konfispirit

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Ein Beitrag des Evangelischen Fernsehens für das ökumenische Magazin "Kirche in Bayern" über das Projekt "Konfispirit".

Den "Spirit" der Konfirmanden sichtbar und hörbar machen mit einer Jahrgangs-CD, das will die Initiative des Kirchenkreises München und Oberbayern und Inland Records.

"Was, du kennst 'KONFISPIRIT' nicht?" Die 15-jährige Judith ist überrascht. Sie kann es kaum verstehen, dass ihre Klassenkameradin, die in einer anderen Gemeinde konfirmiert wurde, noch nichts von Mic Schneider und seinem Konfirmandenprojekt gehört hat. Immerhin gehörte die Aktion zu den Höhepunkten ihrer Konfirmandenzeit. Mic Schneider hat sie und ihre Mitkonfirmanden der Dankeskirche herausgefordert, ihre Gedanken über Gott zu Papier zu bringen und diese dann in seinem flexiblen Tonstudio aufzunehmen. Nun hält sie ihre eigene Konfi-CD in der Hand: "wie die Profis!", sagt sie stolz.

"Probieren wir´s!"

Tatsächlich sind Mic Schneider und seine Konfi-CD mittlerweile weit über den Kirchenkreis München hinaus bekannt. Dabei hat er vor drei Jahren ganz bescheiden angefangen. Damals sei er mit seiner Idee einer CD-Aufnahme mit Konfirmanden auf Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler zugegangen, erzählt der Songtexter. Die Antwort war positiv, aber realistisch. „Sie hat es sich angehört und dann einfach gesagt: 'Das klingt nach einem tollen Projekt – probieren wir‘s aus!'“ Nach einem erfolgreichen Probelauf mit zwei sehr unterschiedlichen Kirchengemeinden habe sich Schneider an den Start des Projekts mit mehreren Gemeinden gewagt.

Meist an einem einzigen Tag wird die CD-Produktion mit einer Gemeinde durchgezogen. In nur wenigen Stunden geschieht die Begegnung, finden die Jugendlichen ihr Thema, fassen es in ihre eigenen Worte und nehmen ihre Texte auf. „Die Jugendlichen haben eine Botschaft: einfach, klar und treffsicher“, das hat Mic Schneider erlebt. Und sie hätten das Bedürfnis, sich auszudrücken. Nur: „Wer hört ihnen zu?“

Auf die Jugendlichen hören

Schneider erinnert sich noch genau, wie das war, als er selbst 14 war. „Es wäre so wichtig gewesen, gehört zu werden“, meint er rückblickend. Zum Glück gab es da auch immer wieder Erwachsene mit ehrlichem Interesse, die ihn ernst nahmen und ihm zuhörten. Die ihn fragten: „Wie meinst du das? Wieso denkst du so?“ Die Texte der Jugendlichen erinnern ihn daran, wie er selbst damals gedacht hat. „Man vergisst so schnell, wie klar und deutlich die Gedanken damals waren.“

Damals hat er für sich das Schreiben entdeckt: „Das hat eine erlösende Kraft.“ Schon seit er schreiben konnte, schrieb er, erst einfache Vierzeiler, dann immer persönlichere Texte: “völlig fasziniert“ sei er vom Schreiben gewesen. „Was Worte erreichen können, wenn sie mit ehrlichem, offenen Herzen gesprochen werden“, schwärmt Mic Schneider. „Eure Gedanken sind wichtig, jeder Einzelne von euch ist wichtig!“, das möchte er den Jugendlichen vermitteln. Besonders den „stillen Wassern“, hinter denen oft so viel steckt. Bei KONFISPIRIT haben sie die Chance, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken. „Es gibt nur eine Bedingung: Schreibt nicht das, wovon ihr denkt, dass wir es hören wollen, sondern schreibt, was ihr wirklich fühlt! Da bestehe ich darauf."

Viele Unterstützer

Was ist das Geheimnis von "KONFISPIRIT"? Als eigenen Verdienst sieht Mic Schneider das nicht: „Das ist nicht mein Werk, es ist das Werk vieler Menschen.“ Mic Schneider weiß, dass er „KONFISPIRIT" nicht alleine stemmen könnte. "Über alle Maßen dankbar“ sei er der Regionalbischöfin, dem Kirchenkreis München sowie Pfarrerin und Fundraising - Managerin (FA), Heike Davidson für ihre Unterstützung. Sie hätten mit ihrem Engagement großen Anteil dran, dass er seine Vision so erfolgreich umsetzen könnte. Mittlerweile fördert auch der Verlag "Andere Zeiten e.V." das Projekt, um die Realisierung möglich zu machen.

