt, vertraut werden mit dem kirchlichen Leben in Gottesdienst und Alltag, besonders aber mit der biblischen Botschaft. Sie sollen erfahren, was es bedeutet, getauft zu sein und an Jesus Christus zu glauben.

Kostet der Unterricht etwas?

Der Unterricht selbst ist kostenfrei. Für die Beschaffung von Unterrichtsmaterialien fallen in der Regel kleinere Beträge an. Dazu kommen Kosten für Freizeiten. Aber aus finanziellen Gründen soll die Teilnahme an der Konfirmandengruppe nicht scheitern.

Über welchen Zeitraum findet der Unterricht statt?

Der Konfirmationsunterricht ist nicht einheitlich geregelt. Wann man sich trifft, wie oft und wie lang, kann von Gemeinde zu Gemeinde sehr verschieden sein. Erkundigen Sie sich in Ihrer Kirchengemeinde nach dem genauen Ablauf.

Wie oft muss mein Kind während der Zeit des Konfirmationsunterrichtes den Gottesdienst besuchen?

Als Christ oder Christin gehört man zu einer Gemeinde: zur christlichen Gemeinschaft. Und eine wichtige Veranstaltung dieser Gemeinschaft ist der wöchentliche Gottesdienst. Ihn kennen zu lernen, gehört deshalb zum Christsein dazu. Wie oft der Gottesdienst während der Zeit als Konfirmandin/Konfirmand besucht werden soll oder muss, legt allerdings jede Gemeinde anders fest. Erkundigen Sie sich in Ihrer Kirchengemeinde nach den genauen "Regeln".

Welche Rechte erhält man durch die Konfirmation?

Mit der Konfirmation wird unter anderem das Recht zugesprochen, in allen evangelischen Gemeinden am Abendmahl teilzunehmen und Pate zu werden. In der bayerischen Landeskirche können Konfirmierte bereits mit 14 Jahren den Kirchenvorstand mitwählen.

Dürfen wir während des Gottesdienstes fotografieren oder filmen?

Das wird in jeder Gemeinde unterschiedlich gehandhabt. Wenn es erlaubt ist, wird meist darum gebeten, dass eine Person das Filmen oder Fotografieren übernimmt, um unnötige Unruhe zu vermeiden. Wenn das Fotografieren während des Gottesdienstes nicht erlaubt ist, besteht oft die Möglichkeit, nach dem Gottesdienst noch Bilder (etwa zusammen mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin) zu machen.

Endet das Patenamt mit der Konfirmation?

Offiziell enden die Aufgaben der Paten mit der Konfirmation, weil der oder die Jugendliche dann religionsmündig ist. Aber es ist natürlich schön, wenn der Kontakt zwischen Paten/Patin und Patenkind ein Leben lang bestehen bleibt.

Ist eine Konfirmation auch als Erwachsener möglich?

Für die Konfirmation gibt es keine Altersbegrenzung. Voraussetzung ist, dass Sie getauft sind. Als Vorbereitung auf die Konfirmation, wo Sie im Gottesdienst zusammen mit der versammelten Gemeinde gemeinsam den christlichen Glauben öffentlich bekennen, ist eine kirchliche Unterweisung nötig. Wie diese im Einzelnen aussieht, erfragen Sie bitte bei Ihrer Kirchengemeinde.

Nun freut sie sich umso mehr darüber, dass ihre Kinder sich konfirmieren lassen wollen. Ihr 14-jähriger Sohn ist gerade erst im vergangenen Jahr konfirmiert worden, der zweite Sohn im Alter von 12 Jahren wird nächstes Jahr konfirmiert.

Nicht nur das Fest, auch die Vorbereitungszeit ist der Mutter wichtig. „Am Konfirmandenunterricht schätze ich, dass die Jugendlichen außerhalb von Schule und Elternhaus in schulartgemischten Gruppen miteinander ins Gespräch kommen. Ich wünsche, dass sie altersgemäße Impulse zu Glaube und Spiritualität erhalten und auf ihrem Lebensweg ein Stück Land gewinnen.“

Liebenswert sein, auch ohne etwas zu leisten

Mit Zielen wie diesen stimmt Herbert Kolb, Referent für Konfirmandenarbeit am Religionspädagogischen Zentrum Heilsbronn, überein. „Die Konfirmation hat ihren Ursprung in der Taufe“, erklärt er. „Im Neuen Testament ist neben der Taufe mit Wasser auch von der Geisttaufe die Rede. Damit ist gemeint, dass der Mensch die Botschaft Gottes verinnerlicht. Er erkennt, dass er auch ohne etwas zu leisten und unabhängig von seinem Äußeren ein liebenswerter Mensch ist und lässt sein Leben davon bestimmen.“ Genau das geschehe in der Konfirmation.

