Glaubenskurse

„Keiner wird zu etwas überredet“

Aufgewühltes Wasser

Glaubenskurse ziehen ihre Kreise - in der Seele und im Leben.

Bild: Photocase / manun

Wie Kurse zum Glauben versuchen, erwachsene Menschen bei der Auffrischung ihrer Antworten zu unterstützen, verrät Diakon Friedrich Rößner im Interview.

Muss man eigentlich wirklich alles glauben im Leben? Was bedeutet mir Kirche? Was bedeutet mir die Beziehung zu Gott? Fragen über Fragen - nicht wenige Menschen haben sich das letzte Mal bei ihrer Konfirmation mit ihnen beschäftigt. Kurse zum Glauben versuchen, erwachsenen Menschen bei der Auffrischung ihrer Antworten zu unterstützen.

Wie Kurse zum Glauben versuchen, erwachsene Menschen bei der Auffrischung ihrer Antworten zu unterstützen, verrät Diakon Friedrich Rößner im Interview.

Herr Rößner, was ist ein Glaubenskurs – was passiert da eigentlich?
Friedrich Rößner: „Erlauben Sie mir, dass ich einen Korrekturvorschlag vorwegnehme: Ich finde das Wort ,Glaubenskurs‘ nicht besonders glücklich. Es wäre mir lieber, wir würden es ,Kurs zum Glauben‘ nennen.“

Warum das?
Rößner: „Das Wort ,Glaubenskurs‘ macht den Eindruck, als würde man in so einem Kurs den Glauben lernen können. Genau das ist gar nicht möglich: Glauben kann man nicht lernen wie kochen oder eine Fremdsprache. Deshalb finde ich ,Kurs zum Glauben‘, es vermittelt mehr das Anliegen der Veranstaltung: nämlich Menschen Informationen an die Hand zu geben, die wichtig und hilfreich sind, um christlichen Glauben zu verstehen.“

"Ich ging erfüllt nach Hause" - Glaubenskurs-Teilnehmer berichten

Gerhard Horn, selbständiger Kaufmann, 55 Jahre, Lichtenfels, Oberfranken

Gerhard Horn,© Privat

„2005 habe ich an ,Spur 8' teilgenommen. Schon am ersten Abend bekam ich ein ganz anderes Gottesbild, ein ganz anderes Glaubensverständnis. Der Kurs machte mir klar, dass Gott kein Richter ist, sondern ein Begleiter, der sich nicht von mir trennt, nur weil ich seine Gebote schwierig finde und vielleicht mal nicht befolgen kann.“

Susanne Schwanfelder, Psychotherapeutin, 61 Jahre, aus Obermichelbach bei Fürth

Susanne Schwanfelder,© Privat

„Im Kurs ,Liebe ist nicht nur ein Wort‘ wurde mir ganz bewusst, wie zwiespältig seit jeher das menschliche Miteinander ist und wie kompromisslos Gott mit Liebe und Klarheit, Kreativität und Versöhnung antwortet. Mich begeistert, wie leicht alle Teilnehmenden ihre eigenen Geschichten finden und mit Gott in Beziehung setzen können.“

Sybille Lorenzer, Lehrerin, 58, aus Bad Füssing

Sybille und Karl Lorenzer,© Privat

„Mit Begeisterung besuchten mein Mann Karl (katholisch) und ich vor circa drei, vier Jahren den damals neu angebotenen Emmaus-Glaubenskurs bzw. dann auch die Aufbaukurse. Für mich bedeutete es eine Rückführung zum Glauben, große Dankbarkeit für Gott, Jesus Christus und das Christsein.“

Warum ist das wichtig? Wenn ich aus der Tiefe meines Herzens glaube, wozu brauche ich dann noch Informationen?
Rößner: „Ich empfehle nicht, nur blind und rein emotional ,aus der Tiefe seines Herzens zu glauben‘. Dazu gehört auch, sich rational damit auseinanderzusetzen, was der christliche Glaube eigentlich beinhaltet: um zu wissen, was ich da eigentlich glaube und ob ich das eigentlich glauben will.“

Was also ist nun ein ,Kurs zum Glauben‘?
Rößner: „Ein Projekt mit einem Anfang und einem Ende, das in mehrere Abschnitte gegliedert ist, den Teilnehmenden christliches Wissen vermittelt, sie zum Glauben einlädt und ihnen die Entscheidung, was sie mit diesem Wissen anschließend weiter anstellen überlässt. Glauben kann man nicht lernen wie Kochen oder eine Fremdsprache.“