Denn, das haben Kirchenkreis und "Andere Zeiten" erkannt: Mit "KONFISPIRIT" gelingt es Mic Schneider, Konfirmandinnen und Konfirmanden auf einer ganz tiefen persönlichen Ebene anzusprechen. Auf dem ganztägigen Workshop erfahren die Konfirmanden: „So, wie ich bin, ist es richtig. Ich bin, so, wie ich bin, akzeptiert.“ Vielleicht, so Schneider, spüren die Konfirmanden auch, dass er sie nicht als Kinder, auch nicht als kleine Erwachsene, sondern einfach als Menschen behandelt, die etwas zu sagen haben. „Stell dir vor, es kommt jemand zu dir, der alle Hoffnung verloren hat – was würdest du ihm raten?“, will Schneider von den Jugendlichen wissen. Und so als Ratgeber gefragt, erzählen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, was sie tröstet und stärkt.

Von Gott erzählen

Zusammen mit den Jugendlichen von Gott zu erzählen – das ist Mic Schneider ein großes Anliegen. „Ich bin dankbar, dass wir an etwas glauben dürfen. Zu spüren: Da ist noch etwas Größeres und Stärkeres als ich, etwas, das Welten bewegt. Es gibt nichts Schlimmeres, als das Gefühl der Einsamkeit, Verlassenheit und Ohnmacht.“

Immer wieder frage der Texter mit den Jugendlichen danach, wie Gott sich zeigt: "Bin ich Gott vielleicht schon begegnet? Hat er sich in meinem Freund, in meiner Familie gezeigt? Vielleicht haben mir Menschen geholfen, von denen ich das gar nicht erwartet habe?" Jede Gemeinde hat ihr eigenes Thema, das Mic Schneider mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer und mit seiner Gruppe bespricht. Das Vaterunser oder die Schöpfung oder Toleranz. Werte wie Nächstenliebe, Hilfestellung, Glauben und Rückhalt werden in Zukunft immer wichtiger, davon ist der Initiator von KONFISPIRIT überzeugt. „Je schnelllebiger unsere Zeit ist, desto größer wird doch das Bedürfnis, sich an etwas Gutem zu orientieren, das Bestand hat.

Diskussionen über Gott und die Welt

Dabei ergeben sich tiefe Gespräche, wird auch heftig über Glaube, Liebe, Hoffnung, über Gott und die Welt diskutiert. „Die ganzen Themen, die Jugendliche bewegen: Sehnsucht, Liebe, Eifersucht, Enttäuschung, Suche, Identitätsfindung – das findet sich doch alles in der Bibel, das muss nur im eigenen Leben verankert werden.“ Religion ist oft so abstrakt – bei ,KONFISPIRIT' versuchen wir, sie greifbar werden zu lassen.“

Darum wird auch der Textworkshop sehr intensiv: „Was die Jugendlichen da leisten, ist phänomenal“, erklärt Schneider. „Sie kommen am Samstagmorgen zusammen und werden mit einem völlig Fremden konfrontiert, der ihnen sagt, sie sollen sich öffnen.“ Und tatsächlich: Am Ende des Nachmittags sind die Konfirmanden aus ihrer Deckung herausgekommen. Sie trauen sich, ihre Gedanken zu äußern und – mindestens genauso schwierig – an ihrer eigenen Stimme zu arbeiten. Und dann kommen Ergebnisse wie folgende heraus:

 

 

Audioplayer,© ©iStock.com/teekid

Bild: ©iStock.com/teekid

"Glaube - Liebe - Hoffnung"

Konfispirit als Audiofile

Oft kommt dabei sehr Privates zum Ausdruck. Doch die Jugendlichen erfahren: Ich bin nicht allein mit meinen Fragen. Jeder Konfirmand und jede Konfirmandin formuliert zwar ein eigenes Statement. Und doch wird daraus ein Werk der ganzen Gruppe. „Das macht ihre Gemeinschaft ganz stark“, weiß Schneider. Und es gehört zu den Höhepunkten für ihn, wenn jeder einzelne Konfirmand in die Sprecherkabine zum Einsprechen gerufen wird und die anderen draußen sitzen und zuhören. „Da wird keiner ausgelacht, da bibbern alle mit. Denn jeder weiß, wie schwer das ist.“