FAQs von Jugendlichen

Was muss ich (auswendig) lernen?

Einen einheitlichen Lernplan gibt es nicht. Aber die grundsätzlichen Themen des Unterrichts ähneln sich. Vermutlich alle Konfi-Kurse beschäftigen sich mit der Bibel, mit der christlichen Gemeinde, mit Taufe und Abendmahl. Vaterunser, Glaubensbekenntnis, die 10 Gebote, Psalm 23, die Einsetzungsworte zum Abendmahl und der so genannte Taufbefehl sind in den meisten Gemeinden Lernstoff, das heißt: Bis zur Konfirmation sollte man sie kennen und auswendig können. In manchen Gemeinden kommen auch noch weitere Psalmen und Lieder dazu.

Gibt es Konfirmations-Prüfungen?

Früher gab es am Ende des Konfi-Unterrichtes eine richtige Prüfung. Die meisten Gemeinden verzichten heute darauf. Stattdessen findet in vielen Gemeinden ein "Vorstellungsgottesdienst" statt (siehe unten). Das ist ein Gottesdienst, in dem die Konfirmandinnen und Konfirmanden etwas von dem erzählen und darstellen, was sie gelernt haben und was sie beschäftigt.

Muss ich während meiner Konfi-Zeit zum Gottesdienst gehen?

Als Christ oder Christin gehört man zu einer Gemeinde: zur christlichen Gemeinschaft. Und eine wichtige Veranstaltung dieser Gemeinschaft ist der wöchentliche Gottesdienst. Ihn kennen zu lernen, gehört deshalb zum Christ sein dazu – und nicht nur für Konfis! Klar: Wer noch nicht so oft dort war, für den ist so ein Gottesdienst mit seinen Liedern und Gebeten vielleicht etwas fremd. Das ist aber völlig normal: Wer zum ersten Mal ein Fußballspiel sieht, wird die Regeln auch nicht auf Anhieb kapieren. Am besten ist es, einfach ein paar Mal hintereinander konsequent zur Kirche zu gehen. Denn wer sich in die Lieder und die Liturgie eingehört hat, wird sich im Gottesdienst auch nicht mehr so fremd fühlen.

Was ist ein Vorstellungsgottesdienst?

Das Wort Vorstellungsgottesdienst wird für zwei ganz verschiedene Gottesdienste gebraucht: Einmal kann damit der Gottesdienst zu Beginn des Konfirmationskurses gemeint sein, in dem die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Gemeinde vorgestellt werden. Seht her: Das sind die Neuen! Es kann aber auch ein Gottesdienst gegen Ende der Konfi-Zeit gemeint sein, in dem die Konfirmandinnen und Konfirmanden die Ergebnisse ihres Konfi-Unterrichts vorstellen und darüber reden, was sie glauben und was sie beschäftigt.

Was ist der Beichtgottesdienst vor der Konfirmation?

Der so genannte Beichtgottesdienst kann dir dabei helfen, vor der Konfirmation zur Ruhe zu kommen und an die schönen, aber eben auch unschönen Dinge der Vergangenheit zu denken. Wenn man noch einmal alles loswerden kann, was einen so bewegt, kann man am nächsten Tag unbeschwert die Konfirmation feiern. Verbunden mit diesem Gottesdienst ist manchmal auch eine Abendmahlsfeier gemeinsam mit Eltern und Gästen. Andere Namen für diesen Gottesdienst sind auch Vorabendgottesdienst oder Abendmahlsgottesdienst vor der Konfirmation.

Ist die Teilnahme an der Konfi-Freizeit Pflicht?

Wie oft und wie lang eine Konfi-Freizeit stattfindet, ist unterschiedlich und hängt von deiner Heimat-Gemeinde ab. Fest steht: Die Konfi-Freizeit ist eine der wichtigsten Veranstaltungen während der Konfi-Zeit. Oft findet erst auf dieser Freizeit die Gruppe richtig zusammen, und echte Freundschaften werden geschlossen. Viele Konfis sagen nach dem Ende ihres Konfirmations-Unterrichts: Das Beste war die Freizeit. Meistens werden dort auch wichtige inhaltliche Themen erarbeitet - mit viel mehr Zeit und Möglichkeiten als im normalen Unterricht. Deshalb legen Gemeinden großen Wert darauf, dass alle daran teilnehmen.

Kann es passieren, dass ich von der Konfirmation ausgeschlossen werde?

Ja, aber das kommt selten vor. Bevor das passiert, wird auf jeden Fall noch mal mit der Konfirmandin/dem Konfirmanden und meistens auch mit den Eltern darüber gesprochen. Manchmal schaltet sich auch der Konfirmandenausschuss der Gemeinde ein (wenn's dort so etwas gibt). In jedem Fall muss der Kirchenvorstand den Ausschluss beschließen. Grund für einen Ausschluss kann beispielsweise sein, dass jemand fast nie zum Unterricht erschienen ist.

