Der Gottesdienst

Begegnung mit Gott

Menschen sitzen unter Weiden, die zu einem Kirchendach geformt sind

Gottesdienste können bunt und vielfältig sein, wie hier in der Weidenkirche in Pappenheim.

Bild: Wolfgang Noack

Die einen suchen Ruhe und Orientierung, die anderen Gemeinschaft oder Musik - es gibt viele gute Gründe, den Gottesdienst zu besuchen. In den Gottesdiensten der ELKB ist für fast jeden etwas dabei.

Sabine S. aus Grafrath möchte, dass ihre kleine Tochter positiv durchs Leben geht und Werte wie Nächstenliebe und Rücksicht lernt. Jan aus Nürnberg trifft gerne seine Kumpels – auch am Sonntagabend. Helga M. aus Memmingen freut sich jedes Wochenende auf die Gemeinschaft in der Kirche – und auf den anschließenden Kirchenkaffee. Und Holger Z. aus Regensburg möchte einen Impuls für die kommende Woche mitnehmen und diskutiert hinterher gerne noch mit der Pfarrerin über die Predigt.

Vier Menschen, vier verschiedene Erwartungen an den Gottesdienst. Woche für Woche besuchen in Bayern über 100.000 Menschen einen evangelischen Gottesdienst. Die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst: Ausrichtung für die neue Woche, gemeinsames Feiern und Singen, Begegnung mit Gott und immer wieder das Erlebnis der Gemeinschaft unter Mitchristen.

Versammlung der Christlichen Gemeinde

Die Versammlung der Gemeinschaft derer, die an Jesus Christus glauben, ist seit seinen Anfängen der zentrale Sinn des christlichen Gottesdienstes. Zu den Gebeten im Tempel, an denen schon Jesus mit seinen Anhängern teilgenommen hatte, und zu den Zusammenkünften in der Synagoge traten die gemeinsamen Mahlfeiern in den Häusern. Auch sie hatten ihre Wurzeln im Judentum, aber nun hatte diese Begegnung eine neue Qualität – die Erinnerung an das letzte Abendmahl mit Jesus.

Informationen zum Thema Gottesdienst

Gottesdienst

Wissenswertes rund um den Gottesdienst liefert die EKD-Studie „Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben 2013“. So werden im Laufe eines Jahres in Deutschland an Sonn- und Feiertagen 1,1 Millionen Gottesdienste gefeiert, darunter etwa 220 000 Kindergottesdienste. Rund 900 000 Menschen besuchen in Deutschland jeden Sonntag einen evangelischen Gottesdienst, außerdem verfolgen durchschnittlich rund 0,6 Millionen Christen die sonntäglichen TV-Übertragungen evangelischer und ökumenischer Gottesdienste am Fernsehbildschirm. Weihnachten erweist sich als Magnet auch für Menschen, die nicht der Kirche angehören: 8,5 Millionen gehen an Heiligabend in die Kirche und nehmen sogar Wartezeiten oder andere Unbequemlichkeiten in Kauf, um am Gottesdienst teilhaben zu können – die Studie zählt rund 60 Millionen Christvesperbesuche.

Zunächst heimlich in Privathäusern, dann öffentlich in Kirchen trafen sich die Anhänger Jesu Christi, um sich von ihm zu erzählen, die Briefe des Apostel Paulus oder später Abschnitte aus der Bibel zu lesen und „das Brot zu brechen“ – also das Abendmahl zu feiern.

Hier in diesen Versammlungen, das spürten sie, wehte der Geist Gottes, war ihnen Jesus Christus ganz nahe.

So heißt es schon in der Schilderung des Lebens der Urgemeinde in der Apostelgeschichte: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ (Apostelgeschichte 2,42).

Was damals geschah, steht auch heute noch im Vordergrund, wenn Christen zum Gottesdienst zusammenkommen: Das gemeinsame Feiern, das Hören auf die Bibel und – auch wenn es nicht jeden Sonntag begangen wird – das Abendmahl.

Zentral: Wort Gottes und Sakramente

Was für Martin Luther und die Reformatoren das Wesen der Kirche ausmacht: das Hören auf Gottes Wort und das Empfangen der Sakramente, geschieht in besonderer Weise im Gottesdienst. Deshalb wird die sonntägliche Feier oft auch als zentrale Veranstaltung der Kirchengemeinde angesehen.

Die neue Mitgliedschaftsuntersuchung der EKD scheint dem Recht zu geben: Für ihre Mitglieder und auch für Außenstehende ist die Evangelische Kirche zunächst durch ihre gottesdienstlichen Handlungen bedeutsam. Dabei wird allerdings eher an besondere Gottesdienste im Jahreskreis und an eine Begleitung an Lebensübergängen gedacht. Fast eine Million Menschen besuchen in Bayern jährlich einen Gottesdienst an Heiligabend. Gottesdienste zur Taufe und zur Trauung sind für viele Menschen wichtige Daten in der Familiengeschichte.

Ein soziales Ereignis

Ob in der Familie oder in der Kirchengemeinde – Gottesdienstbesuch ist für viele ein soziales Ereignis, das gerne gemeinsam mit Freunden, mit der Familie und gerne auch über die Generationen hinweg begangen wird. Kirche wird als ein Ort erlebt, an dem unterschiedlichste Menschen selbstverständlich zusammenkommen und gemeinsam nach altbewährtem Ritus den vertrauten Gottesdienst feiern.

Das schließt Gottesdienste für besondere Gruppen nicht aus. Die Kleinsten lieben ihren Kindergottesdienst. Motorradfahrer beginnen gemeinsam mit einem Bikergottesdienst die Saison, Nachtschwärmer freuen sich auch zu Nachtzeiten über Gottesdienste. Berggottesdienste genießen hohe Beliebtheit. Und Jugendliche haben ihre ganz eigene Art, Gott in ihrer Mitte zu feiern. Die Gottesdienste unterscheiden sich in Ort und Gestaltung oft so stark, dass als Verbindendes eben gerade das bleibt: Dass sich die feiernde Gemeinde hier um Gottes Wort versammelt und dass – oft, nicht immer – das Abendmahl gefeiert wird.

Wer dient wem?

Längst wird in der protestantischen Kirche Gottesdienst nicht mehr als Pflicht gegenüber Gott gesehen, eine Leistung, die ein Christ erbringen muss. Es ist vielmehr ein Bedürfnis, im Beten Hören und Singen Gott nahe zu kommen. Der Begriff Gottesdienst ist deshalb manchmal missverständlich. In erster Linie ist es Gott, der den Menschen dient und sie mit seinem Wort und seiner Gegenwart bereichert. Dieser Dienst gilt auch den Menschen, die Gott noch nicht begegnet sind. Aber auch der Mensch dient Gott – wenn er dankbar Gottes Dienst annimmt und ihm die Ehre gibt.

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Taufe

23.06.2014 / Anne Lüters
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