Was ist denn Glauben?
Rößner: „Das Vertrauen in Gott und dass er sich in Christus geoffenbart hat.“

Mit einer solchen Antwort könnte man kirchenferne Menschen aber ziemlich verschrecken…
Rößner: „Sie werden es vielleicht nicht glauben: Berührungsängste haben meiner Beobachtung nach eher Menschen, die regelmäßig mit Kirche zu tun haben; weil sie vielleicht irgendwann mal irgendeine ungute Erfahrung gemacht haben, irgendeiner drängelnden Person innerhalb von Kirche begegnet sind oder was weiß ich. Diejenigen, die vorher mit Kirche gar nichts am Hut hatten und trotzdem zu uns finden, signalisieren dagegen selten Ängste.“

Das ist jetzt aber nicht gerade eine Werbung für die Kirche…
Rößner: „Es ist aber auch keine Kritik an ihr. Ungute Erfahrungen kann man immer mal überall machen. Und wenn man vorher gar keine Erfahrungen hatte, kann man auch keine unguten machen.“
Wie viele Kirchen-Unerfahrenen haben denn die Kurse zum Glauben in Bayern so?
Rößner: „Das hängt natürlich vom Kurs ab und von der Region, in dem es er angeboten wird. Ich habe aber schon Kurse erlebt, da sind die Hälfte der Teilnehmer ganz neu zum kirchlichen Thema dazu gekommen.“

Glaubenskurse-Typen

Alpha-Kurs

Der Alpha-Kurs beschäftigt sich mit Fragen nach Jesus, Gott, der Bibel, dem Glauben und dem Gebet bis hin zum heutigen Stellenwert der Kirche. Im Mittelpunkt des Alpha-Wochenendes stehen der Heilige Geist und die Frage: „Wie mache ich das Beste aus meinem Leben?“ Der Alpha-Kurs ist Anfang der Neunziger Jahre in London entstanden und wird heute in über 160 Ländern und in rund 70 Sprachen durchgeführt. 

Weitere Informationen zum Alpha-Kurs!

Emmaus

Im Verlauf des Emmaus-Kurses werden die Inhalte des Glaubens auf einem Weg entdeckt, den Glaubens-Sucher gemeinsam mit Christen zurücklegen. Der Kurs, der oft mit einem Schnupperabend beginnt, gliedert sich in drei Themengebiete: „Was Christen glauben“, „Wie Christen im Glauben wachsen“ und „Als Christ im Alltag leben“. 

Weitere Informationen zum Emmaus-Kurs!

Expedition zum ICH

Der Glaubenskurs wendet sich an Menschen, die sich in einem Prozess der Selbstentwicklung befinden und aufgeschlossen für neue Erfahrungen sind. Sie lernen in 40 Tagen die bedeutsamsten Geschichten und Kerngedanken der Bibel kennen und entdecken dabei wertvolle Schätze für sich selbst.

Weitere Informationen zum Kurs Expedition zum ICH!

Kaum zu glauben?!

Das Gottesbild, die Frage nach Jesus, der Heilige Geist und das Gebet: Die vier Treffen im Kurs „Kaum zu glauben?!“ haben einen starken Erlebnischarakter. Der Mix aus Vorträgen, Gesprächen, Rollenspielen, gestalterischen Elementen und der Arbeit in kleineren Gruppen macht die Beschäftigung mit dem Glauben nicht nur zu einem geistigen, sondern auch zu einem höchst lebendigen und sinnlichen Erlebnis.

Weitere Informationen zum Kurs Kaum zu glauben?!

Spur 8

SPUR8 führt an acht Stationen zu den Inhalten des christlichen Glaubens. Sieben Treffen beschäftigen sich mit den elementaren Fragen nach Gott, Jesus, dem Sinn des Lebens, dem Glauben, der Sünde und zeigen, wie man Christ werden und bleiben kann. Beim achten Treffen wird ein gemeinsamer Gottesdienst gefeiert. Spur 8 gibt es auch als Online-Glaubenskurs.

Weitere Informationen zum Kurs Spur8!

