Kirche und Kunst

Vom Kunstpreis bis zur Kunstsammlung

Rosette in der St. Lukas Kirche in München

Beispiel hoher Kirchenkunst: Die Rosette in der St. Lukas Kirche in München, hergestellt von dem Künstler Reiner John bei der Mayer'schen Hofkunstanstalt GmbH in München.

Bild: Elias Hassos / Mayer'sche Hofkunstanstalt GmbH München

Kunst ist lebendig in der bayerischen evangelischen Kirche: Kirchenbau, Wettbewerbe, Symposien, Kunstpreis, Förderung von jungen Künstlern, Sammlungen und das erste Kirchenmuseum.

Mehrere tausend Ölgemälde befinden sich im Besitz der evangelischen Landeskirche, darunter Werke von berühmten Künstlern wie Otto Dix, Marc Chagall, Walter Habdank, Lovis Corinth oder Hubert Distler. Wie viele Kunstwerke im Raum der Landeskirche mit ihren über 1.200 Kirchengebäuden sowie den zahlreichen Bildungshäusern und kirchlichen Werken und Diensten exakt existieren, kann keiner sagen.

„Die Zahl der Gemälde, Skulpturen, Installationen oder sonstiger Kunstgegenstände dürfte mehrere Tausende umfassen“, sagt der Leiter des Referats „Kunst und Inventarisation“ im Landeskirchenamt, Helmut Braun. Der Kunsthistoriker ist seit längerem damit beschäftigt, zusammen mit seinem Team die wissenschaftliche Inventarisation der Kirchengebäude und deren Ausstattung voranzutreiben. Doch werden die Ergebnisse erst in mehreren Jahren erwartet – schließlich ist die Inventarisation nur eine der Aufgaben, um die sich das Kunstreferat der Landeskirche kümmert.

Wenn eine Gemeinde ihre Kirchenräumen mit zeitgenössischen Kunstwerken versehen will oder eine besondere Frage zur Denkmalpflege hat, wenn es darum geht, Kunstausstellungen zu organisieren oder Mittel für den Ankauf von Kunstwerken einzuwerben, dann sitzen meist die Mitarbeiter vom Kunstreferat und die Kollegen vom Baureferat mit am Tisch.

Kunst ist lebendig in den bayerischen evangelischen Kirchen – egal, ob es sich dabei um den Neubau einer Kirche handelt, wie das moderne Gebäude im oberfränkischen Buttenheim (Kreis Bamberg) zeigt, oder um die Förderung von jungen Künstlern, wie das Kunstprojekt „12 (W)Orte“ im Kirchenkreis Bayreuth deutlich macht, das aus Anlass der Lutherdekade gestartet wurde.

Weil die zeitgenössische Kunst zum evangelisch-lutherischen Selbstverständnis einer selbstbestimmten Kirche gehört, setzt die Landeskirche auch eigene Akzente in der Kunst: Alle drei Jahre vergibt die Landeskirche einen Kunstpreis in Höhe von 5.000 Euro. Bisherige Preisträger waren die Maler Hubert Distler und Werner Kaupp, die Bildhauer Werner Mally und Karl Heinz Hoffmann sowie der Fotokünstler Klaus von Gaffron.

Mit der Preisverleihung ist der Ankauf eines Kunstwerkes verbunden. Die Bildhauerin Meide Büdel, die 2008 mit dem Kunstpreis ausgezeichnet wurde, schuf für die Christuskirche in Neuhaus an der Pegnitz ein großes, gebogenes Kreuz aus Holz, das sich aus der Betonwand des modernen Kirchenraums herauswölbt und lebendige Schatten auf die Wand zeichnet.

Wie Kunst in die Gesellschaft hineinwirken kann, zeigen die Kunstsymposien, die einmal jährlich vom Arbeitskreis „Kirche und Kunst“ organisiert werden. Bei den ganztägigen Veranstaltungen beschäftigen sich Theologen, Künstler, Architekten, Kunsthistoriker und Gemeindemitglieder mit Formen zeitgenössischer Kunst. Im Jahr 2013 ging es um die Kunstform der Performances, 2012 beschäftigte sich das Symposium mit zeitgenössischen Kirchenbauten.

Sein 130-jähriges Bestehen feiert 2014 der Verein für Christliche Kunst in der ELKB. Der Verein wurde 1884 von Pfarrern, Lehrern, Architekten und Künstlern gegründet mit dem Ziel, Kirchengemeinden in baulichen und künstlerischen Fragen zu beraten. Seit 1909 – mit Unterbrechungen während der Kriege – gibt der Verein die Zeitschrift „Kirche und Kunst“ heraus. In dem zweimal jährlich erscheinenden Magazin werden aktuelle Bauvorhaben und neue Kunstwerke dokumentiert und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Für Kunstinteressierte bietet der Verein für Christliche Kunst noch ein weiteres Schmankerl: Einmal jährlich können Mitglieder Originale und Editionen zeitgenössischer Künstler als Jahresgabe erwerben. Der Erlös kommt zu gleichen Teilen dem Verein und dem Künstler gut.

An die breite Öffentlichkeit wendet sich auch das „Museum Kirche Franken“ im fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken. Die Einrichtung befindet sich mitten in der Altstadt von Bad Windsheim in den Räumen des alten Spitals zum Heiligen Geist. Das Museum vermittelt einen Einblick in die Geschichte, Traditionen und Formen des fränkischen Protestantismus und informiert über die Kirchenbaukunst vergangener Jahrhunderte und das religiöse Leben. Konfirmanden- und Schulgruppen können hier spezielle Führungen und Workshops buchen; darüber hinaus werden Sonderausstellungen und Abendveranstaltungen angeboten.


12.06.2014 / Rieke Harmsen
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