Evangelisches Gesangbuch

Lebensbegleiter auf Papier

Gesangbuch auf Kirchenbank

Gesangbücher sind Lebensbegleiter auf Papier.

Bild: (c) iStockPhoto / tepic

Die Geschichte des Evangelischen Gesangbuches ist eine Geschichte voller Veränderungen.

Das Evangelische Gesangbuch ist viel mehr als nur ein Liederbuch, es bietet viel mehr, als nur die Möglichkeit zum Mitsingen. „Seit 1995 heißt das Werk ‚Evangelisches Gesangbuch für Gottesdienst, Gebet, Glaube, Leben‘“, informiert Andreas Schmidt, Referent für Kirchenmusik am Gottesdienstinstitut Nürnberg.

„Die jeweilige Gottesdienstverordnung der zugehörigen Landeskirche, auch Gebete und Texte zum Glauben, hat das Evangelische Gesangbuch zwar schon länger enthalten“, so Schmidt. „Ausdrücklich darauf hingewiesen im Titel wird aber erst seit 18 Jahren.“

Angemessen ist das auf jeden Fall. „Denn das Evangelische Gesangbuch ist ein regelrechtes ,Lebensbegleitbuch‘“, unterstreicht Schmidt. „Neben den Liedern bietet es mit seiner Gottesdienstordnung zum Beispiel die Möglichkeit, sich darüber zu informieren, was wann wie passiert in einem Gottesdienst“ – jede Ordnung unterscheidet sich dann natürlich nach den jeweiligen Maßgaben der einzelnen Landeskirche.

„Dazu bietet das Buch viele Texte zu Lebensthemen und Lebensphasen, die jeder Mensch einmal durchmacht – von der Wiege bis zur Bahre“, sagt Schmidt. „Es gibt Gebete für Verliebte, es gibt Gebete für Verlassene – in jeder Situation des Alltags findet man Inspiration oder Trost.“ Anders ausgedrückt: Das Evangelische Gesangbuch ist so angelegt, dass jedermann es in seiner persönlichen religiösen Praxis im Alltag nutzen kann - mit bewährten Formen für Andachten, Gebeten und Alltagsritualen wie Abendsegen und vielem mehr.

Wie die Evangelischen Gesangbücher ihre drei Teile grafisch anbieten, auch das bleibt jeder Landeskirche selbst überlassen. Die bayerischen Lutheraner haben den Liedteil ihres Gesangbuches gelb gestaltet, der Gottesdienstteil ist violett, der Textteil ist mintfarben.

So findet sich jeder schnell zurecht – und im besten Fall genau das, was er oder sie gerade braucht.

Das schätze ich an meinem Evangelischen Gesangbuch . . .

Hanne Diezinger, 71 Jahre

Hanne Diezinger,© Privat
Wenn ich das Buch aufschlage, egal wo, ganz zufällig, lese ich den passenden Spruch. Am meisten beeinflusst hat mich "Ich möchte gerne so sein, wie Gott mich haben will, weil er mich so behandelt, als wäre ich schon so" von Hannelore Frank.

Martin Bomhard, 83 Jahre

Martin Bomhard,© Privat
Mich beeindruckt die behutsame Revision der Liedtexte, die Breite des musikalischen Angebotes von der Gregorianik über den klassischen evangelischen Choral, auch in mehrstimmigen Sätzen, Taizé-Gesängen, Liedrufen und Kanons.

Angelika Pisarski, 60 Jahre

Angelika Pisarski,© Privat

Mir haben es ganz besonders die Lieder angetan. Viele begleiten mich seit meiner Kindheit, wecken bisweilen Erinnerungen, manche habe ich auch erst später kennen und singen gelernt.

Gerhard Kragler, 73 Jahre

Gerhard Kragler,© Privat

Im Gesangbuch begegnet mir neben den vielen "alten Bekannten" (Liedern) in den Zwischentexten immer wieder überraschend viel Neues. Bei der Liedauswahl für einen Gottesdienst, eine Andacht, sind diese Zwischentexte so etwas wie "Überraschungseier".

Anne Schulze-Siebert, 57 Jahre

Anne Schulze-Siebert,© Privat

Im Gottesdienst beeindruckt mich der Wechselgesang der Psalmen aus dem violetten Teil, den ich erst in Bayern kennen gelernt habe. Den grünen Teil des Gesangbuchs verwende ich überwiegend zum Nachlesen der Bekenntnisse

Entwickelt hat sich das Evangelische Gesangbuch aus dem „Achtliederbuch“, das im Jahr 1524 auf den deutschen Buchmarkt kam. Es trug den Titel „Etlich Christlich lider / Lobgesang und Psalm“ und repräsentierte die erste deutschsprachige evangelische Liedersammlung - gemeinsam mit dem Evangelischen Chorgesangbuch „Geistliches Gesangbüchlein“ von Johann Walter, einem thüringischen Kantor und dem Erfurter Enchiridion, einem der ersten protestantischen Gesangbücher überhaupt.

Im Laufe der Historie des Evangelischen Gesangbuches hat sich das Gesangbuchwesen immer mehr aufgesplittert, und jede Landeskirche konzipierte mit den Jahren seine eigene Version. Bundesweit gemeinsam ist allen nur eines: der Stammteil aus 535 christlichen Liedern, der aus dem „Achtliederbuch“ von 1524 wuchs und seither in allen Büchern enthalten ist.

Über den weiteren Inhalt dürfen die einzelnen Landeskirchen frei bestimmen. So enthält jedes Evangelische Gesangbuch einer jeden Landeskirche zum Beispiel einen Teil mit „Regionalen Liedern“. In der bayerischen Ausgabe zum Beispiel sind das 134 „Regionale Lieder“.


28.01.2014 / Poep / ELKB
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