Stufen des Lebens

Das Besondere des Kurses: Er ist nicht nur auf Reden und Zuhören ausgerichtet, sondern spricht auch die Augen und die anderen Sinne an. Die Teilnehmer sitzen in einem Kreis, in dessen Mitte Bodenbilder aus Naturmaterialien und Alltagsgegenständen aufgebaut sind. Die Bilder berühren auf einer tiefergehenden Ebene und eröffnen dadurch auch eher verschlossenen Menschen neue Wege zum Glauben.

Weitere Informationen zum Kurs Stufen des Lebens!

Warum glauben?

Der abwechslungsreich gestaltete Kurs beschäftigt sich anhand von berühmten Bibeltexten wie dem Gleichnis vom verlorenen Sohn mit grundlegenden Aspekten des Glaubens und macht dabei den engen Bezug von Glauben und Leben deutlich. Die vier Abende vermitteln vier gute Gründe, an Gott zu glauben.

Weitere Informationen zum Kurs Warum glauben?

Zwischen Himmel und Erde

Der Kurs „Zwischen Himmel und Erde“ richtet sich an Menschen, die gründlich über theologische Themen nachdenken und sich darüber mit anderen austauschen wollen. Ein Glaubenskurs für Fortgeschrittene, die genauer wissen wollen, woran sie glauben.

Weitere Informationen zum Kurs Zwischen Himmel und Erde!

Glaubenskurs mit Dietrich Bonhoeffer

Der Pfarrer Dietrich Bonhoeffer reizt zum Gespräch über den eigenen Glauben, dieser Glaubenskurs hat Bonhoeffers Biografie und Theologie im Fokus. Es geht um die gemeinschaftliche Frage: „Was – glauben wir – glaube ich – wirklich? Für zwölf Abende zur kreativen Auseinandersetzung mit Glaubensfragen mit Zusatzmaterialien wie Hörbeispiele, Farbbilder und weitere Texte.

Weitere Informationen zum Glaubenskurs mit Dietrich Bonhoeffer!

Und blieben weiterhin angstfrei – auch nach mehreren Kurssitzungen?
Rößner: „Ja, weil sie schnell gemerkt haben, dass im ,Land des Glaubens‘ eine Tugend dominiert: Freiheit. Keiner wird zu etwas überredet, niemand zu etwas gezwungen.“

Sondern?
Rößner: „Die Menschen finden sich in Kursen wieder, die Fragen zu ihren Lebensthemen mit Antworten des christlichen Glaubens anpassen. Das Angebot wird dabei immer spezifischer: im Angebot finden Sie Kurse speziell für Eltern, Kurse speziell für Jugendliche, Kurse speziell für die Generation 60+. Da ist für jeden und jede Altersgruppe was dabei. Das ist wichtig in unserer multioptionalen Gesellschaft.“

Warum? Wenn ich glaube, dann glaube ich.
Rößner: „Ja, aber jede Autofirma hat doch spezielle Autos für spezielle Menschen. Und Kirche ist kein Extra-Universum, in dem die Menschen plötzlich andere werden, anders agieren, andere Bedürfnisse haben, als außerhalb von Kirche. Sie agieren dort genauso, wie in ihrem Alltag. Deshalb brauchen sie focussierte Angebote.“

Aber was ist mit denen, die gerne mal in einen solchen Kurs schnuppern würden, sich aber nicht trauen?
Rößner: „Für diese Kandidaten gibt es ein besonders niederschwelliges Angebot: den Glaubenskurs ,Spur8' als Onlinekurs. Auf dieser Seite können sie sich völlig anonym und ganz in Ruhe am Schreibtisch vor ihrem Rechner zuhause einen Kurs zum Glauben anschauen und Schritt für Schritt durchlesen. In Ruhe gucken, ob sie sich angesprochen fühlen und wiederfinden oder nicht. Und danach vielleicht den Schritt nach draußen wagen. Oder auch nicht.“

Herr Rößner, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Zur Person

Friedrich Rößner, Bild: © Amt für Gemeindedienst

Friedrich Rößner

Diakon Friedrich Rößner, 53 Jahre alt, hat als Leiter der Redaktion für das Online-Angebot www.online-glauben.de hat er den Online-Glaubenskus „Spur 8-Online: Entdeckungen im Land des Glaubens“ konzipiert. Rößner ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und wohnt in Reichenschwand, eine Gemeinde mit rund 2300 Einwohnern im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land.


25.03.2014 / Almut Steinecke