"Sich zum Affen machen"

Auch bei der Aufnahme wird nichts dem Zufall überlassen: Hier achtet Schneider genau auf Aussprache, Stimme, Betonung. Und es kümmert ihn auch nicht, wenn er sich – wie übrigens auch die beteiligten Pfarrerinnen und Pfarrer - bei der Stimmübung „zum Oberaffen macht“, solange es nur den gewünschten Erfolg hat. Schließlich sollen die Jungen und Mädchen danach auch stolz auf ihren Vortrag sein können. „Es ist ganz wichtig, dass sie spüren: der will, dass wir gut sind“.

Und auch wenn es Spaß macht: „Das ist richtig anstrengend“, weiß Mic Schneider. „Nach so einem Tag von 9 bis 18 Uhr sind alle platt. Ich auch.“ Dabei geht für den 44-Jährigen die Arbeit dann erst richtig los: Dann wird geschnitten und vertont, eingespurt und produziert. „Das ist aufwendiger als die Produktion eines Pop-Albums“, meint der Liedertexter, der mittlerweile seit 13 Jahren im Geschäft ist und dessen Liedtext „Ich glaub an dich“ für Yvonne Catterfield, ihm eine goldene CD eingebracht hat.

Wertvolle Ergebnisse

Doch auch wenn er einen Großteil seiner Wochenenden in das Projekt investiert und er lange nicht mehr im Urlaub war, wenn er zwei bis drei mal zu jeder einzelnen Gemeinde fährt und auch wenn er die Stunden längst nicht mehr zählt, in denen er am Mischpult sitzt – nicht im Traum würde er daran denken, sein Kind aufzugeben. Die Begegnungen mit den Jugendlichen, ihre Begeisterung, ihre Ergebnisse sind zu wertvoll für ihn.

Und Erinnerungen wie jene aus der Waldkirche Planegg, als es um das Thema Freundschaft ging. Auf die Frage: „Ab wann ist Gott mein Freund?“, antwortete eine Konfirmandin sofort: „Wieso ab wann? Der war schon immer mein Freund.“ Schneider: „Das war schon der Knaller. Die hatte intuitiv begriffen, was Taufe bedeutet.“ Andere Töne sind kritischer: „Gott ist dann mein Freund, wenn ich ihn brauche. Aber ich brauche ihn nicht immer.“

Überraschend, fragend, aber immer ehrlich

Die Statements sind überraschend, ermutigend, fragend, zum Teil sehr kritisch, aber immer ehrlich. So wie ein Konfirmand bei einem Beitrag zum "Vater Unser" fragt: „Aber wieso denn Vater – ich habe doch schon einen Vater.“ Genau so soll es sein, findet Mic Schneider.

Mittlerweile ist die zweite CD in Produktion (Konfirmation 2012) und Aufnahmen für die dritte sind in Planung (Konfirmation 2013). Voraussetzungen zur Teilnahme gibt es wenige: „Die Gruppen müssen evangelisch sein und aus dem Kirchenkreis München kommen. Und die Pfarrerinnen und Pfarrer sollen viel Lust haben, mit den Konfis gemeinsam etwas zu erarbeiten.“ Die Resonanz in den Gemeinden des Kirchenkreises ist groß – so groß, dass Mic Schneider die Organisation und Anmeldung erweitern muss, um alle aufzunehmen, die gerne mitmachen würden.

Frühzeitig anmelden

Was manchmal nicht möglich ist. Daher ist es wichtig, dass sich die Gemeinden frühzeitig anmelden.„Denn, wer einmal dabei war, der möchte meist wieder dabei sein,“ so der Musiktextautor. Er freut sich, dass sich die Pfarrerinnen und Pfarrer so auf das Projekt einlassen und zusammen mit ihren Konfirmanden an den Aufnahmen beteiligt sind. Und es ist das größte Lob für ihn, wenn er in einem Konfirmationsgottesdienst Songbeiträge aus "KONFISPIRIT" hört.

12.06.2014 / Anne Lüters
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