Was ziehe ich zur Konfirmation an?

Eine vorgeschriebene Kleiderordnung gibt es nur noch in wenigen Gemeinden. Am besten bespricht man mit den Eltern, was man am liebsten selbst anziehen möchte und was zu diesem festlichen Anlass passt. In manchen Gemeinden spricht auch der Konfi-Kurs selbst darüber, was man zum Fest anziehen sollte.

Welche Bedeutung haben Paten und Patinnen?

Paten und Patinnen werden zur Konfirmation eingeladen. Sie hatten bei der Taufe versprochen, mit verantwortlich zu sein für den Glauben ihres Patenkindes. Mit der Konfirmation übernimmst du nun selbst die Verantwortung für deinen Glauben - deine Patinnen und Paten werden quasi "arbeitslos". Das heißt aber nicht, dass nun jeder Kontakt zu ihnen abbrechen muss.

Was ändert sich mit der Konfirmation?

Mit der Konfirmation bist du voll verantwortliches Mitglied deiner Kirchengemeinde. Du darfst den Kirchenvorstand deiner Gemeinde mitwählen. Außerdem darfst du nun in den meisten Gemeinden auch selbst Pate oder Patin werden.

Was ist eigentlich die Firmung?

Firmung heißt die "Kon-firmation" in der katholischen Kirche. Sie wird in der Regel vom Bischof oder einem seiner Vertreter durchgeführt. Die Firmlinge werden mit ihrer Firmung als verantwortliche Mitglieder in die katholische Kirche aufgenommen.

Was ist ein Vikar, eine Vikarin?

Vikare und Vikarinnen sind in der evangelischen Kirche angehende Pfarrer/Pfarrerinnen, die ihr Theologiestudium abgeschlossen haben und nun erste Erfahrungen in der Gemeindearbeit sammeln. Wenn es in einer Gemeinde einen Vikar oder eine Vikarin gibt, geben auch die manchmal den Konfi-Unterricht.

Gerade für Jugendliche während der Pubertät, die aus Unsicherheit häufig ein negatives oder überzogenes Selbstbild entwickelten, sei diese Botschaft der unbedingten Annahme durch Gott unverzichtbar. „Deshalb ist für sie die Konfirmation so wichtig“, unterstreicht Kolb. „Jugendliche finden so ihre Identität und erfahren eine Stärkung einer nicht-marktkonformen Persönlichkeit, die zum Beispiel keinen Schönheitsidealen entspricht“ – eine Bereicherung, die Eltern ihren Kindern nur wünschen könnten.

Jugendlichen "nicht etwas vorsetzen"

Allerdings, findet der Beauftragte für Konfirmandenarbeit, wecke der Begriff ‚Konfirmationsunterricht‘ falsche Erwartungen und Befürchtungen. „Der Ausdruck, Konfikurs‘ erscheint mir passender als, Konfirmationsunterricht‘. Er spiegelt das wider, was die Konfirmandenarbeit leisten soll: Sie soll den Jugendlichen nicht etwas vorsetzen und ihnen das Gefühl geben, hier lernen sie, wie die Dinge im Leben richtig laufen. Sondern sie soll die Jugendlichen begleiten, ihnen mit Angeboten zur Seite stehen und dabei sein, wenn die Jugendlichen für sich diese Angebote überprüfen und ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen.“

Ob nun Konfirmandenunterricht oder –kurs – dem Ältesten von Katrin Horn hat es gefallen. Besonders natürlich das Fest selbst. Das wird ihm sein Leben lang in Erinnerung bleiben.

„Wir hatten es als gemeinsames Projekt organisiert“, erinnert sich die Mutter, „das verbindet!“ Der Gottesdienst sei der schönste gewesen, den er je erlebt habe, meinte der Sohn hinterher.

„Er war berührt und fühlte sich wertvoll allein dadurch, dass die gesamte Verwandtschaft von überall her angereist ist, um mit ihm die Konfirmation zu feiern.“

Und die Mutter? Sie sei auch „sehr berührt“ gewesen, erzählt Katrin Horn. „In einer Zeit des Unabhängigwerdens und Abstandnehmens hat er den Konfirmationssegen und ein Stück Mündigkeit zugesprochen bekommen. Das war auch für mich etwas ganz Besonderes.“

Nun ist der zweite Sohn dran. Nach den Sommerferien startet er mit großen Erwartungen in seine Konfirmandenzeit – eine Vorbereitung, die Katrin Horn nicht für ihre Kinder missen will.


16.06.2014 / Almut Steinecke
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